UWG setzt auf gemeinsame Schulentwicklung

Gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung dürfe nichts geschehen, was die Gesamtschule gefährde. - Archivfoto: Haase

KIERSPE -  Wer zum Gymnasium, zur Haupt- oder Realschule wollte oder sollte, ging nach Meinerzhagen, für wen dagegen die Gesamtschule erste Wahl war, der besuchte Kierspe. Das ist in der Schullandschaft der beiden Volmestädte seit Jahrzehnten so. Oder besser, es war so.

Denn durch den NRW-Schulkompromiss werden wohl mittelfristig die Real- und Hauptschulen wegfallen und durch eine Art „Gesamtschule light“, die Sekundarschule ersetzt. So auch in Meinerzhagen –- und dies verlangt von der Politik ein ganz neues Denken.

Dieses Denken beeinflussen ganz maßgeblich die Schulausschüsse. Und nach Wunsch der UWG sollten diese möglichst gemeinsam tagen, um die besten Lösungen für beide Städte zu suchen.

„Wir haben bereits im Mai 2012 einen Antrag gestellt, dass sich der interkommunale Ausschuss mit der Schulentwicklung im oberen Volmetal beschäftigen soll. Dass das bis heute nicht passiert ist, liegt nicht an der Kiersper Verwaltung“, kann sich der UWG-Vorsitzende Clemens Wieland den kleinen Seitenhieb in Richtung Meinerzhagen nicht verkneifen, wenngleich er weiß, dass nun endlich ein gemeinsamer Ausschuss aus beiden Städten zu dem Thema tagen soll. Geplant ist diese Sitzung für den 1. April, also fast zwei Jahre nach Antragstellung.

In der Zwischenzeit ist aber viel passiert. So ist die Sekundarschule ins Leben gerufen worden und auch der Rat in Kierspe hat sich der neuen Realität gestellt. In einer Sitzung im September 2012 haben die Ratsmitglieder ihr Einvernehmen für eine dreizügige Sekundarschule in Meinerzhagen erteilt und gleichzeitig die Reduktion der Eingangsklassen in Kierspe zum Thema gemacht. Doch von diesen Plänen will Meinerzhagen nun abweichen. So gibt es dort Bestrebungen, die Sekundarschule dauerhaft auf vier Züge auszubauen. „Das gefährdet aber die Schulentwicklung in Kierspe und kann nicht unwidersprochen hingenommen werden“, erklärt Wieland, dem „an Gesprächen auf Augenhöhe“ gelegen ist. Ähnlich sieht es auch die Stadtverwaltung in Kierspe, die sich schriftlich gegen eine vierzügige Sekundarschule ausgesprochen hat. Dort fürchtet man durch das Vorgehen aus Meinerzhagen um den eigenen Standort, vor allem könne es Auswirkungen auf „Stellenzuweisungen haben und zu Leistungs- und Qualitätseinbußen“ in Kierspe führen. Wieland: „Wir wollen Rücksicht auf Meinerzhagen nehmen, wir müssen aber auch den eigenen Schulstandort in Kierspe im Auge behalten. Gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung darf nichts geschehen, was die Gesamtschule in ihrer jetzigen Form und Ausstattung zusätzlich gefährdet.“ Das wird der UWG-Vorsitzende auch sicher noch einmal in der heutigen Ratssitzung deutlich machen (17 Uhr, Rathaus).

Handlungsbedarf sieht Wieland aber nicht nur bei der Sekundar-, sondern auch bei der Förderschule: „Die gewünschte Inklusion und die damit verbundene Änderung des Schulrechts hat gravierende Auswirkungen auf die Schule. Um den Standort zu erhalten, müssen dort in zwei Jahren 144 Schüler angemeldet sein, doch alle Prognosen deuten darauf hin, dass aus Kierspe und Meinerzhagen nur noch 80 Schüler die Einrichtung besuchen werden.“ Deshalb möchte die Wählergemeinschaft eine Initiative starten, um Halver und Schalksmühle „mit ins Boot“ zu holen. „Denn letztlich wird es uns nur so gelingen, die notwendigen Schülerzahlen zu erreichen und eine Erhaltung der Förderschule sicherzustellen.“ Und auch an dieser Stelle gibt es einen kleinen Seitenhieb in die Nachbarstadt: „Bei einer Zusammenarbeit der vier Volmekommunen in diesem Punkt, muss vielleicht auch über einen neuen Standort nachgedacht werden, denn schließlich liegt Kierspe dann viel zentraler.“ - jobek

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