Seniorenbeirat: Vortrag zur Situation der Demenzerkrankten

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Lieber den Arm reichen als an der Hand zu ziehen – anhand vieler Beispiele illustrierte Sabine Troschinski (rechts) einen guten Umgang mit Demenzpatienten.

Kierspe - Die Leiterin der Seniorenresidenz informierte über das Demenzkonzept ihrer Einrichtung. Der Seniorenbeirat verlegte deshalb sein monatliches Treffen an die Montigny-Allee.

„Stellen Sie sich vor, Sie stehen morgens auf und wissen nicht mehr, wie man sich die Schuhe zubindet.“ Das sei die Situation von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, eröffnete Sabine Troschinski ihren Vortrag.

Anhand vieler Beispiele illustrierte Troschinski die verschiedenen Stufen einer Demenzerkrankung. Am Anfang steht das Erschrecken über „Vergesslichkeit“ und Veränderungen, die der Patient an sich selbst wahrnimmt.

Die meisten reagierten mit „Schutzstrategien“, erläuterte die Referentin. Von Verdrängung, Vortäuschen einer falschen Wirklichkeit bis Rückzug in selbstgewählte Einsamkeit sei die Palette groß. Das Kurzzeitgedächtnis sei gestört, der Kranke kenne sich im eigenen Umfeld nicht mehr aus oder wiederhole sich ständig.

Oft sind Patienten mit der Schnelligkeit anderer überfordert

Für die Patienten sei das verstörend, Angst, aber auch Aggression seien mögliche Folgen. Für Angehörige und Pflegepersonal dagegen sei es wichtig zu verstehen, warum der Patient sich so verhält, wie er sich verhält, um angemessen reagieren zu können.

Dazu müssten die Gesunden neue Verhaltensweisen gegenüber des Patienten einüben. „Wir reden zu viel und wir sind zu schnell,“ nannte Troschinski einen weitverbreiteten Fehler, der Patient sei überfordert.

Die Grundregeln im Umgang mit Demenzkranken sind eigentlich einfach: Ein freundliches Lächeln, Zuwendung, Wertschätzung und viel Lob – also eigentlich all die Verhaltensweisen, die auch Gesunde sehr zu schätzen wissen. Wichtig seien auch kurze und einfache Sätze.

Demenzerkrankten kreative Lösungen anbieten

Umgekehrt zeigte die Referentin aber auch, wie man es nicht machen dürfe. Distanzlosigkeit und Übergriffe in den Intimbereich der Patienten seien weit verbreitet, etwa, wenn der Kranke zur Körperpflege selbst nicht mehr in der Lage sei. Dann seien Einfühlungsvermögen und Fantasie gefragt.

Eine mögliche Lösung erläuterte Troschinski am Beispiel eines Hausbewohners, der sich partout nicht duschen lassen wollte. Der alte Mann war aber zeitlebens gerne Schwimmen gegangen und an dieses biografische Detail konnten Pflegepersonal und Angehörige anknüpfen.

Von jetzt an holte der Enkel den Opa regelmäßig ab und ging mit ihm ins Schwimmbad – um zu duschen. Das Fazit der Referentin: Angemessener Umgang mit Demenzpatienten sei keine Frage des Geldes oder der Zeit, es sei „eine Frage der Haltung“.

Der Aufklärungsbedarf rund um das Thema Demenz ist groß, auch deshalb bedauerte Helga Stahl als Sprecherin des Seniorenbeirats, dass keine Gäste zum Treffen gekommen seien. „Die Treffen des Seniorenbeirats sind grundsätzlich öffentlich“, betonte sie.

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