„Bitte nicht gleich nach den Ferien“

Schulen: Nicht nur Zustimmung zu einem Wegfall der Maskenpflicht

In der nordrhein-westfälischen Landesregierung wird über einen Wegfall der Maskenpflicht nach den Herbstferien nachgedacht. Das stößt nicht auf uneingeschränkte Zustimmung bei den Kiersper Schulleitungen – vor allem nicht, wenn der Termin unmittelbar nach den Ferien liegen sollte.
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In der nordrhein-westfälischen Landesregierung wird über einen Wegfall der Maskenpflicht nach den Herbstferien nachgedacht. Das stößt nicht auf uneingeschränkte Zustimmung bei den Kiersper Schulleitungen – vor allem nicht, wenn der Termin unmittelbar nach den Ferien liegen sollte.

Ein Wegfall der Maskenpflicht in den Schulen nach den Herbstferien – darüber denkt die NRW-Landesregierung derzeit „laut“ nach. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass weitere Lockerungen beschlossen und umgesetzt wurden. Bei den Schulleitern in Kierspe stößt der Vorschlag aber nicht nur auf Begeisterung.

Kierspe - Schaut man auf die Grundschulen, scheint nichts gegen einen Wegfall der Masken zu sprechen, schaut man auf die Gesamtschule, stellt sich die Situation schon ganz anders dar.

36 infizierte Schüler an der Gesamtschule

Seit dem Ende der Sommerferien gab es 36 infizierte Schüler, die die Gesamtschule besuchen, 130 weitere Schüler mussten in Quarantäne. „Gerade nach den Ferien waren die Zahlen hoch, was vor allem an den Reiserückkehrern lag. Danach haben sich die Schüler durch persönliche Kontakte und auf Feiern angesteckt. Wir verfolgen jeden Fall so gut es geht nach und können sagen, dass die Schule selbst nicht zum Pandemiegeschehen beigetragen hat“, berichtet Schulleiter Johannes Heintges, der aber auch sagt, dass die Zahl der Neuinfektionen unter den Schülern in den vergangenen Wochen deutlich abgenommen hätte: „Derzeit sind es so ein bis zwei infizierte Schüler, die bei den drei wöchentlichen Tests entdeckt werden.“

Entdeckt ist in diesem Zusammenhang wörtlich zu nehmen, da der Schulleiter sagt, dass die meisten Schüler keine Krankheitssymptome aufweisen würden.

„Aus pädagogischen Gründen wäre der Wegfall der Maskenplicht natürlich wünschenswert und auch viele Schüler warten darauf. Ich weiß aber nicht, ob der Zeitpunkt der richtige ist. Vor allem darf der Wegfall nicht unmittelbar nach den Ferien erfolgen, da dann auch sicher wieder Reiserückkehrer ein größeres Risiko darstellen. Auch muss man schauen, wie sich die Zahlen entwickeln. Ich würde mir wünschen, dass eine Regelung zum Tragen der Masken vom Infektionsgeschehen vor Ort abhängig gemacht wird“, sagt Heintges.

Höhere Impfquote wäre wünschenswert

Zusätzlich wünscht sich der Gesamtschulleiter eine höhere Impfquote vor einem Wegfall der Masken. Gerade in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 sei die Quote noch nicht so hoch, auch wenn sie steige. Bei den Oberstufenschülern sehe das ganz anders aus, dort sei die überwiegende Zahl der Schüler geimpft. „Bei uns kommt hinzu, dass wir aufgrund des Kurssystems eine große Durchmischung der Schüler haben“, sagt Heintges, der auch zu bedenken gibt, dass die Schüler des fünften und sechsten Jahrgangs gar nicht geimpft werden dürften – und das sind derzeit immerhin 13 Klassen in Kierspe.

Deutlich gelockerte Quarantäne

Nicht ganz unproblematisch sieht er auch die Quarantänevorschriften des Landes bei den Schülern. Wurden bis vor einiger Zeit noch alle Schüler in unmittelbarer Nähe eines Infizierten in Quarantäne geschickt, muss jetzt nur noch der Infizierte zu Hause bleiben – und Geschwisterkinder. Allerdings können sich die Geschwister nach fünf Tagen freitesten lassen – und das sogar mit einem Schnelltest. „Wir haben in der Vergangenheit beobachtet, dass der 14-tägige Quarantänezeitraum schon zu knapp sein kann, wenn ein Familienmitglied infiziert ist, da nicht alle gleichzeitig das Virus bekommen“, so Heintges. Um die anderen Schüler zu schützen, würden die Kinder, die früher in Quarantäne geschickt wurden, nun über einen zweiwöchigen Zeitraum täglich in der Schule getestet, so sie dem zustimmen.

In einer besseren Situation befinden sich da die beiden Leiter der Kiersper Grundschulen. Stefanie Fischer, die den Verbund aus Bismarck- und Servatiusschule leitet, berichtet, dass es bislang keinen einzigen positiven Fall an den beiden Schulstandorten gegeben habe. An den Grundschulen wird im Gegensatz zu den weiteführenden Schulen nur zweimal wöchentlich getestet, dann allerdings mit einem PCR-Test – dem sogenannten Lolli-Test.

Keine positiven Tests an Grundschulen

Ganz unbetroffen sei man aber nicht. Fischer: „Wir haben derzeit ein Kind in Quarantäne, weil der Vater positiv getestet wurde. Nach den Sommerferien befanden sich einige Schüler in Quarantäne, die sich auf einem Kindergeburtstag angesteckt hatten.“

Bei der Maskenpflicht ist die Rektorin offensiver als ihr Gesamtschulkollege: „Da wir seit den Ferien keinen einzigen Fall hatten, bin ich für eine Aufhebung der Maskenpflicht, aber bitte nicht unmittelbar nach den Herbstferien, wo wir dann sicher auch einige Reiserückkehrer in der Schule haben.“

Sie sieht vor allem im Sprachunterricht deutliche Vorteile, wenn die Maske wegfallen würde.

Diese Meinung teilt ihr Schulleiterkollege Block. Der Rektor, der für die Pestalozzi- und Schanhollenschule verantwortlich ist, berichtet, dass gerade im ersten und zweiten Schuljahr die Maske sehr hinderlich sei: „Da sprechen die Schüler auch noch sehr leise und sind unter der Maske kaum zu verstehen.“

Auch gebe es in diesen Jahrgängen immer wieder Probleme mit viel zu großen Masken. „Die Kinder vergessen das Maskentragen aber auch. Ich muss den ganzen Tag über, gemeinsam mit meinen Kollegen, die Schüler ermahnen, die Masken aufzulassen“, berichtet Block.

Sollte die Maskenpflicht tatsächlich wegfallen, wünscht sich der Rektor aber einen Zeitpunkt, der mindestens zwei Wochen nach den Herbstferien liegt, um kein Risiko hinsichtlich der Reiserückkehrer einzugehen. „Wenn wir dann wirklich keine Masken mehr tragen, dann muss man sehen, wie sich das auf das Sicherheitsgefühl der Schüler, Eltern und Lehrer auswirkt. Aber das ist ja in allen Bereichen so, wo sich die Vorschriften ändern“, sagt Block.

Lollitests funktionieren

Auch der Leiter von Pestalozzi- und Schanholenschule berichtet, dass es bislang seit den Sommerferien keinen einzigen positiven Fall gegeben habe, der durch die Tests in der Schule entdeckt wurde. Auch an der Pestalozzischule gibt es die Lolli-Tests, mit denen die Kinder zweimal die Woche getestet werden. Dass die Tests grundsätzlich funktionieren, erfuhr Block im Mai, denn damals wurde ein Kind positiv getestet. „Das war aber glücklicherweise der einzige Fall in unserem Schulverbund“, erzählt der Rektor, der aber auch berichtet, dass immer mal wieder Kinder in Quarantäne kämen, weil Familienmitglieder infiziert seien.

Lehrermangel ist ein großes Problem

Auswirkungen hat die Pandemie aber auch dann an der Pestalozzi- und Schanhollenschule, wenn kein Kind infiziert ist. So seien derzeit zwei Lehrerinnen vom Unterricht befreit, da sie schwanger seien und das Risiko im Schuldienst infiziert zu werden, von den Ärzten als zu hoch eingestuft werde. „Wir sind sowieso knapp besetzt, da ist solch ein Ausfall schon sehr problematisch. Da wir überhaupt keinen Überhang haben, führt jeder weitere Krankheitsfall im Kollegium nun zu Unterrichtsausfällen. Und die Grippesaison beginnt ja gerade erst“, sagt Block.

Impffortschritt

Nach Angaben der Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen sind derzeit rund 40 Prozent der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren vollständig geimpft. Insgesamt seien in NRW 67 Prozent der Einwohner vollständig geimpft. Das Land weist aber auch darauf hin, dass die Hygiene und das Maskentragen weiterhin eine wichtige Rolle spielen würden, um das Pandemiegeschehen im Griff zu behalten.

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