Pflege: Ohne Nähe geht es nicht

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Abstand halten, gilt auch für die Pflegerinnen und Pfleger: Stefan Cox und Suzana Pavlovic vom Awo-Seniorenzentrum Haunerbusch in Kierspe ist der Aufruf zum nötigen Abstand wichtig.

Kierspe/Meinerzhagen – „Es ist eine schwierige Situation, auch für unsere Bewohner. Aber wir bewahren Ruhe.“ Das sagt Michael Borchert, Leiter des Seniorenzentrums Kierspe am Haunerbusch, über die aktuelle Situation rund um das Coronavirus.

Denn natürlich bleibt auch die Pflege in diesen Zeiten nicht von den Einschränkungen rund um das Virus verschont. Schließlich gehören alle Bewohner zur sogenannten Risikogruppe.

Im Seniorenzentrum in Kierspe sind die Türen bereits seit einigen Tagen für Besucher geschlossen. „Zunächst hatten wir die Besuchszeit auf eine Stunde pro Tag reduziert. Doch nach den neuen Erlassen haben wir uns zu diesem Schritt entschieden“, sagt Borchert. Denn: Eigentlich hätte man Besucher mit entsprechender Schutzbekleidung ausrüsten müssen, wenn sie im Seniorenzentrum zu Gast seien. „Doch die Ausrüstung, die wir haben, benötigen wir für den Fall der Fälle für unsere Mitarbeiter.“ Die Schließung für Besucher ist nicht die einzige Einschränkung. Alle Gruppenaktivitäten wurden in der Kiersper Einrichtung abgesagt, die Senioren speisen auf ihren Zimmern und nicht mehr gemeinsam in der Cafeteria. „Im normalen Alltag ist uns immer daran gelegen, die Gemeinschaft zu fördern“, berichtet Michael Borchert. Aber normaler Alltag herrscht in Zeiten von Corona beileibe nicht.

So auch nicht im Wilhelm-Langemann-Haus in Meinerzhagen. Dort waren Besuche bis Sonntag in eingeschränkter Form noch erlaubt. Einrichtungsleiterin Ingrid Papst erklärte, man habe sich an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts orientiert und entsprechend zum Verzicht auf Besuche aufgerufen. Man habe in der letzten Zeit viele Gespräche mit Angehörigen geführt, mit der Bitte, auf Besuche zu verzichten. Mit Erlass der nordrhein-westfälischen Landesregierung von Sonntagabend sind nun allerdings alle Besuche verboten, „die nicht der medizinischen oder pflegerischen Versorgung dienen oder aus Rechtsgründen erforderlich sind“. So bleiben nun auch die Türen des Wilhelm-Langemann-Hauses geschlossen. Zudem hat man in der Einrichtung die Desinfektionsmaßnahmen entsprechend verschärft. „Wir haben die Zahl der Desinfektionsmittelspender im Haus verdoppelt, zudem wurde auch die Flächendesinfektion intensiviert, etwa von Handläufen und Türgriffen“, berichtet Ingrid Papst. Im Wilhelm-Langemann-Haus gibt es ebenfalls keine übergreifenden Gruppenangebote für die Senioren mehr. „Als das Wetter jetzt schön war, haben die Senioren aber unsere Gartenanlage genutzt“, berichtet Papst. Zudem nehmen die Bewohner die Hauptmahlzeiten noch gemeinsam ein. „Wir haben alle Tische so umgestellt, dass genug Platz zwischen den Bewohnern bleibt“, so Papst.

Gruß aus der Ferne: Bewohnerin Ilse Knepper grüßte ihre Tochter Elke Schmidt per Foto. Schmidt, auch externes Mitglied des Nutzerbeirats, hatte ihre Mutter zuvor bereits mit Geschenken versorgt und telefoniert regelmäßig mit ihr.


Abstand halten – diese Regel gilt nicht nur in der Meinerzhagener Einrichtung, sondern auch im Seniorenzentrum in Kierspe. „Die Belegschaft hält Abstand. Nicht nur untereinander, sondern auch im privaten Bereich“, berichtet Michael Borchert. So wurden etwa notwendige Besprechungen in die Cafeteria verlegt, wo das Personal die vorgeschriebene Distanz zueinander wahren kann. „In der Pflege kommen unsere Mitarbeiter den Bewohnern natürlich immer noch entsprechend nahe“, sagt Borchert. Doch bisher hat es weder in Kierspe, noch in Meinerzhagen Corona-Verdachtsfälle in der Belegschaft oder deren Umfeld gegeben, betonen beide Einrichtungsleiter. „Unsere Mitarbeiter berichten immer wieder davon, dass sie private Verabredungen absagen und sich eben an die Vorschriften und Empfehlungen halten“, sagt Ingrid Papst. Die neue Situation bringt aber trotz aller Einschränkungen auch in beiden Seniorenzentren schöne Momente mit sich: In Kierspe etwa, so berichtet Michael Borchert, haben viele Angehörige nach dem Besuchsverbot schnell reagiert: Sie senden den Senioren Pakete mit Briefen, kleinen Aufmerksamkeiten oder Büchern oder geben diese vor der Einrichtung ab. „Zudem haben wir Telefone auf allen Zimmern – derzeit wird sehr viel telefoniert, sodass trotz allem noch individueller Kontakt besteht.“

In Meinerzhagen, wo die ehrenamtlichen Helfer des Wilhelm-Langemann-Hauses aufgefordert worden sind, daheim zu bleiben, gibt es ebenfalls Unterstützung aus der Ferne: „Die Ehrenamtlichen haben sich angeboten, Erledigungen in der Stadt zu übernehmen oder kleine Botengänge“, so Ingrid Papst, die auch von einer Ehrenamtlichen berichtet, deren Tochter ob der Schulschließungen aktuell daheim bleibt. „Sie hat sich angeboten, den Senioren Briefe zu schreiben, etwa mit kleinen Frühlings- oder Ostergedichten.“ Und sollte es knapp werden in Sachen Schutzbekleidung, gibt es von den Ehrenamtlichen auch die Offerte, Masken für das Personal zu nähen. „So könnten wir im Notfall ganz schnell auf diese Masken zurückgreifen.“ So versuchen alle Beteiligten derzeit, den Bewohnern den eingeschränkten Alltag so angenehm wie möglich zu machen.

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