Schulabschluss mit sehr guten Noten erreicht

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Mit den Liedern „Alte Schule altes Haus“ und „Geile Zeit“ verabschiedeten sich die Schüler. ▪

KIERSPE ▪ Im Abschiednehmen haben Lehrer und Schüler Routine. Wird doch in jedem Sommer ein Jahrgang verabschiedet. Doch bei der Schanhollenschule war das in diesem Jahr anders. Mussten sich doch nicht nur die Schüler der vierten Klassen von ihrer Schule trennen, sondern auch Schulleiterin Marlene Umlauf, die in den Ruhestand ging.

„Sie haben ihren Schulabschluss mit sehr guten Noten erreicht“, bescheinigte Bürgermeister Frank Emde der scheidenden Schulleiterin und fügte hinzu: „Bevor sie ihre Stelle in Kierspe antraten, haben sich Schulausschuss und Rat einstimmig für sie ausgesprochen und das war eine gute Entscheidung.“

Dabei war bei dem Lebenslauf von Marlene Umlauf überhaupt nicht abzusehen, dass sie einmal als Lehrerin in Rente gehen würde. Obwohl im Köln der Nachkriegszeit aufgewachsen, beschreibt Umlauf ihre Kindheit als glücklich. In der Stadt am Rhein besuchte sie auch Grund- und Realschule – später dann die Handelsschule, an deren Besuch sich eine Ausbildung zur Speditionskauffrau anschloss. Und das, obwohl sie da schon längst wusste, dass sie lieber Lehrerin geworden wäre.

Doch nun kam erst einmal die Heirat als ganz junge Frau – und auch die erste von insgesamt drei Töchtern ließ nicht lange auf sich warten. Doch bereits während die Kinder noch jung waren, besuchte Umlauf das Abendgymnasium, um ihr Abitur nachzuholen.

1976 verließ sie dann ihr geliebtes Köln und zog mit ihrer Familie nach Kierspe, wo ihr Mann eine neue Stelle antrat. Dort besuchten auch ihre Töchter die Pestalozzischule – „die Schanhollenschule gab es ja noch nicht.“

Als auch das jüngste Kind eingeschult war, begann auch für Marlene Umlauf das Lernen erneut. Täglich pendelte sie nach Siegen, um dort an der Universität Grundschullehramt zu studieren. „Mein Mann hatte sich damals gerade selbstständig gemacht. Dadurch war die Kinderbetreuung sichergestellt“, erinnert sie sich an diese Zeit. In Kierspe selbst war die Familie damals schnell heimisch geworden. Alle fanden ihren Ausgleich im TV Jahn. Auch wenn die Kombination aus Studium und Familie nicht viel Zeit ließ.

Nach dem erfolgreichen Abschluss ging es zum Referendariat nach Olpe und 1984 trat sie ihre erste Stelle in Lüdenscheid an, wo sie bereits fünf Jahre später Konrektorin wurde. 1994, nach Fertigstellung der neuen Grundschule in Kierspe, die damals noch den Namen Grundschule IV trug, bewarb sie sich in ihrer Heimatstadt auf die Stelle der Schulleiterin. „Wir haben uns damals mit Eltern und Lehrern viele Gedanken über den Schulnamen gemacht. Wir wollten einen Namen, der eine Beziehung zur Heimat hatte.“ Schließlich griff man die alte Sage von den Schanhollen auf – die bis heute eine wichtige Rolle im Schulalltag spielt.

Doch viel wichtiger als die Findung eines Namens war den Pädagogen die Gestaltung eines Schulprogramms, das bis heute das soziale Miteinander betont und die Schule zur Lebensschule machen will.

Doch auch das handwerkliche Geschick war gefordert. Gemeinsam mit ihren Kollegen und den Eltern ihrer Schüler gestaltete Umlauf das Umfeld des Gebäudes und pflanzte heimische Gewächse an, um den Kindern auch während der Schulzeit Naturbeobachtungen zu ermöglichen.

Bereut hat sie die Entscheidung, Lehrer zu werden, nie: „Was könnte schöner sein, als Kinder bei ihrem ersten Bildungsabschnitt zu begleiten?“

Und auch für die Zeit nach der Schule gibt es Pläne. Da geht es verstärkt in den eigenen Garten, Reisen sind geplant und die sechs Enkelkinder freuen sich auch auf mehr Zeit mit der Oma.

Gestern war aber von Ruhestand noch nichts zu spüren. Da gab es erste einmal ein buntes Programm zum Ferienstart und auch wohlwollende Worte der Schulrätin Annette Heinz, die eigens zur Verabschiedung angereist war. Mit dem Dank der Elternvertreter und einem irischen Segen endete schließlich das Schuljahr für alle – und die Schulzeit für Marlene Umlauf.

Johannes Becker

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