In den Details unterschiedliche Meinungen – auch zum Tragen der Masken

Schüler zeigen große Impfbereitschaft

Melissa Schmidt, Jule Kahlert, Demir Zornic und Ostoja Knezevit (von rechts) sprachen mit der Meinerzhagener Zeitung über die Impfbereitschaft der Schüler und das Maskentragen in der Schule.
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Melissa Schmidt, Jule Kahlert, Demir Zornic und Ostoja Knezevit (von rechts) sprachen mit der Meinerzhagener Zeitung über die Impfbereitschaft der Schüler und das Maskentragen in der Schule.

„Weil ich mein Leben zurückhaben wollte, habe ich mich impfen lassen – mittlerweile schon das zweite Mal“, sagt Melissa Schmidt. Die 19-Jährige besucht die zwölfte Jahrgangsstufe der Gesamtschule und spricht gemeinsam mit Jule Kahlert (19), Demir Zornic (17) und Ostoja Knezevit (19) übers Impfen und Maskentragen.

Kierspe - Schnell wird klar, dass die Gesamtschüler letztlich die gleichen Wünsche, Bedenken und Vorstellungen haben, wie Menschen jenseits der Schule. So hatte auch Melissa Schmidt anfänglich große Bedenken beim Impfen: „Ich habe in den Medien vieles über die Impfstoffe gehört und auch über die Gefahren, die von Astrazeneca und Johnson und Johnson ausgehen. Deshalb wollte ich mich auch erst nicht impfen lassen, doch als klar wurde, dass es ohne Impfung wohl keine Rückkehr in ein normales Leben geben wird, habe ich meine Meinung geändert.“

Bedenken gab es bei Jule Kahlert keine. Die Schülerin ist im Roten Kreuz aktiv, hat Freunde, die im Gesundheitswesen arbeiten, – und interessiert sich nach eigenem Bekunden brennend für jede neue Studie, die im Zusammenhang mit der Pandemie veröffentlicht wird. „Aufgrund meiner ehrenamtlichen Arbeit wurde ich bereits sehr früh geimpft. Darüber bin ich sehr froh, da wir mit sieben Menschen in der Familie zusammenleben, darunter auch ein Angehöriger der Risikogruppe“, erzählt die 19-Jährige. Von den sieben seien mittlerweile fünf geimpft, zwei könnten sich nicht impfen lassen, da sie noch zu jung seien.

Viele wollen vor allem zur Normalität zurück, endlich wieder richtig leben.

Melissa Schmidt

Vor dem Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung habe sie in ihrem Geschichtskurs mal nach der Impfbereitschaft unter ihren Mitschülern gefragt: „Die zwölf Mitschüler, mit denen ich gesprochen habe, wollen sich alle impfen lassen, einige, weil sie selbst Vorerkrankungen haben, andere, weil sie ihre Mitmenschen schützen wollen oder auch, weil sie wieder feiern möchten.“

Eine ähnliche Umfrage unter 14 Schülern des Deutsch-Leistungskurses zeigt auch, dass die Impfbereitschaft unter den Schülern groß ist. Lediglich drei, so wird berichtet, wollten sich nicht impfen lassen. „Viele wollen vor allem zur Normalität zurück, endlich wieder richtig leben. Da kann man schon den Eindruck bekommen, dass es so eine Art indirekte Impfpflicht gibt“, sagt Schmidt.

Ähnliches, was Schmidt und Kahlert aus dem Jahrgang 12 berichten, erzählt auch Demir Zornic von seinen Mitschülern im 11. Jahrgang: Acht von zehn Schülern wollen sich impfen lassen – und nahezu jeden Tag würde auch jemand aus der Stufe geimpft. Aber viele haben trotzdem Bedenken bei der Sicherheit des Impfstoffes. Das ist auch der Grund, warum er sich selbst noch nicht um einen Termin bemüht hat. „Durch die Berichterstattung in den Medien wird das Gefühl der Unsicherheit auch noch verstärkt“, sagt Zornic, der sich wünschen würde, dass in der Schule von Fachleuten übers Impfen informiert würde.

Anfangs habe ich Corona gar nicht so bedrohlich wahrgenommen. Als dann der Vater eines Freundes erkrankte und beatmet werden musste, hat sich das geändert.

Ostoja Knezevit

Erst einmal will auch Ostoja Knezevit auf die Impfung verzichten – nicht, weil er den Impfstoffen misstraut, sondern weil er aufgrund von Allergien auf viele Medikamente sehr „heftig reagiere“. Zweifel an dem Sinn der Impfung hat er keine: „Anfangs habe ich Corona gar nicht so bedrohlich wahrgenommen. Als dann der Vater eines Freundes erkrankte und beatmet werden musste, hat sich das geändert. Danach habe ich mich an alle Regeln gehalten und konnte auch nicht verstehen, dass es Jugendliche gab und gibt, die sich nicht daran halten.“

Knezevit rät allen zur Impfung und berichtet, dass die Menschen, die sich in seinem Umfeld bereits hätten impfen lassen, auch keine nennenswerten Nebenwirkungen gehabt hätten.

Ganz klar ist der Schüler auch bei seiner Haltung zum Maskentragen: „Wir haben jetzt so lange durchgehalten, da schaffen wir das sicher auch noch bis zu den Ferien.“

Zum Tragen der Masken in der Schule haben die Kiersper Gesamtschüler durchaus unterschiedliche Meinungen.

Das sehen aber nicht alle seiner Mitschüler so. „Die Masken schränken uns sehr ein. Ich habe Konzentrationsprobleme und bekomme Kopfschmerzen. Jetzt, wo wir alle getestet werden, könnte man die Masken auch weglassen“, sagt Schmidt.

Dem widerspricht Zornic, der im vergangenen Jahr als Mitglied der Schülervertretung für die Maskenpflicht stimmte, als es keine Vorgabe des Landes mehr dafür gab. Gerne hätte er aber Lockerungen: „Am Platz könnte man die Maske ruhig abnehmen, da die Klassenräume gelüftet werden und der Abstand eingehalten werden kann.“ „In meinem Philosophiekurs sind wir 30 Schüler, da lässt sich der Abstand nicht einhalten, da sollte auf jeden Fall weiterhin die Maske getragen werden“, wirft Jule Kahlert ein – und wird noch deutlicher: „Wenn wir auf die Masken in den Klassenräumen verzichten, können wir uns ja auch gleich gegenseitig in den Hals husten. Lasst uns bitte weiter die Masken tragen, bevor wieder alles digital wird.“

Dem Argument will Demir Zornic nicht widersprechen, möchte aber zumindest beim Sportunterricht zukünftig keine Maske mehr tragen: „Ich spiele im Verein Fußball, dort dürfen wir jetzt wieder ohne Maske trainieren. Dann sollte das doch auch bei Schulsport möglich sein. Das sieht auch Melissa Schmidt so: „Wenn ich ins Studio gehe, kann ich die Maske am Gerät ja auch abnehmen.“

Wenn wir auf die Masken in den Klassenräumen verzichten, können wir uns ja auch gleich gegenseitig in den Hals husten.

Jule Kahlert

Doch auch, wenn es unter den Gesprächspartnern und ihren Mitschülern unterschiedliche Auffassungen zum Impfen und Maskentragen gibt, Zweifel an der Pandemie selbst hätten auch ihre Mitschüler nicht, berichten sie übereinstimmend. Zornic: „Im ersten Lockdown war das noch anders.“ Melissa Schmidt merkt an: „Eine meiner Freundinnen ist Krankenschwester, die hat mir erzählt, dass viele Menschen schwer erkrankt sind. Sie sagt aber auch, dass vor allem alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen schwere Verläufe bekommen oder versterben.“

Auch Jule Kahlert berichtet von Freunden, die auf Krankenhausstationen arbeiten: „Viele sind regelrecht ausgebrannt, weil sie so viele Menschen haben sterben sehen, nicht nur alte Menschen, auch junge.“

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