Sohn verdirbt der Mutter die Feier

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Symbolfoto

Kierspe - Es sollte der schönste Tag im Leben einer Kiersperin werden. Doch ihr Sohn machte der Frau einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Bei der Feier im August vergangenen Jahres in Schalksmühle trank der damals 18-Jährige derart viel Alkohol, dass er die Kontrolle über sich verlor.

Im Amtsgericht Meinerzhagen hatte der Mann keine Erinnerung an die Straftaten, die er bei der Hochzeit begangen hatte, stellte sich der Anklage aber nicht entgegen. Zeugen halfen dem Gedächtnis des Mannes auf die Sprünge. Eine 47-Jährige gab im Gericht an, der Kiersper sei bereits früh am Abend wegen kleinerer Dispute aufgefallen. Gegen 22 Uhr sei der inzwischen 19-Jährige, den die Zeugin gar nicht kannte, plötzlich auf sie zugerannt und habe sie schräg angesprungen.

Die Werdohlerin stürzte zu Boden: „Ich hatte in dem Moment wirklich große Angst.“ Ihr Ehemann und der Bräutigam hätten den Angeklagten schließlich fixieren können. „Es war Aggression pur bei ihm. Es musste irgendetwas verkloppt werden, was da war. Ich stand einfach zur falschen Zeit am falschen Ort“, zeigte sich die Frau überzeugt davon, dass es kein gezielter Angriff auf sie persönlich war.

Nach der brutalen Attacke ging es der 47-Jährigen schlecht, sodass ein Rettungswagen sie ins Krankenhaus bringen musste. Dort stellten die Ärzte eine Gehirnerschütterung, eine Blockade an der Wirbelsäule und Prellungen fest. Nach fünf Tagen durfte die Werdohlerin das Hospital wieder verlassen. Vier weitere Wochen war sie arbeitsunfähig.

Angeklagter ließ Wut auch an Autos aus

Doch nicht nur an Menschen ließ der Angeklagte seine Wut aus. Eine Frau aus Wetter, die bei der Hochzeit als Serviererin tätig war, berichtete im Zeugenstand von einem Tumult vor der Tür. Als sie rausgegangen sei, habe sie gesehen, wie der Angeklagte auf ihr Auto zulief, beziehungsweise fast torkelte, einmal auf die Karosserie schlug und anschließend noch zwei Tritte gegen die Tür folgen ließ.

Danach sei er zum nächsten Wagen weiter gezogen und habe auch diesen demoliert. Der Schaden bei ihrem Fahrzeug belief sich auf 1400 Euro. Er sei völlig außer Kontrolle gewesen, erklärte die 34-Jährige. Beide Zeugen äußerten sich dahingehend übereinstimmend, dass der Angeklagte ziemlich betrunken gewesen sei.

Der Grund für das Verhalten blieb ungeklärt. Er sei jedenfalls nicht gegen die Hochzeit gewesen, sondern habe sich für seine Mutter gefreut, dass sie nach seinem Vater einen neuen Mann an ihrer Seite hat, beteuerte der 19-Jährige. Dreimal war er bislang strafrechtlich aufgefallen, meist wegen Drogendelikten.

Der Richter befand den Angeklagten letztlich nach Jugendrecht des fahrlässigen Vollrausches für schuldig. Er erlegte dem Kiersper 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit sowie fünf Beratungsgespräche beim Jugendamt auf. Erfülle der Angeklagte diese Auflagen nicht, drohen ihm bis zu vier Wochen Dauerarrest.

Sein ihm zustehendes letztes Wort hatte der Kiersper dazu genutzt, sich bei der angegriffenen Frau zu entschuldigen. „Ich muss damit klarkommen, dass ich derjenige war, der die Hochzeit meiner Mutter kaputtgemacht hat.“ Er habe dafür zahlen müssen. Zum einen sei der Kontakt zu ihr kühl und selten, darüber hinaus habe er seine Ausbildung in der Firma, in der auch sein Stiefvater arbeitet, verloren.

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