Entfernung entscheidet: Schulausschuss stimmt für Rückkehr zu Bezirken

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Kierspe - Als familiäre Katastrophe bezeichnete eine Mutter die Situation, die sich für ihre Kinder zum Schuljahresbeginn 2019 ergeben könnte. Ein Kind der Familie besucht die Bismarckschule, dem jüngeren Bruder könnte dies verwehrt werden, weil die Familie zu weit von der Schule entfernt wohnt.

Jahrelang spielte die Entfernung des Wohnorts zur Schule keine Rolle, da die Schulbezirke abgeschafft wurden. Damit mussten nicht mehr zwingend Kinderfreunde auseinandergerissen werden, nur weil die Kinder in unterschiedlichen Schulbezirken wohnen. So konnten auch Gruppen, die sich im Kindergarten gefunden hatten, zusammenbleiben. 

Doch nun, wo aus Platzgründen an der Bismarckschule (ohne Servatiusschule) nur zwei Eingangsklassen gebildet werden können, spielt die Entfernung des Wohnhauses zur Schule eine entscheidende Rolle, oder wie es die für Schulfragen zuständige städtische Mitarbeiterin Petra Koch in der Sitzung des Schul- und Kulturausschusses formulierte: „Freie Schulwahl gilt nur innerhalb freier Kapazitäten.“ 

Ihr zur Seite stand Christa Sacher vom Schulamt des Kreises, die verdeutlichte, dass bei der Aufnahme an der Schule an erster Stelle die Wohnortnähe entscheide, danach folgten als Kriterien Geschwisterkinder, Schulweg, die vorherige Kindertagesstätte und schließlich die Bildung von ausgewogenen Klassen. „Da schauen wir uns jeden Fall genau an, wir prüfen jedes Kind“, versprach Sacher. 

In der Diskussion um die Zahl der neuen Eingangsklassen an den Kiersper Grundschulen ergriff Clemens Wieland (UWG) das Wort und erklärte, dass die Reduzierung der Klassen an der Bismarckschule eine unpopuläre Maßnahme sei, „dessen sind wir uns bewusst“. Er war allerdings auch der Meinung, dass Geschwisterkinder keinesfalls abgelehnt werden dürften. 

Ob das allerdings möglich sein wird, darauf wollte sich Stefanie Fischer als Rektorin der Schule nicht festlegen: „Wir haben allein sechs Geschwisterkinder, die zu weit weg wohnen.“ Der Forderung von Norbert Höhn (UWG), die Schulbezirke sofort wieder einzuführen, widersprach unmittelbar sein eigener „Parteifreund“ Wieland mit einem „Bin strikt dagegen.“ 

Auf Nachfrage von Marie Luise Linde (CDU) stellte Sacher auch klar, dass die neue Einführung von Schulbezirken nur langfristig wirke: „Für Geschwisterkinder und Kindergartenkinder, die ab Sommer 2019 eine neue Schule besuchen, ergibt sich dann trotzdem ein Problem.“

Letztlich stimmten dann die Politiker dem Vorschlag der Verwaltung zu, im Schuljahr 2019/2020 die Bildung von Eingangsklassen so festzulegen, dass die Bismarckschule drei bildet, wovon eine auf den Teilstandort Servatiusschule entfällt. Die Pestalozzischule bildet vier Eingangsklassen, wovon zwei auf den Teilstandort Schanhollenschule entfallen.

Die Bismarckschule

Wenn die Bismarckschule noch die gleiche wäre wie vor Jahren, wäre es kein Problem, drei Eingangsklassen am Kiersper Standort zu bilden. Doch mittlerweile werden einige Räume anders genutzt und stehen als Klassenzimmer nicht mehr zur Verfügung. So gibt es mittlerweile einen Computerraum und ein Betreuungsangebot. Durch die hohe Akzeptanz der Offenen Ganztagsschule (OGS) ist auch der Bedarf an Räumen gestiegen. Um Platz für eine weitere Eingangsklasse zu schaffen, müsste in der Konsequenz entweder ein Anbau errichtet oder die OGS an einen anderen – möglichst schulnahen – Standort ausgelagert werden. Beides wird von Verwaltung und Politik abgelehnt.

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