Schwierige Vernehmung

Lange Zeit schwieg der Angeklagt, die Verhandlung wurde zur Geduldsprobe.

KIERSPE ▪ Es war ein wahres Geduldsspiel, was sich der bereits verurteilte Mittäter des Angeklagten und der Vorsitzende Richter lieferten. Am Ende bewies der Vorsitzende den längeren Atem. Immer wieder stellte er dem 39-jährigen Halveraner dieselbe Frage: „Hat der Angeklagte die Stangen in seiner Garage zwischengelagert?“ Der Zeuge reagierte darauf mehrfach mit langem Schweigen, was für mucksmäuschen Stille im Saal sorgte. Alle warteten gespannt auf eine Antwort. Die blieb jedoch lange Zeit aus.

Abermals wiederholte der Richter die Frage. „Eine andere Frage bitte“, gab der 39-Jährige zurück. Den Gefallen tat ihm die Kammer nicht. „War das Lager (die Garage des Angeklagten) als Lager bekannt? War es bekannt oder nicht?“ Schließlich ging der Mittäter in die Knie. „Ja, es war bekannt, weil es günstig gelegen war“, brach es aus dem Zeugen heraus. Dann plauderte der Mann munter weiter: „Wir haben uns mit den polnischen Lieferanten auf dem Lidl-Parkplatz in Meinerzhagen oder in der Kölner Straße in Kierspe getroffen. Ich habe ihnen dann gesagt, wohin sie fahren müssen, wo sie was loswerden.“

Beim ersten Mal sei der Angeklagte voraus gefahren, die Lieferanten seien ihm gefolgt. Der 42-Jährige habe seine Garage als Umpackplatz zur Verfügung gestellt. Man habe die Stangen in blaue Müllbeutel verpackt, um nicht aufzufallen. „Ich habe sie dann weiterverkauft, nachdem er seinen Anteil bekommen hat. Er hat die Stange 50 Cent billiger von mir gekriegt, für die Umlagerung.“ Der Kiersper habe meist zwischen 200 und 300 Stangen verkauft. Zum Teil seien Lieferungen von 1700 Stangen in der Garage des 42-Jährigen eingelagert worden. Die Glimmstängel seien dabei unter anderem in doppelwandigen Fässern versteckt worden. Am 1. August 2007 habe er die polnischen Lieferanten mit 1223 Stangen zum Haus des Angeklagten geschickt. Dort seien sie dann von der Polizei erwischt worden. „Danach war eine kleine Pause.“ Die Ware hatten die Lieferanten als Tarnladung in Türzargen versteckt.

Seit 2009 seien die Zigaretten dann aus Griechenland gekommen, erklärte der Mittäter. Als zweiter Zeuge betrat ein Ermittlungsbeamter des Zollamtes Hannover den Zeugenstand. Er berichtete, dass das Ermittlungsteam zunächst einer polnischen Bande auf den Fersen gewesen sei. Im Zuge der Ermittlungen seien die Beamten durch Observationen, Telefonüberwachungen und einzelne Zugriffe erst auf den Mittäter und später auf den Kiersper gekommen. Anfang 2009 habe der Angeklagte einmal 35 und einmal 28 als Hamburgerbrötchen getarnte Kartons á 17 Stangen und sieben Schachteln Jin Ling erworben. Zudem sei er bei einer Auslieferung nach Bochum zugegen gewesen. Anfang August wird der Prozess mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

Jana Peuckert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare