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„Schwierige Situation“ in den Apotheken

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Von: Detlef Ruthmann

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Die Apotheker in Kiersper rechnen mit einer weiteren Verschlimmerung der Situation in Sachen Medikamentenmangel. Sie versuchen, mit Alternativen zu helfen.
Die Apotheker in Kiersper rechnen mit einer weiteren Verschlimmerung der Situation in Sachen Medikamentenmangel. Sie versuchen, mit Alternativen zu helfen. © Patrick Pleul

Bislang habe man jedem Patienten helfen können, weiß Apothekerin Bärbel Schulz von der Rauk-Apotheke, obwohl gerade die Husten- und Fiebersäfte sowie Zäpfchen für Kinder knapp geworden sind, weil Großhändler und Hersteller nur noch sporadisch und in kleinen Mengen die Medikamente liefern, die Eltern für ihre kranken Kinder benötigen.

Kierspe – „Wenn es nicht geliefert wird, kann ich es nicht verkaufen“, hat Apothekerin Christiane Karge von der Apotheke am Wildenkuhlen schon Erfahrungen mit einem Kunden gemacht, der ausfällig geworden sei.

Es fehlten zwar die Alternativen, so Schulz weiter, gleichwohl versuche man – auch durch Rücksprachen mit den Ärzten – durch Beratungen den Kunden andere Möglichkeiten mit alternativen Präparaten aufzuzeigen. So könne man bestimmte Tabletten halbieren, andere auflösen beziehungsweise zerpulvern und mit Saft verabreichen. Zudem kommunizieren die Apotheken in Kierspe, Halver und Meinerzhagen miteinander, sodass Kunden an eine andere Apotheke verwiesen werden, wenn diese das gewünschte Medikament gerade vorrätig haben.

Auffällig sei, dass in jüngster Vergangenheit häufiger Kunden aus den Nachbarstädten Wipperfürth, Marienheide, Lüdenscheid und nicht nur Halver und Meinerzhagen kommen würden – die hatten zumeist vorher angerufen und sich nach einem vorhandenen Medikament erkundigt.

Allerdings befürchten sowohl Christiane Karge als auch Franz-Josef Ruthmann von der Montigny-Apotheke und Bärbel Schulz, dass es mit den Lieferengpässen noch schlimmer wird. „Es ist eine schwierige Situation, die wir noch nie gehabt haben“, meint Apothekerin Schulz, die weiß, wovon sie spricht, da sie schon lange im Geschäft ist. Kollegin Karge kann gar von einer Warteliste berichten, auf die sich Kunden für ein bestimmtes Medikament haben setzen lasse. „Zwischendurch kommt mal wieder was!“, so Karge weiter, aber nie die bestellten und erforderlichen Mengen. „Was ich nicht bekomme, kann ich nicht verkaufen“, schlägt Franz-Josef Ruthmann in die gleiche Kerbe. Was im Umkehrschluss bedeutete, dass auch schon mal Kunden wieder weggeschickt werden mussten.

Nicht alle Kunden bleiben freundlich, wenn sie ihre Medikamente nicht bekommen. Das weiß Christiane Karge von der Apotheke am Wildenkuhlen.
Nicht alle Kunden bleiben freundlich, wenn sie ihre Medikamente nicht bekommen. Das weiß Christiane Karge von der Apotheke am Wildenkuhlen. archi © Det Ruthmann

Denn es sind nicht nur Fieber- und Hustensäfte, Zäpfchen sowie Paracetamol, die in den Kiersper Apotheken fehlen, sondern beispielsweise auch Antibiotika, Penicillin, Aspirin, Asthmaspray, Halstabletten, antibiotische Augentropfen und mehr.

Die Apotheker haben sich mittlerweile schon Rezepturen herausgesucht, um bestimmte Mittel selbst herzustellen und auch Zäpfchen könnten gegossen werden. Doch dabei gibt es zwei Probleme: Es ist nicht gewährleistet, dass die erforderlichen Substanzen zu bekommen sind. Und die eigene Herstellung würde den Preis des Medikaments mehr als verdoppeln. „Das bezahlt doch niemand“, befürchtet Apothekerin Karge. Denn der Hustensaft, der normalerweise für rund 4 Euro zu haben ist, wäre mehr als 100 Prozent teurer. „Das ist preislich uninteressant“, sieht es Apotheker Ruthmann ähnlich.

Hinzu komme noch, dass die Bevorratung in den Apotheken, die bislang bei zwei Wochen liegt, auf vier Wochen ausgedehnt werden soll. Doch bei vielen Medikamenten reicht es noch nicht einmal für 14 Tage.

Eine Entspannung sehen die drei Kiersper Apothekerinnen und Apotheker nicht – im Gegenteil, sie befürchten, dass es hinsichtlich der Lieferungen und Verfügbarkeit einer Reihe von Medikamenten in den nächsten Wochen noch schlimmer wird. Daher werde man neue Wege gehen müssen, wie es Bärbel Schulz beschreibt, und den Kunden durch Beratungen – auch mit Rücksprachen bei den Ärzten – Alternativen aufzuzeigen. Das schließt nicht aus, dass auf alte Hausrezepte zurückgegriffen wird. „Das geht natürlich nicht, wenn ein Kind 40 Fieber hat“, betont die Apothekerin.

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