„Schwamm drüber“ heißt Ursula Schröders achter Roman

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Genaue Beobachtung und Humor sind die Markenzeichen der Kiersper Autorin.

Kierspe - Heiteres und Ernstes mischt sich in den Romanen von Ursula Schröder, das ist auch in ihrem neuen Titel so. „Schwamm drüber“ erschien vor einigen Wochen im Deutschen Taschenbuchverlag, wie auch schon mehrere ihrer früheren Romane.

Die Autorin ist fleißig, ein bis zwei Werke bringt sie im Jahr heraus. Für sie ist das Fiktionale ein guter Ausgleich zu ihrer Arbeit in ihrem Werbebüro „Ideenwerkstatt“.

Für ihre Kiersper Leserschaft stellt sich dagegen die Frage, was sie wohl diesmal an Lokalkolorit erkennen können. Viel ist es nicht, Ursula Schröder achtet penibel darauf niemanden aus ihrem Umfeld zu porträtieren. Trotzdem finden sich immer wieder persönliche Bezüge, die nur entdecken kann, wer die Autorin kennt.

Einschneidende Veränderung

Diesmal ist es ein großer Webstuhl, in den sich die Deutsch- und Kunstlehrerin Frieda Baker verliebt. Vor dem sitzt die glückliche Hauptperson am Ende und webt gekonnt mit Schnelllade in Leinenbindung – wer mag da nicht an Ursula Schröders Mutter denken, die Handweberin Anita Winter? Auch wem der Name nichts sagt, kennt vielleicht eines ihrer Werke. Anita Winter hat den Wandteppich mit Kiersper Silhouette geschaffen, der im Ratssaal hängt.

„Schwamm drüber“ beginnt mit einer einschneidenden Veränderung in Friedas Leben. Die ist 40 Jahre alt, kinderlos, geschieden und hat ihr Leben im Griff. Die Leerstellen schiebt sie beiseite oder füllt sie mit Arbeit – typisch Single eben. Da stirbt ihr Bruder und bittet Frieda kurz vor seinem Tod, sich um seine Frau Luise zu kümmern.

Natürlich verspricht Frieda das, ohne zu ahnen worauf sie sich einlässt. Denn Luise durchlebt zwar eine Zeit schwerer Trauer, hilflos ist sie deswegen noch lange nicht. Geschickt spannt sie ihr Umfeld für sich ein und versucht, Frieda mit ihrem Bruder Fritz zu verkuppeln. Aber nicht nur Fritz interessiert sich für Frieda. Da ist auch noch Kollege Jochen und der etwas mysteriöse Tom, der auf Luises hochherrschaftlichen Anwesen lebt.

Gravierende, aber lösbare Konflikte

Ursula Schröders Figuren sind Frauen, die sich nur vorübergehend aus der Fassung bringen lassen; am Ende bewährt sich ihre Bodenständigkeit. Die Konflikte, die die Autorin ihnen zumutet, sind mitunter gravierend, aber immer lösbar. Paradoxerweise werden sie ausgerechnet durch das Pflichtbewusstsein der Hauptperson befeuert: Denn ihre Umgebung versteht das als Einladung, sie gnadenlos auszunutzen.

In dieser Gemengelage bewährt sich Ursula Schröders Humor, der im neuen Roman vor allem im Konflikt zwischen Frieda und ihrer adelsverliebten Schwägerin Bettina zum Ausdruck kommt. Bettina schreibt Gedichte, ist aber leider nicht stilsicher – eine Steilvorlage sowohl für Frieda als auch für eine Autorin, bei der jedes Wort sitzen muss, in der Werbung genauso wie im Roman.

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