Floristik im Laufe der Zeit um einiges erleichtert

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Das Team des Blumenhauses Varnhorn im Jubiläumsjahr besteht aus Petra und Horst Schürmann sowie den Angestellten Heike Deuschle und Rosi Weiche. Heute gehören auch Geschenkartikel zum festen Sortiment. ▪

KIERSPE ▪ Es passiert nicht allzu häufig, dass ein Einzelhandelsgeschäft über 50 Jahre existiert. Beim Blumenhaus Varnhorn aber ist das jetzt der Fall, denn es wurde am 15. März des Jahres 1963 von Karl und Ingrid Varnhorn gegründet. Heute wird es von der Tochter Petra Schürmann und ihrem Mann Horst, der offiziell sogar Inhaber ist, geführt. Gefeiert wird das Jubiläum am kommenden Freitag zusammen mit den Kunden.

Manche älteren Bürger können sich vielleicht daran erinnern, dass der Blumenhandel nicht immer in dem heutigen Ladenlokal Kölner Straße 89 untergebracht war, sondern etwas weiter oberhalb im Gebäude mit der Hausnummer 103. Später wurde daraus die Kneipe Bayernstube. Nachdem dort die Inseldrogerie Hugo Stammer geschlossen wurde und das Erdgeschoss seitdem leerstand, entschied das Ehepaar Varnhorn, sich in den Räumen mit einem Blumengeschäft selbstständig zu machen.

Karl Varnhorn, der aus Wattenscheid stammte und dessen Vater dort eine Gärtnerei hatte, in der der Sohn damals mitarbeitete, war natürlich dafür geradezu prädestiniert. Der Zweite Weltkrieg hatte ihn dann aus dem Kohlenpott, wie das Ruhrgebiet genannt wurde, zur Sprotte im Schleipetal verschlagen. Dort hatte er erst eine Kranzbinderei betrieben und Blumengeschäfte in Meinerzhagen, Halver, Lüdenscheid, Altena, Neuenrade und Werdohl beliefert. „Ich war oft mit Vater unterwegs, um auszuliefern“, erinnert sich Petra Schürmann an die teils langen Fahrten. Das Ladenlokal war in jener Zeit ziemlich groß.

1969 zog das Blumenhaus dann in die heutigen Räume im Haus der Familie Wiebusch um. Bis auf die eine oder andere Renovierung und neue Einrichtung hat sich seitdem nicht viel geändert. Sehr wohl dagegen jedoch beim Blumen- und Pflanzenhandel selbst, wie auch die Angestellten wissen, die teilweise bereits lange im Unternehmen mitarbeiten.

So stehen heute ganz andere Hilfsmittel zur Verfügung: „Wir mussten noch Sphagnummoos im Wald suchen, aus dem wir dann Steckkissen anfertigten. Heute gibt es dafür spezielle Steckschwämme im Angebot des Großhandels. Zudem stehen uns Brautstraußhalter sowie fertiggebundene Strohkränze für Trauer- und Adventskränze zur Verfügung, die wir früher alle selbst manuell binden mussten“, berichtet so Heike Deuschle. Und Kranzschleifen, die einst teilweise von Hand oder mit Klebebuchstaben beschriftet werden mussten, bedrucke mittlerweile der Computer. Gab es früher vielfach Seiden- und Federblumen, sind heute der neueste Schrei Schaumstoffblumen, ergänzt Petra Schürmann.

Als 1978 Karl Varnhorn starb, heiratete seine Frau später nochmals. Walter Boecker wurde ihr Mann. Sie selbst betrieb das Geschäft weiter, war aber keine gelernte Floristin. Seit dem Jahr arbeitete jedoch ihre Tochter mit im Geschäft: Petra Schürmann durfte Lehrlinge ausbilden, die dann immer wieder auch im Geschäft beschäftigt wurden. So stieß vor 33 Jahren die heutige Mitarbeiterin Heike Deuschle zum Team. Erst hatte sie ihr Schulpraktikum im Betrieb gemacht, dann freitags und samstags hier gejobbt und schließlich die Ausbildung begonnen. „Sie gehört längst mit zum Inventar“, schmunzelt ihre Chefin, die das Geschäft seit dem Tod ihrer Mutter 2011 allein führt, wobei sie von ihrem Mann dabei nach Kräften unterstützt wird. Der ist zwar offiziell Inhaber, geht hauptberuflich allerdings nach wie vor einer anderen Beschäftigung nach. Seit 15 Jahren gehört zudem Rosi Weiche zum Team und als Aushilfe ist im Blumenhaus Varnhorn gelegentlich noch Saskia Angelsdorf beschäftigt. Ihre Lehre bei Varnhorn gemacht hat außerdem Elke Karloff, ebenfalls vielen Bürgern in Kierspe bestens bekannt.

Waren früher Trauerfloristik und Hochzeiten ein wichtiger Geschäftsschwerpunkt, sind neben Blumen und Pflanzen inzwischen vor allem Geschenkartikel hinzugekommen. „Nicht zuletzt, weil es sonst kein entsprechendes Geschäft mehr in Kierspe gibt“, merkt Petra Schürmann an. Kleine Tonfiguren oder jetzt zu Ostern bunte Dekoeier sind da unter anderem im Angebot. Zur Weihnachtszeit sind vor allem die Glasartikel aus Lauscher ein Renner. 13 Jahre lang waren die Ausstellungen mit erzgebirgischer Volkskunst sehr beliebt. „Leider ließ das Interesse auch aufgrund der Möglichkeit des Internethandels zum Schluss merklich nach“, bedauert sie.

Rolf Haase

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