Schwimmen ist in Kierspe kein Problem

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Kierspe - Alle vier Tage schließt ein Schwimmbad in Deutschland für immer. Die Folge: immer weniger Menschen lernen schwimmen, die Zahl der Nichtschwimmer steigt – und auch die Zahl derer, die jedes Jahr ertrinken. So gesehen lebt Kierspe auf einer Insel der Glückseligkeit, jedenfalls so lange das Bad existiert.

Im Jahr 2018 ertranken in Deutschland 504 Menschen, in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres waren es bereits 348. Grund genug für die DLRG darauf hinzuweisen, dass für Schwimmunterricht und -training immer weniger Bäder zur Verfügung stehen. 

Allein seit dem Jahr 2000 sind nach Angaben der DLRG jedes Jahr rund 80 Schwimmbäder für immer geschlossen worden. „Wir als Ortsgruppe Kierspe des DLRG sind noch in der glücklichen Lage, dass wir noch ein Schwimmbad vor Ort haben. Hätte sich nicht der Bäderbetrieb gegründet, der über die Stadtwerke mitfinanziert wird, wäre das wahrscheinlich nicht mehr so, denn von Seiten der Stadt sehen wir kein Interesse für das Bad“, teilt Nico Howorka, Vorsitzender der örtlichen Gruppe der Lebens-Rettungs-Gesellschaft, mit. Vor einigen Jahren, so Howorka, habe man sich entschlossen, regelmäßig Schwimmkurse für Nichtschwimmer anzubieten, dabei lege man besonderen Wert darauf, nicht nur ein Angebot für Jugendliche zu machen, sondern auch für Erwachsene. 

„Unter anderem haben wir das getan, weil die Kurse des Bäderbetriebs regelmäßig überlaufen sind. Aber auch unsere Kurse sind immer komplett ausgebucht“, erklärt Howorka. Sobald die ehemaligen Nichtschwimmer das Seepferdchen erworben hätten, könnten diese dann bei der DLRG das Erlernte vertiefen und am Schwimmunterricht der DLRG-Ortsgruppe teilnehmen. 

Grundsätzlich wird das Bad vor allem von den Schulen genutzt, da Schwimmunterricht auf den Lehrplänen steht. Und neben den Kiersper Schulen kommt auch die Oberstufe des Meinerzhagener Gymnasiums nach Kierspe. Denn in deren Heimatstadt steht – genau wie in Halver – nur ein 16-Meter-Becken zur Verfügung. Das reicht aber für Schwimmprüfungen, die auf 25 Meter-Bahnen ausgelegt sind, nicht aus. In Kierspe finden die Schwimmer im Vergleich dazu nahezu ideale Bedingungen. Denn dort seht ein Becken mit einer Länge von 25 Meter und einer Breite von zehn Metern zur Verfügung. Startblöcke, ein Drei-Meter-Sprungturm und ein Ein-Meter-Sprungbrett vervollständigen das Angebot. 

Wie notwendig Schwimmbäder sind, verdeutlichen die Zahlen der DLRG. Demnach sind 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer mehr, so teilt es eine von der Gesellschaft in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 mit. In den Grundschulen stelle sich die Situation besonders dramatisch dar, teilt die DLRG mit: 25 Prozent der Grundschulen hätten keinen Zugang mehr zu einem Bad, dadurch sei ein Schwimmunterricht unmöglich. 

Im Betrieb von Freibädern sieht die Gesellschaft übrigens keine Alternative zu Hallenbädern, da diese witterungsbedingt keinen regelmäßigen Unterricht ermöglichen würden. Spaßbäder, wie sie in den vergangenen Jahr entstanden wären, würden ebenfalls nicht den notwendigen Ausbildungsgesichtspunkten entsprechen. Diese Entwicklung wirke sich auf die Schwimmfähigkeit aus. Die DLRG teilte bereits 2019 mit: „Allein im vergangenen Jahr wurden 4500 Schwimmprüfungen weniger abgenommen als im Vorjahr.“

 Von einer schlechten Erreichbarkeit des Bades für die Schulen kann in Kierspe sicher keine Rede sein. Denn zum einen liegt das Bad auf dem Gelände der Gesamtschule, zum anderen steht in der Bismarckschule zusätzlich noch ein kleines Lehrschwimmbecken zur Verfügung.

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