56 Gesamtschul-Absolventen feiern ihren Abiball

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„Rivers flows in you“ spielten Olga Harms am Cello und Katharina Termer am Klavier.

Kierspe - Für 56 Abiturienten war der letzte Tag ihrer Laufbahn an der Gesamtschule Kierspe (GSK) angebrochen.

56 Hauptdarsteller waren sie an diesem Abschlussabend, doch eine unter ihnen wird allen Besuchern in besonderer Erinnerung bleiben: Eleni Nikolakopoulos Morales. Sie bewegte die Herzen der Mitschüler und Erwachsenen mit einer flammenden Rede über Migration und Integration sowie ihrer Aufnahme in die deutsche Gesellschaft. Doch bevor sie zu Wort kam, stand das Programm des Abiballes an.

Schulleiter Johannes Heintges verglich die Schulzeit mit dem Aufbau eines klassischen Dramas, von der Einführung in das Grundthema bis zur Lösung. Er hatte Beispiele aus der Schulzeit zusammengetragen und freute sich, nach anfangs „dramatischen Konflikten“ wie Chillen, Partys oder einem ausgeprägten Bedürfnis nach Ruhe, zwölf Schüler mit einem Einser-Abitur-Zeugnis aus der Schule zu entlassen. Bürgermeister Frank Emde verglich das zu seinem Auftritt gespielte Lied „Auf uns“ von Andreas Bourani mit dem Höhepunkt der Fußballweltmeisterschaft 2014 und dem im Leben der Abiturienten. „Das ist eine großartige Leistung“, so Emde. „Berechtigterweise können Sie jetzt sagen ‚Ein Hoch auf uns‘.“ Dazu, „Verantwortung in unserer Gesellschaft zu übernehmen, auch unser Land zu gestalten“, spornte er die Abschluss-Schüler an. „Sie stehen am Ziel und gleichzeitig wieder am Start. Sie müssen nicht gleich die ganze Welt retten, sollten jedoch die Herausforderungen annehmen.“

Ball der Gesamtschulabiturienten

Mit scharfem, aber liebevollem Blick schaute Oberstufenleiter Rolf Muck ein letztes Mal auf die ihm anvertrauten Schüler zurück. „Ihr wart bei allem Lob kein einfacher Jahrgang“, so Muck. „Es ist, glaube ich, leichter, mit einem Löwen, einem Hamster und einem Nilpferd das ‚Ave Maria‘ als Chor einzuüben, als mit einigen von Euch einen Konjunkturzyklus zu erarbeiten.“ Auf sich selbst bezogen bat er: „Lasst mir ma Ruah und meine Weißwurscht, das ist Euer Abschiedsabend.“

Auch die Beratungslehrerin Andrea Heetmann-Thiel kam noch zu Wort, bevor Eleni Nikolakopoulos Morales zu ihrer denkwürdigen, für alle überraschenden Rede auf die Bühne kam. „Als meine Eltern zum Gymnasium gingen, um mich für das neue Schuljahr anzumelden, sagte man ihnen, dass es nicht möglich sein würde. Ich würde die deutsche Sprache nicht beherrschen und deshalb würde ich es nicht schaffen. Die Realschule teilte dasselbe mit. Erst die Gesamtschule Kierspe gab mir die Chance auf Bildung, Hilfe und Unterstützung. Menschlichkeit war es, was ihr mir, der Mexikanerin, der Latina, Griechin und Deutschen, beigebracht habt“, so Morales. Sie hatte in ihrer Schulzeit Menschen aus anderen Schichten, mit Behinderung kennengelernt und gelernt, über Unterschiede hinweg zu schauen. „Das Wort ,Gesamt‘ steckt da drin und es sagt schon alles.“ Mit ihrer Rede voller Emotionen, Erfahrungen und Empfindungen ließ Eleni Nikolakopoulos Morales niemanden im PZ unberührt. Die stehenden Beifallsbekundungen gaben ihr das Gefühl, dass sie allen aus dem Herzen gesprochen hatte.

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