„Menschen helfen“: Viele Aufgaben für Sozialarbeiter

+
Karin Schmid-Essing, hier beim Möblieren einer neuen Wohnung für Flüchtling, ist verärgert über die Aussagen des Beigeordneten Olaf Stelse im Rahmen der Ratssitzung.

Kierspe - Verärgert und mit Unverständnis reagiert Karin Schmid-Essing vom Verein „Menschen helfen“ auf die Äußerungen des Beigeordneten Olaf Stelse, dass es keine Notwendigkeit für einen weiteren Mitarbeiter in der Flüchtlingsbetreuung gebe.

In deutlichen Worten wehrt sich Schmid-Essing gegen Vorwürfe des städtische Mitarbeiters und zählt einen ganzen Katalog an Aufgaben auf, die ein Sozialarbeiter erledigen müsste. In der Ratssitzung am Dienstag hatte Stelse sich für die Verwaltung zu einem Antrag von CDU, SPD und UWG geäußert, in dem gefordert wurde, einen „qualifizierten Mitarbeiter“ für die Flüchtlingsarbeit einzustellen. Stelse hatte die Notwendigkeit zurückgewiesen und dem Verein „Menschen helfen“ unterstellt, dieses Ansinnen geschickt eingefädelt zu haben (die MZ berichtete).

„Wir haben mit dem Brandbrief im frühen Frühjahr keinen Zeitpunkt abgepasst oder eingefädelt, wir haben lediglich die Situation geschildert, in der sich die ehrenamtlichen Helfer befinden“, erklärt Karin Schmid-Essing auf Anfrage der Meinerzhagener Zeitung. „Wir haben eigentlich viel zu viel Arbeit, um uns mit solchen unverschämten Aussagen aufzuhalten“, sagt Schmid-Essing, um sich aber dann doch die Zeit zu nehmen, um aufzulisten, wie viele Aufgaben der Verein übernommen hat und an welchen Stellen dringend ein Sozialarbeiter tätig werden müsste.

Schmid-Essing: „Wenn man einen hätte, der sich 40 Stunden in der Woche mit der Flüchtlingsarbeit beschäftigen würde, dann wäre das gut für die Flüchtlinge, für die Ehrenamtlichen und die Stadt. Denn letztlich ist es doch für alle wichtig, dass die Menschen, die zu uns gekommen sind, möglichst schnell und möglichst gut integriert werden können und auch Arbeit aufnehmen.“

Von 350 Flüchtlingen nur einer in Arbeit

Von den 350 Geflüchteten, die in den vergangenen eineinhalb Jahren in die Volmestadt gekommen sind, wäre bislang nur einer in Vollbeschäftigung, ein paar andere hätten geringfügige Arbeitsverhältnisse, wenige seien im Praktikum und ein paar Jüngere auch in Ausbildung. „Da wäre es wichtig, dass ein Sozialarbeiter die Menschen befragt, nach ihrer Schulbildung, ihrem Studium, ihrer Ausbildung oder ihrem beruflichen Werdegang. Dann könnte auch gleich geklärt werden, ob die Menschen entsprechende Papiere dabei haben oder diese besorgt werden können. Das ist eine Arbeit, die momentan ausschließlich von den Ehrenamtlichen erledigt wird. Dabei ist das doch eine Arbeit, die im ureigensten Interesse des Staates liegt. Denn nur wenn diese Daten bekannt sind, können die Leute in Arbeit vermittelt werden. Da hat sich die Stadt bislang um nichts gekümmert“, erklärt Schmid-Essing.

Viel Arbeit für einen Profi sieht sie auch in den großen Unterkünften am Herlinghauser Weg und Korteberg, wo trotz anders lautender Bekundungen der Verwaltung die meiste Betreuung durch freiwillige Helfer erfolgen würde. Schmid-Essing: „Ein Sozialarbeiter könnte dort feste Sprechzeiten einrichten, die Arbeitspläne für die Tätigkeiten in den Häusern absprechen und umsetzen, oder auch einfach nur den Leuten bei behördlichen Schreiben zur Seite stehen.“

Erst 160 Geflüchtete haben Asylantrag gestellt

Die Kiersperin warnt davor zu glauben, dass der größte Teil der Arbeit getan sei, nur weil derzeit weniger Flüchtlinge kämen: „Von den 350 Menschen haben 160 noch nicht einmal einen Asylantrag gestellt. Und obwohl noch viel Arbeit vor uns liegt, sehen wir, dass sich einige Vereinsmitglieder zurückziehen, weil sie die Belastung, der sie sich im vergangen Jahr ausgesetzt haben, nicht mehr tragen wollen und oft auch nicht mehr können.“

Zum Schluss kommt sie dann noch einmal auf die Aussage von Stelse zurück: „Ich verstehe das einfach nicht, die städtischen Mitarbeiter wissen doch genau, was für eine unglaubliche Maloche wir leisten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare