Sauerländer Wald im Wandel

Baumsterben in NRW
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Waldidylle sieht anders aus: Der Klimawandel und seine Folgen haben den heimischen Wäldern seit 2018 stark zugesetzt.

Klimawandel, Borkenkäfer - die heimischen Wälder sind im Moment hellbraun statt grün.

Kierspe – Am Anfang war die Fichte. Die in den heimischen Wäldern am häufigsten vorkommende Baumart prägt deren Bild seit etlichen Jahrzehnten nachhaltig. Und weil es in nahezu jedem Haus verbaut ist, war ihr Holz entsprechend gefragt und für die Waldwirtschaft ein einträgliches Geschäft. All das ist nun Geschichte: Der Klimawandel und seine Folgen machen der Fichte den Garaus. Der Sauerländer Wald ist im Wandel.

„Einige nicht nennenswerte Bestände“ in von Bewässerung und Wind begünstigten Lagen – mehr wird in zehn Jahren von der Fichte nicht mehr vorhanden sein, lautet die Prognose von Förster Uwe Treff. Die Erklärung ist simpel: Der aus den immer heißeren und trockeneren Sommern resultierende Wassermangel schwächt die Fichten, und gleichzeitig begünstigen diese Faktoren die Borkenkäferpopulation enorm. Weil die Bäume kaum noch schützendes Harz bilden können, hat der Forstschädling leichtes Spiel: Er nistet sich unter der Rinde ein und frisst sich durch die Fichte, deren Absterben nicht mehr aufzuhalten ist.

Das Ende der einst immergrünen Nadelbäume ist freilich nicht das Ende des Waldes, auch wenn das die Szenerie beherrschende Hellbraun absterbender Fichten das momentan suggerieren mag. „Zurzeit kahle Flächen werden in zehn Jahren bis Stubenhöhe bewaldet sein“, prophezeit Uwe Treff zum einen dort „grüne Wüsten“, wo der Natur ihr Lauf gelassen wird. Dort siedeln dann Pionierbaumarten – Baumarten, die ohne menschliches Zutun auf Freiflächen Würzeln schlagen.

Sauerländer Wald im Wandel

Zum anderen ist da das im November 2020 veröffentlichte Wiederbewaldungskonzept NRW, das Waldbesitzern Empfehlungen zur Neubegrünung gibt. Die zentrale Botschaft ist wenig überraschend und lautet: Mischwald statt Monokulturen. Denn nichts anderes sind die umfangreichen Bestände an Fichten, auf die in der Vergangenheit bei Neuanpflanzungen stark gesetzt wurde. Der Wirtschaftlichkeit wegen – und ungeachtet der mit solchen Monokulturen verbundenen Risiken für das Ökosystem Wald, die jedem bekannt sein dürften, der im Sachkundeunterricht der 80er-Jahre nur ein wenig hingehört hat. Für die Wiederbewaldung empfiehlt das in Form einer 120-seitigen Broschüre vorliegende Konzept die Kombination von mindestens vier standortgerechten Baumarten. Geeignete Laubbäume sind beispielsweise Eiche, Buche, Birke oder Ahorn, empfohlene Nadelbäume Lärche, Kiefer oder Tanne.

Klar ist aber auch: Angesichts der massiven aktuellen Schäden ist der Weg zur Wiederbewaldung kein Sprint, sondern ein Marathon. So müssen zunächst einmal alle Fichtenaltbestände entfernt werden. Erste Wiederanpflanzungen können zwar auch schon parallel dazu stattfinden. „Aber“, schränkt Uwe Treff ein, „das entsprechende Pflanzgut muss auch in ausreichender Form verfügbar sein.“ Zumal im Sauerland eben nicht alles wächst: So ist ein Mittelgebirge nun mal kein adäquater Standort für eine Flachlandeiche. Ein anderer Aspekt ist der Kostenfaktor; oft ist die Nachfrage größer als das Angebot, was sich natürlich auf die Preisstruktur auswirkt. Positiv: Hier gibt es Zuschüsse von Land und Bund.

Bleibt noch die Frage, was denn der Borkenkäfer in zehn Jahren machen wird. Nun: In heimischen Breiten praktisch nichts mehr. „Der Borkenkäfer ist auf die Fichte angewiesen“, erklärt Förster Treff – ergo wird mit der Fichte auch der Schädling größtenteils von der Bildfläche verschwinden. Denn andere Bäume wie Lärchen oder Douglasien befällt der Käfer nur sehr selten. „Im ganzen Revier Kierspe sind mir vielleicht fünf Douglasien bekannt, in denen sich der Borkenkäfer eingenistet hat“, berichtet Uwe Treff.

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