Schwarzstorch und Eisvogel

Vom Industrie-Standort zum Naturschutzgebiet: das Schleipe-Tal

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In einem trockengefallenen Abschnitt des Bachbetts der Schleipe sind die Wasserpflanzen gut zu erkennen. Der Bach führt hier nur Wasser, wenn es stark regnet, ansonsten läuft es oberhalb ab und tritt dann wieder an anderer Stelle im Bachbett an die Oberfläche.

Kierspe – Dass das Schleipetal einmal ein Ort werden würde, an dem die Natur ungestört gedeihen kann, hätte vor 100 Jahren niemand vermutet. Damals befand sich hier eines der industriellen Herzen der Stadt – und es schlug im Takt der wassergetriebenen Hämmer.

Schleiper Hammer und Sprotter Hammer sind nicht nur Ortsmarken in dem Seitental der Volme, sondern auch Hinweise auf die frühere Nutzung der natürlichen Ressourcen. Und während der Schleiper Hammer heute als Museum einen tiefen Einblick in die Zeit seiner Nutzung gibt, dient der Sprotter Hammer, der dem Ort in dem er steht, den Namen gab, als Wohnhaus. Beide verbindet, dass sie nahe dem beziehungsweise im Naturschutzgebiet (NSG) Schleipe-Tal liegen. Mit

Mittlerweile ist es 17 Jahre her, dass der Kreistag dem rund fünf Kilometer langen und 14,1 Hektar großen Gebiet diesen Schutzstatus gegeben hat. Das NSG liegt zwischen der B54 und der A45. Am Unterlauf des namensgebenden Baches liegen die Ortschaften Schleipe, Bungenroft, Sprotterhammer und Grünenschlade. Neben zahlreichen Vögeln und Insekten schätzt auch Hermann Reyher das Gebiet. Als Landschaftswächter des Märkischen Kreises ist er regelmäßig dort unterwegs, schaut sich die Flora und Fauna an – und registriert auch kleine Veränderungen. „In den vergangenen Jahren konnten wir uns hier auch über ein Anwachsen der Schwarzstorch-Population freuen“, erzählt er. Wo genau die Störche ihre Horste haben, weiß der Landschaftswächter aber auch nicht. Die Vogelfachleute des Kreises sagen es nicht – und Reyher käme es nicht in den Sinn, in dem Gebiet durch eigenes Suchen mehr Unruhe zu verbreiten als unbedingt nötig.

Doch will man wissen, wo die Schwarzerlen stehen, die Sumpfdotterblumen wachsen und der Schlangenknöterich gedeiht, kann man sich auf Reyher verlassen. Er weiß auch, dass sich im Wasser die Larven der blauflügeliegen Prachtlibelle entwickeln und Brutvögel wie Wasseramsel und Eisvogel an dem Bachlauf leben.

Der Landschaftswächter Hermann Reyher hat das Naturschutzgebiet Schleipe-Tal im Blick, genauso wie die 24 anderen Gebiete in Kierspe.

Dass diese Pflanzen und Tiere heute im Schleipetal leben können, war vor Jahrzehnten nicht absehbar, denn die Hammerwerker nutzten nicht nur die Kraft des Wassers, um ihre Hämmer und Maschinen zu betreiben, sondern stellten aus dem sie umgebenden Wald Holzkohle her, um den Stahl zu glühen, damit er geschmiedet werden konnte.

Geht man heute das Tal hinauf, findet man neben den Hämmern kaum noch Relikte der vergangenen Zeit, dafür kann der aufmerksame Wanderer zahlreiche Naturteiche vom Weg aus sichten, die sich wie eine Perlenschnur durchs Tal bis zum Quellgebiet ziehen. Irgendwann betritt man auf dem Weg dann zwangsläufig Meinerzhagener Stadtgebiet.

Um die Natur im Naturschutzgebiet nachhaltig zu schützen, gibt es zahlreiche Verbote. So ist die die forstwirtschaftliche Nutzung von mehr als 0,3 Hektar Kahlhieb des Baumbestandes nicht erlaubt, verboten sind auch die Aufforstung mit Nadelgehölzen und die Bodenkalkung. Natürlich dürfen auch die Teiche nicht zur Freizeitgestaltung oder zum Angeln genutzt werden. Letzteres gestaltet sich auch nicht so leicht, da dort keine Fische ausgesetzt werden dürfen.

Zahlreiche natürliche Teiche finden im Schleipe-Tal. Eine Nutzung der Gewässer ist verboten.

Auch Jäger haben es in dem schmalen Schleipetal nicht leicht, ist ihnen die Wildfütterung doch verwehrt und dürfen geschlossene Hochsitze nicht installiert werden. Eingeschränkt sind auch die Landwirte, von denen es noch einen im Tal gibt. Gerade einmal zwei Kühe – in der Amtssprache Großvieheinheiten – dürfen auf einem Hektar Grünland weiden. 

Über die Einhaltung all dieser Gebote wacht Landschaftswächter Hermann Reyher. Er kontrolliert aber auch, ob Bauwerke ungenehmigt errichtet werden, meldet Müllablagerungen und Schadstoffeinbringungen an die Landschaftsschutzbehörden und steht Menschen, die er in dem Gebiet trifft, Rede und Antwort.

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