Schüler spenden ihre Ranzen

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Sabine Käsler und Christiane Klamm ließen zwei Taschen von Niklas und David kontrollieren. Während sich in der einen nichts fand, war die andere Tasche mit nützlichen Arbeitsmitteln gut gefüllt und damit für ein Kind in Asien, Afrika oder auch Osteuropa unglaublich wertvoll. ▪

KIERSPE ▪ „Ohne Schule keine Bildung, keine Arbeit, kein Geld“, was sich anhört wie das Statement eines Ministers, der sich um Entwicklungshilfe kümmert, sind die Worte eines Zehnjährigen. Im Religionsunterricht in der vierten Klasse der Bismarckschule hat Niklas sie gehört – und verinnerlicht. Denn gestern, als Sabine Käsler und Christiane Klamm als Mitarbeiter der Hilfsorganisation Gain (Global Aid Network) in seiner Klasse zu Gast waren und fragten, was es für ein Kind bedeute, wenn es kein Geld für den Schulbesuch oder eine Schultasche, Stifte und Hefte habe, da kam seine Antwort wie aus der Pistole geschossen.

Bei der Vorstellung des Projektes „Helfen macht Schule“ war den meisten Schülern der vierten Klasse in der Bismarckschule klar, dass sie ihre alten Schultaschen nicht weiter benutzen würden, wenn sie nun aufs Gymnasium, die Realschule oder wie die meisten auf die Gesamtschule wechseln würden. Einige konnten schon ganz stolz die neuen Schultaschen zeigen. Längst nicht mehr so bunt und auffällig wie die alten Tornister und mit weniger großen Reflektoren ausgestattet, werden diese neuen Taschen die Kleinen ab Sommer auf ihrem Schulweg begleiten. Christiane Klamm wollte aber auch wissen, was mit den alten Taschen passiert. „Die schmeiße ich weg“, kam die Antwort eines Schülers schnell und mit einer gewissen Freude in der Stimme. Andere wollten den Ranzen aufheben oder an jüngere Geschwister weitergeben.

Die beiden Gain-Mitarbeiter hatten da aber noch einen anderen Vorschlag. Mit Verweis auf Kinder, die in Afrika, Asien aber auch osteuropäischen Ländern so arm seien, dass sie sich keine neuen Taschen leisten könnten, schlugen sie den Kiersper Schülern vor, die Ranzen zu spenden. Doch was nützt letztlich die schönste Tasche, wenn sich nichts darin befindet? Diese Frage verdeutlichten die beiden ehrenamtlichen Helferinnen der christlichen Hilfsorganisation mit zwei Taschen. Während die Schüler bei der Inspektion der Tornister in der einen Tasche nichts fanden, war die andere mit Schreib- und Rechenheften, Blöcken, Zeichenblock, Mäppchen, Stiften, Spitzer und Lineal gut gefüllt. „Nur wenn die Kinder auch Utensilien haben, mit denen sie in der Schule arbeiten können, haben sie auch etwas von den Taschen“, unterstrich Sabine Käsler.

Die beiden forderten die Viertklässler auf, doch einmal mit ihren Eltern zu sprechen, ob die Taschen nicht gespendet werden könnten und ob es nicht möglich sei, sie vor der Weitergabe entsprechend zu füllen.

Um Eltern und Schülern diese Arbeit zu erleichtern, bekamen die jungen Kiersper ein Faltblatt mit, auf dem genau aufgelistet ist, welche Materialien dringend benötigt werden.

Neben den vierten Klassen in der Bismarckschule besuchen die beiden Gain-Mitarbeiterinnen in den nächsten Tagen auch noch die Abgangsklassen der Pestalozzischule. Aber auch die Schultaschen von Schülern, deren Schulen nicht von Sabine Käsler und Christiane Klamm besucht werden, können ihre Taschen spenden. Dazu ist eine Kontaktaufnahme mit den beiden Helferinnen unter den Rufnummern (0 23 59) 65 21 und (0 23 59) 69 76 möglich. Bereits in den Ferien werden die beiden Kiersperinnen die gesammelten Taschen nach Gießen bringen, wo sich die Zentrale der Hilfsorganisation befindet. ▪ jobek

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