Schnee und Eis auf den Straßen – Wer hat Räumpflicht?

Schnee und Eis auf den Straßen bedeutete für viele Lkw-Fahrer gestern eine Zwangspause, die – wie hier auf der Bundesstraße 237 – zum Teil sogar im Graben endete. -  Foto: Kämper

Kierspe - „Warum räumt denn hier eigentlich keiner?“ Diese Frage wird sich am Mittwochmorgen nach und während des heftigen Schneefalls wohl der ein oder andere Auto- und Lkw-Fahrer – die auf den verschneiten und zum Teil vereisten Straßen unterwegs waren – gestellt haben.

Der Schneefall am Mittwoch verlangte von manchen Verkehrsteilnehmern gute Nerven. Auf weiten Teilen der Landes- und Bundesstraßen um Kierspe, wie der L 528 in Richtung Halver und der B 237 in Richtung Rönsahl, ging am Vormittag nichts mehr – Lkw blieben auf den glatten Straßen liegen oder rutschten in den Graben und bedeuteten für Pkw-Fahrer ein zusätzliches Hindernis auf den winterlichen Straßen.

Und immer wieder ist es diese eine Frage, die sich mancher Autofahrer in dieser Situation stellt: „Warum räumt denn hier eigentlich keiner?“ Die MZ fragte daraufhin mal nach, angefangen bei der Stadt Kierspe. „Wir räumen von Ortstafel zu Ortstafel“, lautete die Antwort des städtischen Bauhofes. Für alle außerstädtischen Straßen sei der Landesbetrieb Straßen.NRW zuständig. Das konnte Hans-Peter Lüsebrink, Leiter der Straßenmeisterei in Herscheid, bestätigen. Und fügt hinzu: „Den Vorwurf, dass keiner räumt, kennen wir gut. Ich kann ihnen aber versichern, meine Kollegen sind seit den frühen Morgenstunden unterwegs.“

Der Landesbetrieb strebe an, dass vor Beginn des Berufsverkehrs, also um 6 Uhr, die Straßen einmal geräumt würden, so Lüsebrink. Eingeteilt sind die Straßen dabei in verschiedene Bereiche, die von jeweils einem Räumfahrzeug befahren werden. Das bedeutet konkret: Der Landesbetrieb ist eingeteilt in acht Straßenmeistereien, die wiederum in mehrere Räumbezirke unterteilt werden. Für jeden Räumbezirk ist ein Fahrzeug zuständig, das den ihm zugeteilten Bereich im Umlauf in drei bis dreieinhalb Stunden abfahren soll. Der Bereich um Kierspe gehört zur Straßenmeisterei in Herscheid. Von dort, so erklärt es Lüsebrink, strömen die Fahrzeuge bei Schnee und Glätte in ihre jeweiligen Bezirke aus.

Im Laufe des Vormittages komme es bei anhaltendem Schneefall aber unweigerlich wieder zu eingeschneiten Straßen, so Lüsebrink. Auch die aufgebrachte Salzmenge halte eine Straße nicht dauerhaft von Schnee und Eis frei. Problematisch seien dann aber vor allem Witterungen wie Mittwoch oder schon Mitte Januar. „Wenn der Schnee nass ist, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, bildet sich unter Druck innerhalb von Minuten Eis, ähnlich wie bei einem nassen Schneeball.“ Schneefall bei minus 5 Grad sei da deutlich einfacher zu händeln: „Der Schnee ist trockener und stumpfer.“ Anhaltender Schneefall bei 0 bis 1 Grad und eine starke Verkehrsbelastung seien also „keine gute Mischung“, so Lüsebrink. Die Folge: liegengebliebene Lkw und teils auch Pkw, eine Behinderung des Verkehrs und letztendlich auch des Räumfahrzeuges. Lüsebrink: „Und spätestens dann kommt bei den Autofahrern die Frage auf, warum eigentlich keiner räumt.“

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