gwk: Spezielles Praktikum für Gesamtschüler

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Gesamtschullehrer Wolfgang Löffler (links) und der Leiter der Ausbildungswerkstatt Martin Bremicker (rechts) kümmerten sich eine Woche lang sehr intensiv um sechs Gesamtschüler. 

Kierspe - Im Metallbereich kommt es auf Bruchteile des Millimeters an, im Betrieb aber auch auf das menschliche und fachliche Miteinander. Da passt es gut, dass sich die Mitarbeiter der Firma gwk und sechs Gesamtschüler intensiv beschnuppern können.

Dass es längst nicht mehr ausreicht, den Schülern das Schreiben von Bewerbungen im Unterricht zu vermitteln, hat sich an allen Schulen herumgesprochen. Doch die Gesamtschule geht weiter, um die potenziellen Berufsstarter auf ihre Zukunft vorbereitet werden. So macht unter anderem regelmäßig das Ausbildungsmobil der Metall- und Elektroindustrie an der Schule Station, die Schüler gehen in Praktika und lernen im Technikunterricht auch handwerkliche Grundlagen. Trotzdem gibt es in jedem zehnten Jahrgang einige Schüler, die nicht in die Oberstufe gehen werden, aber auch noch keinen Ausbildungsplatz haben. Um diese Schüler kümmert sich Techniklehrer Wolfgang Löffler seit einigen Jahren ganz besonders – und das mit Erfolg. In dieser Woche ist Löffler zum zweiten Mal eine Woche lang bei der Firma gwk zu Gast – und mit ihm sechs Schüler des zehnten Schuljahres. „Wir haben Schüler, die sich noch unsicher sind, was sie nach dem Ende des Schuljahres machen wollen, und die Firma gwk hat in einigen Ausbildungsberufen noch unbesetzte Stellen. Jetzt wollen wir sehen, ob da nicht zwei Interessen zusammenfinden“, erklärt Löffler.

Martin Bremicker, Leiter der Ausbildungswerkstatt, schiebt dann auch gleich nach, in welchen Berufen noch unbesetzte Lehrstellen zu finden sind: Mechatroniker, Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik (Industrielackierer), Maschinen- und Anlagenführer und Industrieelektriker. „Insgesamt möchten wir 16 Auszubildende im kommenden Sommer einstellen, um dem Bedarf des wachsenden Unternehmens gerecht zu werden“, erklärt Bremicker. Rund die Hälfte der 427-köpfigen Belegschaft wurde mittlerweile im eigenen Haus ausgebildet – ein Modell, das sich bewährt habe. Für die Azubis hat diese Haltung des Unternehmens den Vorteil, dass, sollte es nicht zu einem dramatischen Wirtschaftseinbruch kommen, der Arbeitsplatz nach der Ausbildung quasi garantiert ist. Vorausgesetzt, Unternehmen und Mitarbeiter passen zueinander. Das lasse sich in dem fünftägigen „Spezialpraktikum“ natürlich hervorragend testen, davon sind Bremicker und Löffler überzeugt. Denn die Gesamtschüler lernen nicht nur Grundlagen der Metallverarbeitung wie Feilen, Nieten, Bohren, Gewindeschneiden, Sägen, Biegen, Löten und Montieren kennen, sie gehen nachmittags auch immer zu zweit in verschiedenen Abteilungen der Produktion. Bremicker: „Im Lager, der Blechabteilung, der Montage und Zerspanung können die Schüler dann eine Beziehung zwischen dem morgens Gelernten und der praktischen Anwendung im Unternehmen kennenlernen.“

Und Lehrer Löffler hat frei? Nicht so ganz, denn morgens setzt der Techniklehrer sein Wissen und Können ein, um den Schülern bei dem Erlernen der Grundlagen zur Seite zu stehen, und nachmittags unterrichtet er in kleinen Gruppen die 42 Auszubildenden, die bereits in dem Unternehmen tätig sind in Mathematik. „Da kann ich da helfen, wo es hakt“, so Löffler. Alexandra Haufer, Assistenz der Geschäftsführung und Leiterin der Ausbildung bei gwk, freut sich über die zusätzliche Förderung: „Das ist schon ein Gewinn. Wir bieten zwar innerbetrieblich auch Nachhilfe an, wenn es Probleme in der Berufsschule gibt, aber einen regelmäßigen Werksunterricht haben wir noch nicht – wollen diesen aber in Zukunft anbieten.“

Dass sich beide Seiten so stark bei diesem Projekt engagieren, ist auch dem Erfolg dieses besonderen Praktikums in den vergangenen Jahren geschuldet. 2015 war Löffler schon einmal mit mehreren Schülern zu Gast bei gwk, heute arbeiten zwei aus der damaligen Gruppe bei dem Meinerzhagener Unternehmen. „2016 und 2017 waren wir mit der gleichen Idee in anderen Firmen zu Gast, auch dort ist jedes Mal mindestens ein Schüler in einen Ausbildungsplatz vermittelt worden“, freut sich Löffler.

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