Bei Inklusion fehlen noch viel Geld und Personal

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Diskutierten angeregt über die Schulpolitik der Landesregierung: Olaf Stelse, Gordan Dudas, Johannes Heintges und Sigrun Wolf (von links).

Kierspe - Bei der Inklusion wollen die Enden des gleichen Seils einfach „noch“ nicht zusammenfinden. Das wurde auch am Montag bei dem Gespräch zwischen der Schulleitung der Kiersper Gesamtschule und dem Landtagsabgeordneten Gordan Dudas deutlich.

Von Johannes Becker

Doch der SPD-Politiker war nicht nur in die Schule gekommen, um über Probleme zu sprechen, sondern sich auch die Fortschritte bei der Digitalisierung anzuschauen und die Unternehmen auf die seiner Meinung nach sehr gute Schule aufmerksam zu machen.

„Um die Inklusion zum Erfolg zu führen, müssen die baulichen Voraussetzungen und der pädagogische Rahmen stimmen. Derzeit fehlen aber noch viele Sonderpädagogen im Lande, so dass sich im pädagogischen Bereich noch nicht alles umsetzen lassen“, so Dudas. Außerdem sei die finanzielle Situation des Landes nicht so, dass alle Wünsche auch umsetzbar seien. Doch man bezuschusse diesen Prozess massiv.

Das hörte sich bei den Zahlen, die Kämmerer Olaf Stelse, der als Vertreter des Schulträgers an dem Gespräch in der Gesamtschule teilnahm, nannte, ganz anders an: „Wir bekommen vom Land 29 000 Euro zusätzlich im Jahr. Diesen Betrag müssen wir fast vollständig aufwenden, um die Fahrtkosten für ein Kind zu bezahlen, das inklusiv beschult wird.“

Aber auch bei der personellen Ausstattung hapert es. So führte Schulleiter Johannes Heintges aus, dass man derzeit 1,5 Stellen habe, um 36 Kinder inklusiv zu fördern: „Drei Stellen wären jedoch das Minimum, um eine ausreichende Förderung ansatzweise zu gewährleisten.“ Sowohl Heintges als auch Sigrun Wolf, die als Stufenleiterin an der Schule tätigt ist, berichteten aber auch von den Erfolgen der Inklusion. Wolf: „Die Sonderpädagogen erzählen von einen regelrechten Lernsog, den die Schüler mit Förderbedarf erleben. Die Schüler sind hochmotiviert und profitieren sehr von dem gemeinsamen Unterricht.“

Dudas versprach, sich für mehr Geld und Personal bei seinen Parteifreunden in Düsseldorf einzusetzen. „Aber auch der Bund, der die UN-Resolution unterschrieben hat, auf der die Inklusion fußt, ist da in der Pflicht. Und natürlich auch die Schulträter, wobei mir schon klar ist, dass die Mittel, die den Kommunen zur Verfügung stehen, ausbaufähig sind. Wir investieren im Land immer noch zu wenig in die Bildung, aber deutlich mehr als noch vor fünf Jahren.“

Dudas war aber nicht nur an die Kiersper Schule, die er selbst als Schüler besuchte, gekommen, um über die Inklusion zu sprechen, sondern machte auch die Digitalisierung in der Schule zum Thema: „Die Landesregierung hat das Programm NRW 4.0 ausgerufen. Im Bildungsbereich soll es in den Sommermonaten die ersten Handlungsempfehlungen geben. Da ist es schon sehr interessant zu sehen, wie weit die Gesamtschule auf diesem Gebiet bereits ist. Hier ist man auf einem guten Weg, mit Tablets die Schulbücher zu ergänzen und nachhaltige Medienkompetenz erlebbar zu machen.“

„Wir machen durchweg nur positive Erfahrungen in den Klassen, in denen wir die Tablets einsetzen. Die Lehrer schildern die Schüler als hochmotiviert. Denn wir wollen nicht nur Computerprogramme einsetzen, sondern den Schülern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet vermitteln. Außerdem finden die Schüler so ganz selbstverständlich neue Wege, ihre Lernergebnisse zu präsentieren“, so Wolf. Und Heintges ergänzt: „Medienerziehung ist ein zentrales Thema und eine Aufgabe in allen Fächern. Da reicht es einfach nicht mehr, ein oder zweimal die Woche in den Computerraum zu gehen.“

Auch im kommenden Schuljahr soll deshalb wieder eine Klasse des fünften Jahrgangs mit den Tablets ausgerüstet werden, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Erfahrungen, die Gordan Dudas gerne den verantwortlichen Fachpolitikern der nordrhein-westfälischen Landesregierung näher bringen möchte, damit diese die Ergebnisse aus der Kierspe Schule in ihre Überlegungen einfließen lassen.

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