Geschichtenschmiede: Sechs Autoren lesen

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Für den musikalischen Rahmen sorgten Fritz Schmid und Omid Issa (rechts).

Kierspe - Stilvoll sollte es zugehen bei der Buchvorstellung der Geschichtenschmiede. „Hotel Nannsen – Nur auf der Durchreise“ ist das jüngste Werk der Schreibwerkstatt der VHS Volmetal, und weil alle Geschichten in eben diesem Hotel angesiedelt sind, wählte man ein entsprechendes Ambiente – das „Haus Berkenbaum“.

Im gut gefüllten Gesellschaftsraum lasen sechs Autoren ihre Erzählungen aus einem Mikrokosmos, in dem Menschen zusammen arbeiten oder sich für kurze Zeit begegnen. Vicki Baums Roman „Menschen im Hotel“ habe Pate gestanden für ein Semesterthema, erläuterte Marion Görnig, Leiterin der Geschichtenschmiede. 

Das liegt inzwischen vier Jahre zurück. Damals hatte sie in einer Eingangserzählung den Rahmen vorgegeben, den die Teilnehmer für ihre Geschichten nutzen sollten und so treffen die Hotelgäste auf einen gutaussehenden Empfangschef, die inzwischen demente Seniorchefin und einen Juniorchef, der viel lieber als Künstler in ländlicher Einsamkeit leben würde. 

Sogar ein Gigolo steht auf der Gehaltsliste des Hotels, dessen Aufgabe sich allerdings auf Theater- und Restaurantbesuche mit alleinstehenden Damen beschränken. Die Räume erinnern an legendäre Häuser wie das „Kempinski“ oder „Adlon“ mit Speisesaal, Konferenzräumen und Suiten. In eine solche gerät Pit Petersen, Champion im Gummistiefel-Weitwurf. Der hatte bei einem Kreuzworträtsel-Wettbewerb eine Übernachtung gewonnen, eigentlich in einem der einfachen Zimmer. Martina Schnerr-Bille machte mit „Ein Zimmer für Pit“ den Auftakt der Lesung. 

Von kulturellen Unterschieden, die selbst versierte Hotelmanager in Aufregung versetzen, handelte „Badekultur“ von Bärbel Wengenroth. Ein verlogener Unternehmer, seine desillusionierte Ehefrau und ein verhinderter Maler treffen bei Werner Sinnwell aufeinander. Gleich mehrere Autoren ließen sich durch die emotional aufgeladene Stimmung des Heiligen Abends zu einer Weihnachtsgeschichte inspirieren – das Hotel Nannsen veranstaltet natürlich auch Weihnachtsfeiern für seine Gäste. Insgesamt 22 Autoren hatten 26 Erzählungen beigesteuert. Die Endredaktion lag bei Marion Görnig. 

„Das war richtig viel Arbeit,“ meinte sie. Unstimmigkeiten im Detail mussten ausgemerzt, die Einzelerzählungen in die Form eines Episodenromans gebracht werden – „ein Experiment“. Das gilt auch für die letzte Geschichte im Buch. Die war im Rahmen eines Online-Wochenendes entstanden, zu dem sich sieben Autoren verabredet hatten. Während eines vorgegebenen Zeitraums musste jeder eine Szene mit „Cliffhanger“ schreiben, einer offenen Situation, an die der Nächste anknüpfen konnte. 

Den musikalischen Rahmen gestalteten Fritz Schmid (Saxophon und Geige) und Omid Issa (Saz und Trommel). Ganz im Stil der Salonmusik des „Nannsen“ boten sie während der Pause gedämpfte Untermalung gepflegter Gespräche.

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