Geht es dem Borkenkäfer gut, geht es den Fichten schlecht

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In diesem Jahr wird Förster Uwe Treff viele Bäume für die Fällung kennzeichnen müssen. Der Waldfachmann rechnet mit mehr als 2000 Festmetern Käferholz auf Kiersper Stadtgebiet.

Kierspe - Die Temperaturen sind gesunken – und die ersten Niederschläge gab es auch schon. Doch das wird den Fichten nicht mehr viel helfen. Sie wurden in diesem Jahr derart von Borkenkäfern heimgesucht, dass der Schaden in Kierspe höher ausfallen dürfte als durch den Sturm Friederike im Januar.

„Geht es dem Borkenkäfer gut, geht es den Fichten schlecht“, sagt Förster Uwe Treff. Tagtäglich kann der Kiersper Förster sehen, wie die kleinen Käfer den mächtigen Bäumen in diesem Jahr zusetzen. In „normalen“ Jahren vermehre sich der Käfer zweimal, oft nur einmal, in diesem Jahr sei bereits die dritte Brut unterwegs, berichtet Treff im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung. Besonders deutlich fällt der Vergleich zum vergangenen Jahr aus, in dem die Schäden durch den Käfer in der Region nur minimal gewesen seien, wie es der Kiersper ausdrückt.

Fichten sind chancenlos

Das Problem sei gewesen, dass die Fichten aufgrund der Trockenheit kein Harz hätten bilden können, mit dem sie sich vor allem gegen die ersten Anflüge zur Wehr setzen könnten. „Jede Fichte ist fängisch für den Borkenkäfer und hat keine Chance auf eine Abwehr. Damit ist jeder Anflug auch ein Erfolg für den Käfer“, beschreibt Treff die Situation.

Würden in „normalen“ Jahren vor allem die alten Fichten Schaden nehmen, seien in diesem Jahr alle Bäume dieser Art betroffen – und das nicht nur am Waldrand, sondern auch im Waldinneren. Doch es gebe auch noch Unterschiede in der Intensität. So seien vor allem Hanglagen, die nach Süden und Südosten ausgerichtet wären, und Fichten auf Kuppen (Plateau-Lagen) besonders stark betroffen.

Preise werden weiter sinken

Generell ist das Jahr für den Wald schlechter ausgefallen, als noch im Frühjahr gehofft. Zwar hatte der Sturm Friederike im Januar nahezu 2000 Festmeter Holz auf Kiersper Gebiet umgeworfen, dafür hatte das feuchtwarme Klima im Frühjahr wie ein Treibhaus für den Wald gewirkt.

In Folge des Sturms hatten die beiden Revierförster den Frischholzeinschlag gestoppt, um das Sturmholz zu noch recht guten Preisen abzusetzen. Allein aus diesem Grund ist die Borkenkäferplage schlecht. Denn gerade erst ist die Aufarbeitung des Sturmholzes abgeschlossen und nun hätten die Waldbesitzer eigentlich wieder mit steigenden Preisen rechnen können.

Zahlreiche Fichten sind in diesem Jahr von dem Borkenkäfer geschädigt worden.

Doch nun werden wohl noch einmal mehr als 2000 Festmeter Käferholz geschlagen werden müssen. Das wirkt sich mit Sicherheit auf die Preise aus. Wie stark, kann derzeit niemand sagen. „Das Sturmholz sind wir zum größten Teil noch für knapp unter 90 Euro pro Festmeter losgeworden. Bei dem Käferholz werden die Preise wohl unter 80 Euro gehen“, vermutet der Kiersper Förster.

Doch letztlich stehe der Preis noch nicht fest. Derzeit sammle man aus allen Revieren die Daten über die betroffenen Mengen. Diese Daten seien dann die Grundlage für die Verhandlungen mit den Abnehmern. „Das einzig Positive ist, dass der Schnittholzabsatz so gut ist wie noch nie“, erklärt Treff.

Mit Spannung schaut der Förster auf den kommenden Winter und das kommende Jahr. „Wenn wir im kommenden Winter mit dem Wetter Pech haben und im kommenden Jahr wieder viel Trockenheit haben, dann werden wir sicher große Fichtenbestände an den problematischen Hang- und Plateau-Lagen verlieren.“ Deshalb wünscht sich Treff einen nassen und kalten Winter. „Das Wetter, das wir nicht mögen, mag der Käfer auch nicht“, verdeutlicht er seinen Wunsch.

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