Netzwerk berät in Fragen der Barrierefreiheit

Ralf Ulrich, Geschäftsführer von Rat und Tat, Wohnberater Jan Hedfeld und die Architektin Barbara Hemicker (von links) beraten im Netzwerk Selbstbestimmt Wohnen Hilfesuchende.  Foto: Meyer

Kierspe - Im Alter die eigenen vier Wände verlassen zu müssen, ist für viele Menschen ein unangenehmer Gedanke. Auch wenn die Situation auf dem Wohnungsmarkt derzeit für ältere Menschen gut ist, werden in Zukunft in Kierspe zu wenige Wohnungen und Häuser auf pflegebedürftige Bewohner ausgerichtet sein. Davon ist Barbara Hemicker überzeugt: „Barrierefreie Wohnunterkünfte bauen sich nicht in zwei Wochen“.

Zwar gebe es im Stadtgebiet erste Bestrebungen, Wohnbestände seniorengerecht zu modernisieren, etwa am Haunerbusch. Doch die heimische Architektin sieht weiteren Handlungsbedarf bei allen in diesem Bereich aktiven Akteuren. Hemicker: „Es sollte möglich sein, Menschen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben zu lassen und so ihre sozialen Bindungen aufrecht zu halten.“

Mit dieser Einschätzung steht die Baufachfrau nicht alleine da – das Netzwerk Selbstbestimmt Wohnen hat es sich zur Aufgabe gemacht, ratlosen Menschen Möglichkeiten auf zu zeigen, wie sie ihr Haus oder ihre Wohnung so umbauen und mit Assistenzmittel ausstatten können, dass sie trotz ihrer Einschränkungen darin selbstbestimmt leben können. Von der pflegegerechten Planung, über die Antragsstellung bis hin zur eigentlichen Baumaßnahme und anschließenden Pflege und Betreuung – für jeden Schritt möchte der Zusammenschluss aus Architekten, Pflege- und Wohnberatern und Handwerkern den Hilfesuchenden zur Seite stehen.

„Zwar gibt es auch andere Anlaufstellen, wie beim Märkischen Kreis. Doch wir haben hier vor Ort unsere Kompetenzen gebündelt“, erklärt Ralf Ulrich, Geschäftsführer des Pflege- und Betreuungsservice Rat & Tat. Bei den Bestrebungen des Netzwerkes gehe es nicht alleine um die zu Pflegenden. „Man darf die Belastung der Pflegekräfte nicht vergessen“, mahnt Klaus Schulz vom Kiersper Malerbetrieb Schulz und Witt an. Je einfacher die Pflege, desto mehr Zeit bleibe für andere Dinge, weiß der Malermeister.

In naher Zukunft, da sind sich alle Mitglieder des Netzwerkes einig, wird selbstbestimmtes Wohnen ein weitaus größeres Thema werden. Vor allem im ländlichen Bereich sind viele Häuser und Wohnungen im Privatbesitz. Da diese aber meist in den 1960er und 70er Jahren kostengünstig gebaut wurden, ist der Sanierungsstau im Bezug auf Barrierefreiheit hoch und die Scheu vor hohen Umbaukosten groß. „So ein Umbau ist immer mit hohen Investitionen im vierstelligen Bereich verbunden. Doch die Sanierung lohnt sich, steigert sie doch den Wert der Immobilie“, sagt Barbara Hemicker. Zudem koste eine Unterbringung in einem Pflegeheim deutlich, als ein Umbau, fügt Wohnberater Jan Hedfeld hinzu. Die politischen Akteure hätten es verschlafen, sich Gedanken über Fördergeld für seniorengerechtes Wohnen zu machen, betonen die Mitglieder des Netzwerks. „Der Bund und das Land NRW müssen in diesem Bezug nachlegen“, meint Ralf Ulrich. Häufig würden Kredit wegen des hohen Alters der Antragsteller nicht mehr gewährt, so der Pflegeberater. Stattdessen würden viele auf Kosten der Steuerzahler in Heimen untergebracht. Ulrich: „Eine alten Baum verpflanzt man nicht.“ - Von Martin Meyer

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