Burkinis sind in Kierspe kein Thema

+
An Stränden muslimisch geprägter Länder gehört der Burkini zum Alltagsbild. In Deutschland ist er eher selten zu sehen. Beim Schulschwimmen in Kierspe kommt er – so gut wie – gar nicht vor.

Kierspe - In Kierspe bleibt kein Kind am Beckenrand, wenn die anderen Schwimmen gehen. Das ergab eine Umfrage unter den Schulleitern. Lediglich ein Fall in 14 Jahren wurde erwähnt, wo ein Burkini die Teilnahme am Schwimmunterricht erst ermöglichte.

Vor einigen Tagen gingen Meldungen durch die Presse, dass muslimische Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen – und wenn doch, dann nur, wenn sie mit einem Burkini bekleidet sind, also einer zweiteiligen Badekleidung, die bis auf Hände, Füße und Gesicht den ganzen Körper verhüllt. In Kierspe ist das aber nicht einmal die Ausnahme. Abgesehen von gesundheitlichen Problemen gibt es an den Schulen der Volmestadt keine Ausnahmen beim Schwimmunterricht. 

Nur an ein Mädchen, dem die Eltern das Schwimmen nicht erlauben wollten, kann sich Schulleiter Thomas Block an keinen Fall erinnern – und dieser liegt auch schoneinige Jahre zurück. „Die Eltern sagten mir damals, dass ihre Tochter nur mit einem Burkini am Schwimmunterricht teilnehmen dürfe“, erinnert sich Block, Leiter des Grundschulverbundes Pestalozzi-/Schanhollenschule. „Der Vater meinte damals, dass man diese Schwimmkleidung in Deutschland nicht kaufen könnte. Ich habe damals sofort und in seinem Beisein bei einem großen Internet-Kaufhaus nachgeschaut. Der Vater durfte dann noch die Farbe aussuchen, dann wurde bestellt“, sagt Block und fügt schmunzelnd hinzu, dass er den Burkini über den Account seiner Frau zu sich nach Hause bestellt habe. Diese habe sich dann über die Lieferung doch etwas gewundert. Block: „Aber das war der einzige Fall in den 14 Jahren, in denen ich jetzt in Kierspe bin." 

Dass es ein Burkini sein musste und nicht eine Kombination anderer Kleidung, weiß Block auch noch zu berichten. „Die Eltern wollten damals erst selbst etwas nähen, doch das hat die Leitung des Schwimmbades aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.“ 

„So etwas ist bei uns noch nie ein Thema gewesen“, da ist sich Stefanie Fischer, Rektorin des Schulverbundes Bismarck-/Servatiusschule, ganz sicher. Allerdings räumt sie auch ein, dass es an den beiden Schulen sehr wenige muslimische Schüler gebe. 

Auch an der Gesamtschule mit ihren weit mehr als 1000 Schülern habe es bislang kaum Probleme mit der Verweigerung des Schwimmunterrichts gegeben. Allerdings erinnert sich Schulleiter Johannes Heintges auch daran, dass es auf dem Höhepunkt des Zuzugs der Geflüchteten einige Mädchen aus Familien, die ihre Heimat verlassen mussten, gegeben habe, die nicht am Schwimmunterricht teilnehmen wollten. „Wir haben damals für diese Schülerinnen eine spezielle Schwimm-AG gegründet, in der sie alleine im Bad waren. Nach einiger Zeit war das dann aber auch kein Thema mehr und die Mädchen haben ganz regulär im Klassenverbund geschwommen“, so Heintges. Allerdings schließt die Gesamtschule solche Verweigerungen auch von Anfang an aus, in dem sie die Eltern einen Schulvertrag unterschreiben lässt, in dem ganz klar geregelt ist, dass eine Teilnahme am Schwimm- und Sportunterricht verbindlich ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare