Kiersper Rallye Club seit 50 Jahren im Geschwindigkeitsrausch

KIERSPE ▪ Vor 50 Jahren wurde der Kiersper-Rallye-Club (KRC) gegründet, Samstagabend feierte er sein Jubiläum in der historischen Brennerei in Rönsahl. Viele alte oder ehemalige Mitglieder sowie dem Rallye-Club nahestehende Freunde waren zu dem Festabend eingeladen.

Als Vertreter des ADAC Landesverbandes Westfalen war Rolf Lehmann aus Ibbenbüren gekommen, Dieter Grafe kam als Vertreter der Stadt Kierspe, Dieter Baukloh vom Kreissportbund und Petra Werth als Vertreterin des Stadtsportverbandes.

„Sport ist in Vereinen am Schönsten, am Allerschönsten ist der Motorsport im KRC“, begann der Vorsitzende Ulrich Tweer seine Begrüßung der Gäste. „Wäre es nicht so, hätte der KRC nicht 50 Jahre bestehen können.“ Dass es nicht immer Formel 1 sein muss, sondern auch Motorsport für kleines Geld gemacht werden kann, darauf wies er hin. Rolf Lehmann vom ADAC Westfalen zog Parallelen zwischen dem ADAC und dem KRC im Laufe der vergangenen 50 Jahre. Der ADAC hatte damals 47 000 Mitglieder, der Liter Benzin kostete damals noch 60 Pfennig und ein VW-Käfer 3700 Deutsche Mark. Der KRC begann damals mit sieben Mitgliedern und kann heute auf über 70 Mitglieder blicken. Dieter Grafe als Vertreter der Stadt Kierspe begrüßte es, dass sich der KRC seit zwei Jahren der Jugendarbeit verschrieben hat, aber schon lange der Pflege alter Autos und Motorräder.

Ein Rückblick auf 50 Jahre Clubgeschichte durfte an diesem Abend nicht fehlen. Udo Killing, Lothar Kasper und Ulrich Tweer hatten sich die Aufgabe geteilt und tauchten noch einmal in die Vergangenheit ein. Udo Killing, Gründungsmitglied des KRC, hatte kurzfristig sein Erscheinen absagen müssen, ließ jedoch seinen Rückblick von Ulrich Tweer vortragen.

Die Keimzelle des KRC 1959 waren rund 15 junge Männer. Ganz besonders ragten dabei die Gebrüder Hartmut und Wilfried Gelhausen heraus, deren Vater ein Baugeschäft hatte. Der Arzt Dr. Werner Diestelmeier stieß zu dieser Gruppe hinzu und beteiligte sich an Rallyes mit seinem nagelneuen Porsche. Noch 1959 sammelten die Jung-Motorsportler ihre ersten Rallyeerfahrungen und nahmen an sogenannten Bildersuchfahrten teil. 1962 schloss sich der KRC dem ADAC an und nun konnten seine Mitglieder auch an Lizenzveranstaltungen teilnehmen. Ab 1961 organisierte der KRC eigene lizenzfreie Veranstaltungen.

Im März 1964 wäre der Erfolg beinahe gekippt. Zur ihrer KRC-Winterfahrt hatten sie eingeladen und mit 100 Teilnehmern gerechnet, gekommen waren aber 193. Die fehlenden Streckenunterlagen mussten nachkopiert werden, damals ein mühseliges Unterfangen, da Kopiergeräte nicht so weit verbreitet und deutlich langsamer arbeiteten als heute. Ab 1965 wurden Rennen auf dem Nürburgring organisiert und gleich das erste sollte im März, einem wettertechnisch ungünstigen Monat stattfinden. Kurz vor dem Termin sagte die Nürburgringgesellschaft den ab, was den wirtschaftlichen Ruin des kleinen Vereins nach sich gezogen hätte. Die Kiersper widersprachen und hatten Glück. Das Wetter war zwar nicht gut, jedoch lag kein Schnee und die Rallye konnte ohne Unfälle durchgeführt werden.

1967 gelangen es Bernd Reich und Udo Killing die Westdeutsche Rallye-Meisterschaft auf einem Alpina-BMW zu gewinnen, 1966 und 1967 wurden sie auch ADAC-Gau-Meister. „Anfang 1971 bekamen wir unser eigenes Clubhaus“, berichtete Lothar Kasper weiter. „Es war das alte Gartenhaus des Vaters des Clubmitgliedes Wilfried Oeckinghaus, welches wir erst noch renovieren mussten.“ Jahrelang diente das Gartenhaus als Treffpunkt für Clubabende, Sommer- und Kinderfeste. Im Zuge des steigenden Umweltbewusstseins wurde es immer schwieriger, motorsportliche Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen genehmigt zu bekommen. Aus diesem Grund fand die letzte Sauerländische Seen-Rallye 1971 statt.

Der Club widmete sich nun dem Nachwuchs und richtete Fahrradgeschicklichkeitsturniere aus und nahm Mopeds in sein Programm auf. Weniger aktive Mitglieder trafen sich sonntags zu den sogenannten Fuchsjagden mit Ehepartnern und Kindern. Nicht die Sekundenhetzerei, sondern Freude und Spaß standen an erster Stelle. Die Sieger erhielten Ende des Jahres den großen Fuchsschwanz überreicht. Viele Väter bauten damals Mini-Car-Fahrzeuge, Ferienspiele und Turniere mit über 100 Teilnehmern fanden statt. Der KRC war damals so erfolgreich, dass er vom ADAC ab 1981 den Zuschlag erhielt, für mehrere Jahre einen regionalen Wertungslauf durchzuführen. Erfolgreichste Teilnehmerin war seinerzeit Carmen Oeckinghaus, die es 1983 schaffte, den dritten Platz in der Deutschen Meisterschaft zu belegen.

„In den 90er Jahren haben wir im regionalen Rallyesport die Szene aufgemischt“, berichtete Ulrich Tweer weiter. „So kam es vor, dass auf den ersten fünf Plätzen in der Klasse bei der Siegerehrung drei Teams aus Kierspe ihre Pokale abholten.“ Neben dem Gewinn vom Rheinland-Pokal und Süd-Westfalen-Trophy, stellte der KRC 1997 den besten Rallyefahrer im ADAC Westfalen. Darüber wurde der Club zweiter Sieger beim ONS Rallye-Pokal West (Oberste Nationale Sportkommission für den Automobilsport in Deutschland). 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gehörten zu den Aktivitäten des Clubs und Clubkamerad Bodo Schäfer hatte zwischen 2003 und 2005 diverse Topplatzierungen in seiner Klasse erreicht. Ab 2001 führt der KRC regelmäßig Oldtimerrallyes im klassischen Stil durch. Die KRC Seenfahrt-Historic war geboren und zählt heute zum ADAC-FIVA Historic-Cup als eine von 17 bundesweiten Veranstaltungen, was für ihre Qualität spricht. Seit 2004 führt der Club noch eine Motorrad-Veteranen-Rallye durch mit Teilnehmern von Kiel bis herunter in die Schweiz.

Den feierlichen Rahmen des Jubiläumsfestes, der dank der finanziellen Unterstützung der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen und der Volksbank des Märkischen Kreises möglich war, nutzte der KRC, um seine Vereinsmeister zu ehren und ihnen die zustehenden Pokale zu überreichen. Wolfgang Grosalski errang den ersten Platz mit 61,85 Punkten, gefolgt von Bernd Oberhaus mit 59,44 Punkten. Platz drei errang Harald Zawadski mit 44,85 Punkten. Auf den weiteren Rängen standen Lothar Kasper, Ulrich Tweer, Wilfried Oeckinghaus, Robert Brandt, Ulrich Hillecke und Peter Bodenschatz. Sie erhielten ebenso eine Auszeichnung überreicht. Auch die Teilnehmer der Jugendmeisterschaft 2011 wurden mit einer Urkunde geehrt, Robin Brandt als Sieger der KRC Sportmeisterschaft mit einem Pokal. Das Clubmitglied Wilfried Oeckinghaus wurde an diesem Abend nicht nur für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt, er wurde zugleich zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.

Nach dem offiziellen Teil gab es viel Raum für die Gäste, miteinander ins Gespräch zu kommen oder bei einladender Musik auch zu tanzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare