Handwerk 4.0 – Betriebe gehen mit der Zeit

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Martin Schriever demonstriert das Arbeiten an einer computergesteuerten Kreissäge. Die passende Software sorgt dafür, dass der Schreinermeister und seine Gesellen präzise arbeiten können.

Kierspe - Viel Papier muss Martin Schriever, der als selbstständiger Schreinermeister und auch als Bestattungsunternehmer in Kierspe aktiv ist, nach eigenen Angaben nicht mehr in die Hand nehmen. Seit Jahren setzt der Selbstständige auf moderne Techniken und hat seinen Betrieb von der Buchhaltung bis zur Produktion digitalisiert.

„Bereits 1998 haben wir den Schritt zum elektronischen Arbeiten gemacht. Damals habe ich angefangen, die Trauerdrucksachen selber am PC herzustellen“, erklärt Schriever, der auch etwa zur gleichen Zeit die erste Software für seinen Schreinerbetrieb angeschafft hat. Heute könne man quasi von jedem Endgerät aus dieses Programm bedienen.

Schriever: „Es muss aber auch die Bereitschaft dazu da sein, sich mit den Sachen zu beschäftigen. Manche Betriebe, die noch per Fax ihre Rechnungen verschicken, werden Schwierigkeiten bekommen. Wer da nicht mit der Zeit geht, hat ein Problem.“

Ausdrucke nur noch zur Sicherheit

Von den Bauanträgen über die Abrechnung bis zu den Aufträgen für die Kunden, in der Schreinerei Schriever läuft alles nur noch digital. Während seine zwei Gesellen Aufträge am Computer bearbeiten können, bedient seine Frau die elektronische Lohn- und Finanzbuchhaltung.

„Wir können sogar auf die Sortimente und Preise zahlreicher Hersteller online zugreifen. Und durch die entsprechenden Programme können wir wesentlich detailliertere Angebotspräsentationen für unsere Kunden erstellen.“ Auch die Rechnungen werden hauptsächlich per E-Mail verschickt. „Nur zur Sicherheit drucken wir diese noch aus und legen sie ab“, erklärt der Handwerksmeister.

Die Volksbank Kierspe, vertreten durch Clemens Wieland (rechts) und Michael Crummenerl, stellt eine Software vor, die heimische Handwerker unter anderem bei der Rechnungstellung unterstützen soll.

Auch die Maschinen in der Schreinerei werden per Computer gesteuert. „Wenn du da nicht auf Höhe bist, dann bist du nicht konkurrenzfähig“, sagt Schriever, der sich nach eigenen Worten kaum noch vorstellen kann, ohne moderne Technik zu arbeiten. „Wir sparen durch die Digitalisierung zwar keine Zeit, aber sie vereinfacht die Produktion und erhöht das Qualitätsniveau.“

Durch qualitativ hochwertiges Arbeiten hebe sich sein Betrieb vom Ikea-Standard ab. „Der Kunde fordert das auch ein. Es ist keine Option, auf Billig zu setzen. Schließlich legt einzig und allein die Qualität den Preis fest. Die Maschinen sorgen dafür, dass wir mit der Konkurrenz mithalten können.“

Hilfestellung für Selbstständige

Um heimischen Handwerkern und Selbstständige bei der Digitalisierung ihres Betriebs zu unterstützen, stellt die Volksbank Kierspe eine neue Software vor. „Wir als Bank haben uns dieser Thematik gestellt und uns gefragt, was wir tun können“, erklärt Clemens Wieland, Marktbereichsleiter bei dem heimischen Geldinstitut.

Ziel sei es, unter dem Stichwort „Industrie/Handwerk 4.0“, Handwerkern und anderen Selbstständigen Hilfestellung bei der Digitalisierung der betriebswirtschaftlichen Prozesse zu geben. Dazu bietet die Bank zwei neue Produkte an – eine Software mit dem Namen „Smartbuchhalter“ und einen sogenannten Digitalisierungskredit.

Fast papierlose Büros in Betrieben

Mit dem Computerprogramm soll es dem Benutzer unter anderem möglich sein, ein fast papierloses Büro zu führen und die gesetzliche Forderung, dass ab 2019 alle Rechnungen nur noch elektronisch gestellt werden sollen, erfüllen zu können. „Unsere Software ist intuitiv bedienbar“, erklärt Michael Crummenerl, Privatkundenbetreuer der Bank.

Das Programm sei unter anderem komfortabel, da Angebote, offene Posten und Rechnungen eingesehen oder direkt an Kunden verschickt werden können. Und vernetzt, weil es eine Schnittstelle zum Steuerberater gibt. Zudem könne man die Software auch mit Fremdbanken verbinden und Dokumente direkt hochladen.

„Der große Vorteil des Programms ist, dass es mobil auf allen Endgeräten angewendet werden kann und das es in der Basisversion für alle – auch Nicht-Volksbank-Kunden – kostenfrei ist“, so Crummenerl. Als Volksbank verstehe man sich auch als Förderbank. Deshalb biete man den Kunden auch entsprechende Angebote, um die Digitalisierung der Betriebe voran zu bringen, sagt Wieland. „Mit dem sogenannten ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit können beispielsweise neue Infrastrukturen aufgebaut werden.“

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