Seit 19 Jahren Schulpfarrer:„Religion ist mein Lebensthema“

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Stefan Wilczewski ist seit dem Jahr 2000 Schulpfarrer an der Gesamtschule Kierspe. Für ihn, für den Religion das Lebensthema ist, nach wie vor genau der richtige Ort.

Kierspe - Wer im Volmetal einen Schulpfarrer sucht, sollte das nicht im Evangelischen Gymnasium in Meinerzhagen tun, sondern in der Gesamtschule in Kierspe. Seit mittlerweile 19 Jahren ist Stefan Wilczewski dort tätig.

„Die meisten Menschen sind religiös, selbst Atheisten“, davon ist Stefan Wilczewski überzeugt – und so erlebt er seine Mitmenschen. Deshalb hält er es auch für wichtig, dass es an Schulen einen Pfarrer gibt, „Theologen haben ein Wissen, das im normalen Lehramtsstudium nicht vermittelt wird.“ Er selbst hätte mit seiner Ausbildung sowohl als Pfarrer als auch als Lehrer arbeiten können. Letztlich waren es Zufälle und Einstellungsstopps, die ihn an die Schule in Kierspe brachten – er selbst sieht darin aber eher eine göttliche Fügung.

Denn es war sein tiefer Glaube, der ihn zu der Entscheidung brachte, sich für ein Theologie-Studium zu entscheiden. Geboren wurde Wilczewski 1964 in Gelsenkirchen. „In Hörweite zum damaligen Schalke-Stadion“, erzählt er. Und obwohl er dann in Herten aufwuchs, die Liebe zu Schalke ist geblieben, bis heute. Mit der Religion und dem Glauben kam er schon im Elternhaus in Berührung. Und obwohl die eigene Familie evangelisch war, besuchte Wilzewski als Kind einen katholischen Kindergarten, „dort wurde ich auch religiös sozialisiert.“

Später auf dem Gymnasium traf er auf zwei engagierte Religionslehrer. „Der eine war ganz aktiv in der Friedensbewegung, die andere war überzeugte Feministin“, erinnert er sich. Trotzdem erlebte er damals noch einen ganz anderen Religionsunterricht als seine Schüler heute. „Damals war der Religionsunterricht sehr streng, unser Schulbuch war die Bibel – und Kirchenlieder haben wir dort auch kennengelernt“, erzählt er. Außerhalb der Schule waren es die St.-Georgs-Pfadfinder, bei denen Wilczewski auch eine geistige Heimat fand. Mit ihnen ist er auf Freizeiten gefahren und sonntags in die Messe gegangen.

Mit Letzterem war Schluss, als der Konfirmandenunterricht begann. Nach der Konfirmation sei dann auch Schluss mit den Pfadfindern gewesen – in die Kirche ist er aber weitergegangen, nun jedoch in eine evangelische. In der Oberstufe, die Wilczewski von 1980 bis 1983 besuchte, reifte dann der Entschluss, Theologie zu studieren. „Es war aber auch die Zeit, in der ich mich stark politisierte, daran waren die Religionslehrer nicht ganz unschuldig.“ Aber letztlich war es sein Philosophielehrer, der ihm riet, Lehramt zu studieren. Schließlich hat er dann Theologie für das Pfarramt und gleichzeitig fürs Lehramt studiert.

Um dann auch als Lehrer arbeiten zu können, studierte er im zweiten Fach Altgriechisch und natürlich auch noch Pädagogik. Nach dem Abschluss seines Studiums gab es jedoch einen Einstellungsstopp für Lehrer. „Viele schulten damals auf Trainer für EDV um, das konnte ich mir gar nicht vorstellen“, so Wilczewski. Musste er ja auch nicht, denn der Weg in den kirchlichen Dienst stand ihm ja nach wie vor offen. In Ostwestfalen absolvierte er sein Vikariat, dort wurde er auch als Pfarrer im Hilfsdienst – also ohne eigene Gemeinde – tätig. Nach der Ordinierung 1995 ging er für ein Jahr nach Tansania, wo er an der Lutherischen Hochschule religionswissenschaftliche Studien betrieb.

„Nach meiner Rückkehr und zwei Jahren im Hilfsdienst war die Situation wie nach dem Studium für Lehrer, denn es gab nun auch so gut wie keine Stellen für Pfarrer. Auf eine Stelle kamen damals rund 100 Bewerber“, erzählt Wilczewski. Also ein erneuter Wechsel bei der Berufssuche. Im Jahr 2000 hat er sich schließlich auf die Stelle in Kierspe beworben, „da konnte ich beides Erlernte miteinander verbinden.“ Dass es an der Gesamtschule überhaupt eine der rund 600 Schulpfarrer-Stellen im Land gibt, lag sicher an der Zeit, vor allem aber am Ganztag, der war damals noch neu und wurde außerhalb der Gesamtschule nicht gelebt.

Damals hatte der Kirchenkreis darauf gedrängt, dass es dort dann auch einen Schulpfarrer gelben sollte. „Letztlich hatte man die Idee, kirchliche Jugendarbeit mit dem Ganztag zu verbinden“, sagt Wilczewski. Und so teilte sich auch die Zeit an der Schule auf: zwei Drittel seiner Arbeitszeit war er im Religionsunterricht tätig, ein Drittel in anderen Ganztagsangeboten. Und auch in der Bezahlung schlug sich das nieder, der Träger zahlte für den Unterricht und der Kirchenkreis für den Ganztag.

Verbeamtet wurde Wilczewski übrigens nie, war auch nicht nötig, weil er heute bei der Kirche angestellt ist – auf Lebenszeit. Bezahlt wird er aber vom Staat, da sich die Kirche 2007 in finanzieller Not befand und sich von dem ursprünglichen Modell trennte. Bis dahin war Wilczewski auch für die geistliche Betreuung der Schüler zuständig und organisierte Ganztagsangebote gemeinsam mit den Schulsozialarbeitern. Nach 2007 bekam er dann eine volle Lehrerstelle, die anderen Arbeiten entfielen – allerdings nicht ganz. Denn nach wie vor organisiert er einmal wöchentlich das Schülerfrühstück – übrigens auf eigene Kosten.

Wilczewski unterrichtet Schüler vom fünften bis zum 13. Schuljahr. An der Schule ist er der einzige seiner Art. „Für einen katholischen Schulpfarrer im evangelisch geprägten Märkischen Kreis gab es noch nie eine Stelle.“ „Die religiöse Vorbildung der Schüler hat mit den Jahren deutlich nachgelassen. Da fehlt einfach das religiöse Basiswissen. Ich glaube aber, dass die Menschen nach wie vor religiös sind, nur nicht mehr so sehr in kirchlichen Strukturen“, so Wilczewski, der aber auch betont, dass ihm die Arbeit nach wie vor viel Spaß mache.

„Religion ist mein Lebensthema und der Unterricht macht mir viel Spaß, außerdem ist er jeden Tag eine Herausforderung.“ Hin und wieder lockt dann auch mal noch die Arbeit in der Gemeinde, vor allem dann, wenn es an Pfarrern mangelt, dann steht auch Wilczewski immer mal wieder und gerne auf der Kanzel. Doch grundsätzlich hat er seine Berufung in seinem Beruf gefunden. Wilczewski würde wohl sagen: „Gott sei Dank.“

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