„Eltern dürfen nicht fahrlässig sein“

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Auch Selfies, die Kinder selbst von sich erstellen, haben nichts im Internet zu suchen.

Kierspe - Glückliche Familienmomente – das können Geburtstage, Strandurlaube oder Ausflüge sein – werden gerne für die Ewigkeit mit einem Foto festgehalten. So manch ein Elternteil möchte diese Erinnerungen auch gerne mit Freunden und Verwandten teilen.

Der schnellste Weg dafür ist heutzutage das Internet. Schnell sind in sozialen Netzwerken diese Bilder hochgeladen und teilweise für Jedermann sichtbar.

Die Pressestelle der Polizei Hagen hat diesbezüglich nun die Kampagne „Auch ich habe eine Privatsphäre“ gestartet. Diese appelliert an Eltern, keine Fotos ihrer Kinder im Internet zu veröffentlichen. Die Botschaft, die über das soziale Netzwerk Facebook verbreitet wurde, ist bis Mittwochnachmittag von mehr als 114 000 Menschen geteilt worden und hat, laut Schätzung der Polizei Hagen, bereits rund sechs Millionen Menschen erreicht. Zudem warnt die Polizei Hagen davor, dass pädophil veranlagte Menschen so Zugriff auf die privaten Aufnahmen bekommen können.

Kinder und Jugendliche sensibilisieren

Christian Schwanke vom Jugendzentrum Kierspe kennt die Thematik aus der Arbeit mit den Jugendlichen. Auch er lädt von Fahrten und Ausflügen – mit Erlaubnis der Eltern – Bilder im Internet hoch. Dazu gehören jedoch keine anzüglichen Fotos. Des Weiteren spricht er mit den Jugendlichen über das Internet und betreibt Aufklärung: „Wir versuchen, Kinder und Jugendliche für das Thema Internet zu sensibilisieren. Es ist kein privater Raum und jedes Posting zieht weite Kreise“, meint Schwanke. Der Jugendzentrumsmitarbeiter findet die Kampagne der Hagener Polizei gut, denn „allgemein sollte man im Internet Vorsicht walten lassen. Sowohl als Jugendlicher, als auch als Erwachsener.“

Und auch aus den Reihen der Polizei kommt Zustimmung für die Kampagne. „Die Aktion der Hagener Kollegen ist absolut unterstützenswert. Es stimmt, dass das Internet nicht vergisst. Das gilt vor allem auch für das Netzwerk Facebook“, sagt Marcel Dilling, Polizeipressesprecher im Märkischen Kreis, auf Anfrage unserer Zeitung. Dilling sieht die Gefahr in erster Linie bei unbedacht handelnden Eltern. „Die Eltern dürfen nicht fahrlässig sein“, meint Dilling. Allerdings mahnt der Polizeipressesprecher grundsätzlich zu einem überlegteren Umgang mit den neuen Medien. „Viele unterschätzen das Risiko. Das fängt beim Posten des eigenen Essens an und geht so weit, dass die Leute öffentlich verkünden, wohin und über welchen Zeitraum sie in Urlaub fahren. Das öffnet Tür und Tor für Kriminelle, vor allem für Einbrecher“, weiß Dilling aus der Erfahrung.

Polizei betreibt Aufklärungsarbeit in Schulen

Bereits in Schulen betreiben Polizeibeamte Aufklärungsarbeit zum Thema Internet, um möglichst früh über die Gefahren, die im Netz lauern, aufzuklären. Dazu zählen insbesondere die sozialen Netzwerke. Das gelte aber zunehmend auch für ältere Bürger, denn diese würden das Internet zunehmend nutzen. Diese seien aber – laut Dilling – meist eher Opfer für Cyberkriminalität durch Spam- oder Fishing-Mails. Doch auch die Älteren würden immer mehr die sozialen Netzwerke entdecken: „Quer durch mehrere Generationen wird Facebook zur Hauptkommunikationsader. Beim Umgang damit ist entscheidend, dass die Menschen – ob jung oder alt – wissen, was sie öffentlich verbreiten sollten und was nicht.“

Wichtig ist für Dilling auch der Aspekt, dass Eltern sich respektvoll und mit Bedacht gegenüber den eigenen Kindern verhalten müssten: „Wenn die Mädchen und Jungen Jahre später ihre alten Fotos im Internet wiederfinden, werden sie nicht begeistert sein. Vielen Heranwachsenen ist das grundsätzlich peinlich“, ist sich Dilling sicher. Das Thema bewege die Menschen, kommentierte Marcel Dilling den hohen Zuspruch.

Wer sich im Internet-Umgang unsicher ist und Aufklärung sucht, kann sich direkt an die Polizei im Märkischen Kreis wenden. Unter der Telefonnummer 0 23 73/90 99 55 14 gibt Kriminalkommissar Uwe Kunold Tipps im Umgang mit den Neuen Medien und klärt zudem in Fällen von Cybermobbing auf.

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