Motivation ist der tägliche Umgang mit Menschen

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Vor dem Spritzen von Insulin muss natürlich erst der Blutzuckergehalt gemessen werden.

Kierspe - Der Umgang mit Menschen, für sie da zu sein und ihnen helfen zu können, war und ist für Sara Büddefeld (34 Jahre) und Svenja Huveneers (29 Jahre) die Motivation, als Pflegefachkraft tätig zu sein.

Sie arbeiten seit sieben beziehungsweise zwölf Jahren im Bereich der Pflege und sind derzeit für Lilias Pflegedienst in Kierspe unterwegs. Denn beide sind der Überzeugung, dass den pflegebedürftigen Menschen soweit wie möglich die Selbstständigkeit erhalten und sie in ihrem Haus, ihrer vertrauten Umgebung bleiben sollten.

Zuhause alt werden dürfen

„Sie sollen die Möglichkeit haben, Zuhause alt werden zu dürfen!“ Einen zweifellos großen Beitrag leisten dazu mobile Pflegedienste, deren zumeist Mitarbeiterinnen die Kunden – wie die Pflegebedürftigen bezeichnet werden – in ihrer Wohnung besuchen, ihnen beim Waschen und Ankleiden helfen, Verbände wechseln, Medikamente reichen, Insulin spritzen und vieles mehr.

Svenja Huveneers demonstriert eine ihre häufigsten Aufgaben: das Messen des Blutdrucks.

Dafür stehen im Durchschnitt 10 bis 15 Minuten zur Verfügung, doch das Svenja Huveneers und Sara Büddefeld dies nicht einhalten können, versteht sich von selbst. Manchmal geht es schneller, manchmal dauert es aber auch länger, weil die Kunden das Bedürfnis haben, etwas zu erzählen. Ebenso, weil sie oder ihre Verwandten eine fachliche Beratung benötigen. Letzteres gehört ebenfalls zu den Aufgaben der Pflegefachkräfte, die dazu auch in Kontakt zu den Ärzten, Apothekern und Sanitätshäusern stehen.

„Nicht jeder Tag ist gleich“

„Wir planen die Tour so, dass man Zeit für die Kunden hat“, sieht die 29-Jährige eine Notwendigkeit darin und fügt hinzu, dass fachliche Beratungen separat erfolgen. Der normale Arbeitstag beginnt morgens um 6.20 Uhr in der Geschäftsstelle des Pflegedienstes, wo dann Medikamente und auch die Haustürschlüssel der Kunden eingepackt werden.

„Aber nicht jeder Tag ist gleich, auch wenn wir die gleiche Tour fahren“, betonen Büddefeld und Huveneers. Das war einer Gründe, warum sich Svenja Huveneers für diesen Beruf entschieden. Den hat sie als 17-Jährige bei einem Praktikum kennengelernt. Für Sara Büddefeld war die Schwester – die als Krankenschwester tätig – das Vorbild, Pflegefachkraft zu werden.

Für die 34-Jährige kommt hinzu, dass es „ein wertvoller Prozess ist, jemanden zu begleiten, der geht“. Der Abschluss sei dann die Beerdigung. Auch versuche man, die Angehörigen bei ihren Aufgaben zu entlasten. Und mit ihnen zu trauern. Beide Frauen halten dies für ganz normal, „aber angemessen“. Schließlich haben sie teilweise jahrelang einen Menschen begleitet, vielleicht auch einen Hospizdienst hinzugerufen und mit dem Menschen schöne, lustige und auch traurige Momente erlebt.

Schöne, aber auch traurige Momente

So bleibt bei den Pflegerinnen zweifellos immer in Erinnerung, dass eine Frau kurz vor ihrem Tod noch einmal gewaschen, auch die Haare, werden wollte – und danach nicht mehr. Es sei schön, wenn man spürt, für einen Menschen da zu sein. Was bedeutet, auch Situationen und Gemütszustand des Kunden zu erkennen und darauf zu reagieren.

„Wenn jemand schlecht drauf ist und nicht gewaschen werden will, dann verzichten wir mal darauf!“ Es bedeutet aber ebenso, so manches Mal als Zuhörer da zu sein oder eher skurrile Situationen zu erleben. Svenja Huveneers erinnert sich an eine Kundin, die davon fest überzeugt war, dass ein Einreiben mit Alkohol die Durchblutung fördert – also hatte sie sich mit Korn eingerieben. Für fröhliche Gesichter bei Sara Büddefeld und Svenja Huveneers sorgte ein Kunde, der ihrem Chef den Spitznamen „Höwi“ verpasste.

Für Seelenhygiene Distanz wahren

Da es immer wieder was Neues gibt, müsse man einen Blick für die Situation haben, wissen, dass es beispielsweise Morgenmuffel gibt, entsprechende Strategien entwickeln, insbesondere für die Kommunikation. „Denn manchmal wird wirklich alles besprochen“, kennen Huveneers und Büddefeld ihre Kunden, schließlich sind sie nicht selten für sie Bezugspersonen.

Gleichzeitig sind die beiden Pflegefachkräfte aber auch gefordert, aus Selbstschutzgründen und für die eigene Seelenhygiene eine gewisse Distanz zu wahren – damit die Belastung, zum Beispiel durch Trauer, nicht zu groß wird. Umso schöner finden es Sara Büddefeld und Svenja Huveneers, kranke und dadurch pflegebedürftige Menschen bei der Genesung zu begleiten und letztlich Fortschritte in der Entwicklung zu sehen.

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