Wer seine Freizeit opfert, hat Unterstützung verdient

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Fast die Größe einer eigenen Löschgruppe hat die Mitarbeiterzahl der Feuerwehrmitglieder, die bei der Firma Goletz beschäftigt sind, sehr zur Freude von Wehrleiter Georg Würth. ▪

KIERSPE ▪ „Es gibt Arbeitgeber, die unterbinden den Einsatz ihrer Mitarbeiter bei der Feuerwehr während der Arbeitszeit ganz massiv. Das ist schon soweit gegangen, dass zwei unserer Wehrleute eine Abmahnung erhielten, weil sie zu einem Einsatz eilten, bei dem nach einem Unfall eine eingeklemmte Frau aus ihrem Wagen befreit werden musste“, schildert Wehrleiter Georg Würth die Probleme, die er hat, die Tagesverfügbarkeit der Wehr sicherzustellen.

Doch wichtiger ist es Würth die Arbeitgeber zu erwähnen, die die Wehr unterstützen und ihren Mitarbeitern die Möglichkeit einräumen, ihr Ehrenamt auch während der Arbeitszeit auszuüben.

Zu diesen Arbeitgebern gehören auch Michael Vedder und Martin Werner, Inhaber der Firma Goletz mit Sitz in Kiersperhagen. Fragt man Vedder wie viele Mitarbeiter der Wehr angehören, antwortet er spontan sechs, würde man Werner fragen, käme als Antwort sieben. Denn auch Michael Vedder gehört der Kiersper Wehr an und ist schon bei manchem Einsatz während seiner eigentlichen Arbeitszeit ausgerückt.

Erfreut sind die beiden Geschäftsführer allerdings, dass sich die Ehrenamtlichen auf alle vier Löschzüge verteilen und im Einsatzfall somit nur wenige Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlassen müssen. Dass es auch bei Goletz Einschränkungen gibt, erklärt Vedder: „Der Mitarbeiter muss selbst entscheiden, ob er seinen Arbeitsplatz verlassen kann. Während der Nachtschicht kann das schon mal schwierig werden – und auch dann, wenn durch die Abwesenheit die pünktliche Abwicklung eines Auftrages gefährdet ist.“

Wobei der Wehrleiter bislang von diesen Einschränkungen im Unternehmen nichts gemerkt hat: „Nachts stehen im Normalfall genügend Helfer zur Verfügung. Kritisch wird es vor allem tagsüber und da können die Wehrleute durchaus bei den Einsätzen differenzieren. Niemand muss Arbeitsabläufe in einer Firma gefährden, nur weil ein Mülleimer brennt. Doch wenn Menschen in Lebensgefahr sind, dann hat das eine andere Priorität.“

Für Michael Vedder ist die positive Einstellung gegenüber dem Ehrenamt auch Ausdruck der Hochachtung vor dem Engagement: „Wir finden es wichtig, dass sich die Mitarbeiter engagieren. Wer seine Freizeit opfert, um anderen Menschen zu helfen, verdient jede Unterstützung.“ Außerdem zeige seine Erfahrung, so Vedder weiter, dass Mitarbeiter, die auch ehrenamtlich tätig seien, sich im Betrieb als ausgesprochen zuverlässig erwiesen hätten.

Bei der Firma Goletz hat diese Einstellung gegenüber der Feuerwehr bereits Tradition. Denn auch in der Gründergeneration gab es viele Wehrmitglieder unter den Mitarbeitern – auch der Vater von Michael Vedder war Feuerwehrmann.

Doch nicht nur gegenüber den Ehrenamtlichen zeigt sich die Geschäftsführung großzügig, auch die Stadt profitiert von der Einstellung von Michael Vedder und Martin Werner.

Wurde doch bislang noch keine Stunde, die die Wehrleute beim Einsatz und nicht am Arbeitsplatz waren, geltend gemacht. „Das handhaben die Unternehmer in Kierspe generell sehr unterschiedlich. Es gibt einige – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Industrieunternehmen – die nichts abrechen. Bei anderen wird jede Stunde aufgeführt“, so Würth. Und Vedder ergänzt: „Bei den meisten Einsätzen sind die Leute ja auch nur zwei oder maximal drei Stunden weg.“

In der Entschädigung für den Arbeitgeber sieht Würth auch nicht das Problem. Doch je weniger Arbeitgeber bereit seien, ihre Mitarbeiter, trotz eindeutiger Gesetzeslage, gehen zu lassen, desto mehr Kräfte müssten alarmiert werden, um auch während des Tages eine ausreichende Zahl an Einsatzkräften an den Ort des Geschehens zu bekommen. „Es gibt sogar Arbeitgeber, da erwähnt man beim Einstellungsgespräch am besten gar nicht, dass man Mitglied der Feuerwehr ist“, erklärt der Wehrleiter.

„Bei uns wäre es eher genau andersherum, aber dem gezielten Einstellen von Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, steht das Antidiskriminierungsgesetz entgegen“, so Michael Vedder abschließend. ▪ Johannes Becker

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