Schöne Einwandererpflanze verdrängt endemische Flora

Mehr als mannshoch wächst der Japanische Knöterich, einer der problembehaftetsten Neophyten, nahe der Ortslage Berken.

KIERSPE - Neophyten nennen sie sich im Fachjargon. Dabei handelt es sich um Einwanderer und eingeschleppte Pflanzen, die die endemische Flora, so die weitgehend übereinstimmende fachliche Beurteilung, zwar selten wirklich existenziell bedrohen, sie aber trotzdem stellenweise mehr oder minder stark beeinträchtigen können.

Von Rolf Haase

Das ist vor Ort besonders auch beim Japanischen Staudenknöterich der Fall, wie Förster Uwe Treff weiß und an einem Bestand nahe der Ortschaft Berken veranschaulicht, wo die mehr als mannshohe Pflanze sich stark talwärts verbreitet.

Beim Blick in das Unterholz des dicht treibenden Gewächses zeigt sich, dass darunter nichts anderes mehr gedeiht und somit ein Verdrängungsprozess stattfindet. Treff weist auf die schönen weißen Blüten hin und erklärt, dass dieser Bestand eindeutig auf das Abkippen von Gartenabfällen an dieser Stelle zurückzuführen ist. Eine Bekämpfung sei wegen der starken Rhizombildung im Boden extrem schwierig.

Der Japanische Staudenknöterich, auch Reynoutria japonica oder Fallopia japonica genannt, ist eine schnellwüchsige und daher wuchernde sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze. Als Überdauerungsorgane bildet er Rhizome aus, durch die oft dichte, ausgedehnte Bestände entstehen. Im Frühling treibt er daraus neue Stängel, die unter günstigen Bedingungen innerhalb weniger Wochen eine Wuchshöhe von drei bis vier Metern erreichen.

Ursache der Verbreitung von nichtendemischen Pflanzen ist in den meisten Fällen der Mensch und dessen Einfluss auf die umgebende Landschaft. Schon durch den Beginn des Ackerbaus wurde eine Vielzahl von Begleitarten der angebauten Feldfrüchte eingeschleppt, die oft als Unkräuter bezeichnet werden. Andere Arten wurden als Heil- oder in jüngerer Zeit auch sehr häufig als Zierpflanzen eingeschleppt. Sogar die Schienenstränge der Eisenbahn sorgten für eine Verbreitung von Pflanzen wie Purpurstorchschnabel, Zackenschote, Stachellattich, Schaumkresse oder Nachtkerzen der Gattung Oenothera, die ihren Weg so auch bis nach Westfalen schafften. Ganz wichtig in der modernen Zeit für die Verbreitung von Neophyten ist aber, dass sich Zierpflanzen und ihre exotischen Begleitarten aus Gärtnereien, Baumschulen und Gärten verflüchtigt haben.

Als besonders problembelastet gilt das invasive Eindringen bestimmter längst etablierter Einwanderer in die heimische Pflanzengesellschaften: Es handelt sich dabei zwar um wenige, aber um sehr auffällige und in der Öffentlichkeit inzwischen auch bekannte bis berüchtigte Arten wie der Riesenbärenklau Heracleum mantegazzianum, das drüsige Springkraut Impatiens glandulifera, auch nach seiner Herkunft aus dem Himalaya Indisches Springkraut genannt, oder eben der Japanische Staudenknöterich, die allesamt auch in der Umgebung von Kierspe zuhauf anzutreffen sind.

„Die Herculesstaude kommt im Wald so gut wie gar nicht vor, wohl aber sehr stark in den Talauen der Flüsse und Bachläufe und an Straßenrändern. Wegen der durch sie hervorgerufenen phototoxischen Reaktionen gilt sie für den Menschen vor allem in Verbindung mit Sonnenlicht als außerordentlich gefährlich“, erläutert Förster Uwe Treff. Der aus dem Kaukasus stammende Riesenbärenklau hat sich wegen seiner Größe bis zu fünf Metern und seiner Konkurrenzkraft - er bildet in seinen teils über 50 Zentimeter großen Dolden bis zu 6000 Teilfrüchte und verbreitet sich daher enorm - heute zu einer echten Problempflanze entwickelt.

Überall anzutreffen ist das derzeit im Herbst wieder besonders prächtig blühende Indische Springkraut. Der Förster kennt einen besonders ausgedehnten dichten Bestand dieses rosa bis purpur blühenden Lippenblüters an der Landstraße 528 kurz vor Neuenhaus, wobei sich dieser eng beschränkt auf eine größere Lichtung im Wald. „Es handelt sich heute um einen Kosmopoliten, der auf der ganzen Welt verbreitet ist, bei uns im Wald aber kein Problem darstellt, da die Pflanze unter Bäumen nicht gedeiht und auch andere Pflanzen nicht vollständig verdrängt“, sagt Uwe Treff, geht in den Bestand und zeigt auf die dazwischen wachsenden Gräser, Farne und Brennnesseln. Orchideen, die mehr Licht benötigten, hätten natürlich keine Chance. Forstpflanzen wie Nadel- und Laubbäume verdrängten das Springkraut. Eine Bekämpfung im Wald sei daher unnötig.

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