Zwei „Sorgenkinder“ in Rönsahl

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Während auf der „freigeräumten“ Fläche bereits vor Jahren mit dem Bau von Einfamilienhäusern begonnen wurde, tut sich auf der Baustelle im und an dem Werkstattgebäude im oberen Teil des Baugebiets nichts mehr.

Rönsahl - Dass es an seniorengerechtem und damit barrierefreiem Wohnraum in Rönsahl fehlt, wird seit Jahren bemängelt. Und es sieht so aus, als würde dieser Zustand auch noch Jahre andauern.

Zumindest hat ein Baufachmann wenig Hoffnung, dass an zwei infrage kommenden Orten sich etwas tut. Vier Jahre ist es her, dass der Bauausschuss den Weg freimachte, das Gelände, auf dem viele Jahre die Märkischen Werkstätten ansässig waren, neu zu bebauen.

Und während auf der Fläche, die für Einfamilienhäuser vorgesehen ist, rege Bautätigkeit herrscht und wohl alle Grundstücke verkauft wurden, ruht die Baustelle im oberen Teil des Areals an der Straße Vor dem Isern. Dort wollte ein Investor zuerst seniorengerechtes Wohnen und später ein Wohngemeinschaftsprojekt realisieren.

Lust verloren

Lange hatte es an einer entsprechenden Baugenehmigung gehakt. Schließlich wandte sich der Investor an den Bauingenieur Horst Becker, dem es schließlich gelang, die entsprechenden Genehmigungen beizubringen. Doch viel getan hat sich seitdem nicht mehr – und wird es wohl auch auf absehbare Zeit nicht. „Der Investor hat keine Lust mehr und möchte das Gebäude gerne verkaufen“, teilt Becker sein Wissen mit der Meinerzhagener Zeitung.

Becker weiter: „Die Corona-Pandemie macht es sicher auch nicht einfacher, Grundstück samt Immobilie zu verkaufen, obwohl eine Anlage in Beton in diesen Zeiten sicher nicht die schlechteste ist.“ Eine Pflicht, die Baustelle zu beenden, sieht der damals geschlossene Kaufvertrag wohl nicht vor. Der Investor selbst, so Becker, konzentriere sich derzeit auf einen Großauftrag eines Telekommunikationsunternehmens, für das er bundesweit tätig sei.

Hotel "Zur Leye"

An anderer Stelle wird ebenfalls nach einer Lösung gesucht, für die sich keine schnelle Lösung abzeichnet. Seit Jahren ist das Hotel „Zur Leye“ an der Hauptstraße in Rönsahl dem Verfall preisgegeben. Als vor einiger Zeit Dachziegel und Stuck auf den Bürgersteig fielen, musste eine provisorische Sicherung angebracht werden, die eine weitere Gefährdung der Fußgänger und Autofahrer verhinderte.

Das Hotel „Zur Leye“ ist schon seit vielen Jahren geschlossen. Baulich ist das Gebäude an der Hauptstraße in Rönsahl nicht mehr zu retten.

Das hatte damals die Stadt übernommen, mittlerweile ist dafür der Kreis zuständig, wie Rainer Schürmann, Leiter des Sachgebiets Planung und Bauen, mitteilt. Auch dort gibt es Vorschläge, seniorengerechtes oder generationsübergreifendes Wohnen umzusetzen. Als sich die Rönsahler im Rahmen des Dorfinnenentwicklungskonzeptes vor rund drei Jahren mit dem ehemaligen Hotel beschäftigten, tauchten Vorschläge wie „Gastronomie“, „Arzt“ und „Einkaufsmöglichkeiten“ auf, das ganze möglichst mit einer Öffnung zu dem unterhalb des Gebäudes fließenden Bach und einer Stufenanlage, die den Höhenunterschied überwindet.

Eigentumsverhältnisse

Doch zuvor müssten, so Becker, erst einmal die Eigentumsverhältnisse geklärt sein. Durch die Insolvenz des früheren Besitzers und einer Erbausschlagung sei das Eigentum an das Land übergegangen, doch in Düsseldorf wollte man sich dieses Erbes nicht annehmen.

„Nach Bürgerlichen Gesetzbuch gilt das Haus als herrenlos. Damit könnte das Land den Besitz übernehmen. Das wird aber nicht geschehen, da noch erhebliche Grundschulden auf dem Gebäude lasten und diese vom Land beglichen werden müssten, erklärt Schürmann. Allerdings zeigt er einen Weg auf, der zu sich ändernden Eigentumsverhältnissen führen könnte.

„Wir haben mit dem im Grundbuch erstplatzierten Schuldner gesprochen und eine Vereinbarung getroffen. Dieser Schuldner (das Inkassounternehmen einer Bank) soll nun die Zwangsversteigerung beantragen. Das hat den Vorteil, dass derjenige, der bei der Versteigerung den Zuschlag erhält, die Immobilie ohne die Grundschulden übernehmen kann“, führt Schürmann aus.

Teurer Abriss

„Wenn man das Haus abreißt, wird sicher auch das danebenstehende Gebäude nicht zu retten sein“, so Becker. Das würde dann wohl bedeuten, dass ein Investor auch dieses Gebäude samt Grund erwerben müsste. Becker: „Allein für den Abriss der Gebäude müssen sicher noch einmal gut 150 000 Euro investiert werden.“

Aber auch die Nutzung eines freigeräumten Grundstücks sieht Becker als schwierig an: „Wohnhäuser, die direkt an der viel befahrenen Straße liegen, sind sicher nur schwer zu vermarkten. Aber auch für eine andere Nutzung wird es sicher nicht einfach, einen Investor zu finden.“

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