1000 Unterschriften gegen drohende Abschiebung 

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Asli Arslan übergab gemeinsam mit weiteren Schülervertretern die Unterschriftenliste an den heimischen Landtagsabgeordneten Gordan Dudas, der die Gesamtschule Kierspe besuchte und sich sehr beeindruckt vom Engagement der Schüler zeigte.

Kierspe - Eine ganze Schule kämpft um den Verbleib zweier Mitschüler: Um ein Zeichen gegen die drohende Abschiebung der Syrer Mohammed und Ali, der sich vor Wochen in den Schutz des Kirchenasyls geflüchtet hat, zu setzen, sammelten die Schüler der Gesamtschule Kierspe binnen knapp einer Woche fast 1000 Unterschriften.

Die Unterschriften wurden jetzt dem heimischen Landtagsabgeordneten Gordan Dudas (SPD) übergeben.

Gastschüler seit Jahresbeginn

Die beiden Syrer gehören zusammen mit weiteren Flüchtlingen seit Jahresbeginn als Gastschüler zu den rund 1400 Pennälern an der GSK, sind teilweise in den Oberstufenunterricht eingebunden und lernen ansonsten in einem speziellen Kurs die deutsche Sprache. „Bei unserem Schulkulturtag kurz vor den Osterferien haben die Flüchtlinge sehr eindrucksvoll über ihre Lebensgeschichten und die Flucht sowie die drohende Abschiebung berichtet. Danach war uns klar, dass wir helfen müssen, denn wir wollen sie als unsere Mitschüler nicht verlieren“, sagt Asli Arslan, Jahrgangssprecherin der achten Klassen.

Weitere Unterschriften werden gesammelt

Anschließend initiierte sie mit weiteren Jugendlichen der Schülervertretung sofort die Unterschriftenaktion. „Bis zu den Ferien haben noch fast 1000 Schüler, Lehrer und Eltern unterschrieben. Jetzt werden wir uns daran machen weitere Unterschriften zu sammeln“, so Arslan.

Teil einer Petition

Die Unterschriftenmappe soll Teil einer Petition werden, die die Schülervertretung im Namen der gesamten Schule an den Bundestag richten will, um so vielleicht auf politischem Weg die Abschiebung der Syrer verhindern zu können.

Dublin-Verordnung als Grundlage

Nach Ungarn abgeschoben werden sollen Mohammed und Ali aufgrund der so genannten Dublin-Verordnung. In dieser ist unter anderem zwischen allen EU-Ländern geregelt, dass Flüchtlinge in das Land abgeschoben werden können, in dem sie zuerst registriert wurden. Die Syrer wurden während ihrer langen Flucht aus Syrien über die Türkei, Bulgarien, Serbien und Österreich nach Deutschland in Ungarn von den Behörden aufgegriffen und durch das Erfassen der Fingerabdrücke registriert. Weil Ungarn aus der Sicht Deutschlands ein sicheres Drittland ist, sind Abschiebungen dorthin möglich. Diese Sichtweise kritisieren allerdings viele Hilfsorganisationen und prangern die menschenunwürdigen Bedingungen an, unter denen Flüchtlinge in Ungarn leben müssten. Aus diesem Grund schieben etliche deutsche Gerichte allerdings derzeit keine Flüchtlinge mehr nach Ungarn ab. Über das Schicksal von Mohammed und Ali hat das Verwaltungsgericht Arnsberg zu entscheiden.

„Schließlich haben sie in ihrem Integrationsprozess große Fortschritte gemacht. Dieser würde im Fall einer Abschiebung brutal unterbrochen. Beide müssten sich dann wieder auf eine neue Sprache und Kultur einstellen“, sagt Schulleiter Jochen Heintges.

Dudas vom Engagement beeindruckt

Gordan Dudas zeigte sich bei seinem Besuch an der Gesamtschule sehr beeindruckt vom großen Engagement der Schüler: „Fast 1000 Unterschriften in dieser kurzen Zeit zu sammeln, ist schon eine Marke. Ihr setzt euch hier in besonderer Weise für andere Menschen ein. Ich möchte euch deshalb ermuntern, das auch in Zukunft zu tun“, sagt Dudas, der die Schüler auch in ihrem Petitionsvorhaben unterstützte.

„Lasst eure Herzen sprechen“

Erfreut über den Einsatz der Kiersper Gesamtschüler ist auch Fritz Schmid vom Arbeitskreis Flüchtlinge, der sich intensiv um die Integration der jungen Flüchtlinge in das Kiersper Stadtleben bemüht und auch Ali im Kirchenasyl regelmäßig betreut. „Er ist einer von uns, deshalb kann ich euch wirklich nur bitten, eure Herzen sprechen zu lassen und diese Petition auf den Weg zu bringen“, so Schmid.

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