Selbstbewusstsein stärken

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Dr. Verena Welschof informierte die Eltern an der Pestalozzi-Schule. ▪

KIERSPE ▪ Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ heißt es im Volksmund. Und tatsächlich ist manches als Erwachsener nur noch schwer zu erlernen. Ein gutes Körpergefühl zum Beispiel, der Zugang zur eigenen Gefühlswelt, ein unverkrampfter Sinn für gesundes leben und das Selbstbewusstsein, frei zu entscheiden und bei gefährlichen Verlockungen nein sagen zu können gehören dazu.

Daher beginnt das Projekt Klasse 2000 schon in der ersten Klasse und begleitet die Kinder während ihrer gesamten Grundschulzeit. Neue Studien belegen: Die Klasse-2000-Kinder schätzen die Möglichkeit selber etwas in ihrem Leben verändern zu können höher ein als Gleichaltrige. Sie lassen sich seltener auf Alkohol und Nikotin ein, ernähren sich gesünder und sind selbstbewusster. Auch die Mehrzahl der Lehrer bescheinigt dem Projekt einen sehr guten Erfolg: Die meisten von ihnen stellten ein verbessertes Klassenklima fest.

Klasse 2000 ist das bundesweit größte Programm zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung in der Grundschule und setzt auf die Zusammenarbeit von Lehrkräften, externen Gesundheitsförderern und Eltern. Was genau dahinter steckt, erfuhren rund 35 Eltern am Mittwoch bei einem Infoabend in der Pestalozzischule von Dr. Verena Welschof, die das Projekt als eine der Gesundheitsförderinnen in den Schulen umsetzt. „Was ist die wichtigste Säule der Erde?“, fragt sie die Kinder. Die kommen meist schnell auf die richtige Antwort - „die Wirbelsäule“. „Wie könnte die denn wohl aussehen?“, lautet die nächste Frage. Schließlich gibt sie Halt, ist zugleich aber auch sehr beweglich. Die Kinder legen mehrere Holzplatten (Wirbel) aufeinander und sahen: So geht‘s nicht, diese Wirbelsäule wäre steif wie ein Stock. Dann probierten sie, wie nützlich eine ähnliche Konstruktion mit Schaumstoffkissen (Bandscheiben) zwischen den Wirbeln wäre, und siehe da: Schon kann sich die Wirbelsäule in alle Richtungen bewegen. Fehlt nur noch ein Zusatz, der für Stabilität und Steuerung sorgt - die Muskeln.

Anhand vieler Beispiele machte Dr. Verena Welschof deutlich, wie die Kinder im Klasse-2000- Unterricht interaktiv und mit viel Spaß und Neugierde lernen. Sie werden zu kleinen Forschern, bekommen sogar einen Forscherausweis und erschließen sich die Inhalte durch Spaß, Spiel und Ausprobieren.

Ein ganz wichtiger Bereich ist die Gefühlswelt: Spielerisch lernen die Schüler, ihre Gefühle ernst zu nehmen, sich bewusst zu machen, was sie brauchen um sich wohl zu fühlen - was ihnen gut tut. Wie wichtig Klasse 2000 ist, zeigen die Ergebnisse aktueller Studien: 15,4 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen rauchen. 15 Prozent der Kinder sind schon im Grundschulalter zu dick und - die alarmierendste Zahl - 20 Prozent alle Kinder im Alter von sieben bis 17 zeigen psychische Auffälligkeiten.

Damit die Impulse aus dem Projekt möglichst viel im Leben der Kinder bewirken, sollten auch die Eltern Interesse zeigen und mit den Kindern über das Erlernte sprechen. „Für Kinder ist es besonders wichtig, was ihr Umfeld ihnen vorlebt und dass die Eltern ehrlich und authentisch sind“, gab die Gesundheitsexpertin den Anwesenden mit auf den Weg. „Eltern müssen nicht perfekt sein, das ist niemand“, so Welschof. „Es ist aber wichtig für die Kinder, dass sie Fehler eingestehen können und offen über alles reden.“

Finanziert wird das Projekt Klasse 2000 an den heimischen Schulen hauptsächlich durch den Lions-Club Meinerzhagen/Kierspe mit Unterstützung weiterer Paten. An der Pestalozzischule zählt auch die AOK Meinerzhagen zu den Förderern. Weitere Informationen zum Projekt Klasse 2000 gibt es im Internet unter http://www.klasse2000.de. ▪ Petra Schüller

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