Der Schulpsychologe rät: „Eltern bleibt entspannt“

Schulpsychologe Ralf Meyer gibt Tipps zum Umgang mit schlechten Noten. ▪

KIERSPE ▪ Mathe, Deutsch und Geschichte „mangelhaft“ – da kann einem die Ferienlaune schon einmal vergehen: Während die meisten Schüler heute den großen Ferien entgegen fiebern und ungeduldig die letzten Minuten zählen, wünschen sich andere, dass dieser Schultag nie enden wird. Zuhause erwartet sie Stress und jede Menge Ärger. Denn der letzte Schultag ist immer auch Zeugnistag. Ralf Meyer ist Schulpsychologe und kennt die Sorgen von Schülern und Eltern am Zeugnistag genau.

„Grundsätzlich gilt: Bestrafung hilft nicht“, erklärt Ralf Meyer. Viel mehr sollten sich Eltern ernsthaft und konstruktiv mit dem schulischen Problem ihres Kindes auseinandersetzen. Gerade jüngere Schüler würden oftmals schon genug unter der schlechten Leistung leiden. „Jeder von uns kennt das, eine Fünf zurück zu bekommen ist blöd, keiner rennt dann nach Hause und präsentiert stolz ein ,mangelhaft’“, erklärt der Schul-Psychologe. Insbesondere Kinder litten sehr unter den Reaktionen der Umwelt auf ihre schlechte Leistung. „Jede Form von Bestrafung ist daher ein Fehler“, so Meyer. Eltern sollten viel mehr ohne Vorwürfe fragen, wie es dazu kommen konnte. Denn: „Lernen kann man nicht erzwingen, der Schüler muss es wollen.“ Ein Fernseh- oder Computerverbot führe höchstens dazu, dass das Kind oder der Jugendliche formal Zeit absitze, der reelle Lerneffekt sei jedoch eher gering. Vielmehr sollte es das Ziel der Eltern sein, den Schüler davon zu überzeugen, dass Lernen wichtig ist und auch Spaß macht. Nur aus eigenem Antrieb des Schülers könne sich die Lernleistung verbessern.

Genauso schädlich wie harte Bestrafungen sei Dauerlernen – gerade bei älteren Schülern sei das ein Thema: „Vor dem Abi oder den zentralen Abschlussprüfungen ist der Druck schon extrem hoch“, weiß der Psychologe. Dennoch seien Pausen wichtig. Natürlich hätten Hausaufgaben eine Bedeutung. Sie dienten der Konsolidierung des Gelernten. Aber dennoch sollte zwischen Schule und den Hausaufgaben eine Pause gemacht werden. „Wohlgemerkt ohne Fernsehen oder Computer“, betont Meyer. Es sei mittlerweile erwiesen, dass sich diese Art „Freizeit zu konsumieren“ negativ auf die Lernleistung auswirke. „Es reicht schon ein Mittagessen oder ein Gespräch über völlig andere Dinge.“ Nach der Lernphase sei es wichtig, sich eine Auszeit zu gönnen. „Sport, musizieren oder etwas kreatives wie malen, basteln oder was sonst noch Spaß macht, ist ideal. Es unterstützt das Gehirn und fördert indirekt die Lernleistung.“

Was das Lernen in den Ferien betrifft rät der Experte zu individuellen Lösungen, doch grundsätzlich „steht jedem Kind eine freie Zeit zu“. Erwiesen sei jedoch, dass irgendwann das Vergessen einsetze. „Sollte sich ein Schüler wohl fühlen, wenn er beispielsweise in den Ferien ein Nachhilfeangebot nutzt, ist das auf keinen Fall falsch.“

Viele Gründe für den Leistungsabfall

Ralf Meyer weist aber auch darauf hin, dass schlechte Leistung nicht unbedingt immer etwas mit schlechtem Lernverhalten zu tun hat. So gäbe es beispielsweise häufig Leistungseinbrüche mit einsetzender Pubertät. Die Schüler hätten dann mit sich und den Lebensveränderungen so viel zu tun, dass häufig einfach nicht genug Kapazitäten vorhanden seien.

„Eine plötzliche Überforderung gibt es nicht und es ist auf keinen Fall so, dass die Leistung, die ein Schüler beispielsweise Ende der Klasse acht hat, auch in der Zehn haben wird“, beruhigt der Experte.

Heute sollten nach Meinung des Psychologen erst einmal alle Eltern die Leistung ihrer Kinder honorieren. „Wichtig ist doch nicht, dass dort 15 Mal ,sehr gut’ steht, sondern dass sich der Schüler angestrengt hat und eventuell ein Ziel erreicht hat.“ ▪ Lydia Machelett

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