Schadensminimierung bei Bränden immer wichtiger

Georg Würth konnte am Freitag im Rahmen der Interschutz in Leipzig einen mit 3000 Euro dotierten Preis der Sachversicherer entgegennehmen.

KIERSPE ▪ Ausgezeichnet mit einem Preis bei einem Wettbewerb der Sachversicherer wurde am Freitag beim Deutschen Feuerwehrtag im Rahmen der Messe Interschutz in Leipzig der Kiersper Stadtbrandmeister Georg Würth. Seine Darstellung der verschiedenen Maßnahmen zur Schadensminimierung im Brandfall in Verbindung mit belegbaren Erfolgen hatten bei der Jury Beifall gefunden.

Unter anderem hatte er anhand der gutachterlichen Zahlen zu einem Brand im Januar 2009 am Lerchenweg nachprüfbar zeigen können, wie sich die Bemühungen der Feuerwehr auf diesem Gebiet auszahlen: So wäre die Schadenssumme sonst doppelt so hoch ausgefallen. Gerade in der Feuerwehr Kierspe wurden die Bemühungen in dieser Richtung im vergangenen Jahr intensiviert.

Würth musste seine Ausarbeitung bis zum 1. Mai einreichen und bekam dafür gestern den zweiten Platz in Form des „IF-Star“. Dabei handelt es sich um ein sternförmiger Pokal aus massiver Bronze. Ausgezeichnet wird damit innovatives Feuerwehrmanagement. So geht es neben allem modernen Gerät, das heute in den Feuerwehralltag einzogen ist, auch um alternative Löschtechniken und Maßnahmen zur Schadensminimierung. Der Preis ist dotiert mit einem Geldbetrag in Höhe von 3000 Euro. Für Würth steht fest, dass er das Geld für die Feuerwehr verwenden will. „Ich investiere es entweder in eine weitere Wärmebildkamera oder aber im Bereich der Ausbildung“, sagte er gestern spontan.

Mit ganz verschiedenen Maßnahmen versucht die Feuerwehr Kierspe Brandeinsätze auch im Hinblick auf die Schadensminimierung zu gestalten: So werden, wo es geht, Rauchverschlüsse eingesetzt. Damit wurde bereits 2007 begonnen, denn damals nahm Georg Würth mit seiner Wehr an einer zweijährigen Erprobungsphase teil. Heute finden sich Rauchverschlüsse in jedem Löschfahrzeug, womit die Kiersper Feuerwehr Vorbildcharakter hat.

Mit dem Überdrucklüfter kann einerseits der Qualm aus dem Gebäude geblasen werden, andererseits jedoch auch ein Überdruck erzeugt werden, so dass dieser sich nicht auch auf anderer Bereiche wie Flure und Zimmer ausdehnt.

„Das Hohlstrahlrohr reduziert außerdem die zum Löschen notwendige Wassermenge, weil dadurch kleine Tröpfchen mit einer größeren Oberfläche gebildet werden, was die Löschleistung erhöht“, macht der Kiersper Wehrleiter aufmerksam. Gezielter kann zudem aufgrund des Einsatzes der Wärmebildkamera vorgegangen werden, weil versteckte Brandnester genau zu lokalisieren sind.

Als ganz wichtig stellt Würth die Ausbildung der Feuerwehrkräfte dar, die für das Ziel der Schadensminimierung sensibilisiert werden und die verschiedenen Möglichkeiten kennenlernen müssten. Erforderlich sei eine ganz andere Einsatztaktik, die sich in den Köpfen langsam festigen müsse, betont der Stadtbrandmeister. So werden heute zusätzlich zur „alten Lehre“, dass der baulich vorgesehene Zugang, also durch Haustür, Flur und Wohnungstür, auch immer der vorzuziehende Angriffsweg ist, je nach Situation auch Alternativen in Erwägung gezogen. Der Löschangriff durch ein eingeschlagenes Fenster kann beispielsweise sinnvoll sein, um vielleicht den Rest des Hauses zu schützen.

In jedem Fall lassen sich Rauch-, Wasser- und Feuerschäden heute vielfach deutlich reduzieren. Wie hoch der Sachschaden ausfallen kann, wenn dies nicht berücksichtigt wird, zeigte im Dezember 2007 ein Kellerbrand in Bollwerk. Damals waren diese neuen Überlegungen noch nicht so weit, geschweige denn, dass sie bereits umgesetzt waren. Aus dem Grund breitete sich der Rauch bis ins Obergeschoss aus, Menschen waren in ihren Wohnungen eingesperrt und der Schaden war immens. „Das hätten wir mit heutiger Ausbildung, Taktik und Gerät verhindert“, ist Würth überzeugt. ▪ Rolf Haase

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