Nach zwei Jahren Sperrung ist die Brücke im Ortsteil In der Grüne bald wieder frei

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Die Widerlager, die die Fahrbahn der Brücke tragen, waren durch den jahrelangen Kontakt zum Wasser marode geworden. Sie wurden saniert und ausgebaut.

KIERSPE - „Was lange währt wird endlich gut“, sagt Rainer Grollpfeifer mit einem Nicken. Er und seine Frau Hannelore wohnen in einem der beiden Häuser in der Ortslage In der Grüne, die jenseits der Volme stehen. Zwei Jahre lang war die einzige Brücke, die hinüber führte für Autos gesperrt – nun sind die Sanierungsarbeiten in den letzten Zügen.

Von Laila Weiland

August 2011: Die hundert Jahre alte Stahl- und Beton-Konstruktion über die Volme wird für nicht mehr tragfähig erklärt und gesperrt – ab sofort können die beiden Familien, die auf der anderen Seite des Flusses wohnen, ihre Häuser nur noch zu Fuß erreichen. Ihre Autos müssen sie an der Hauptstraße parken. Fest steht zu diesem Zeitpunkt, dass die Brücke saniert werden muss, jedoch nicht, wer dafür aufkommen muss. Denn ursprünglich befand sich die Brücke im Besitz zweier Familien. Durch eine ausgeschlagene Erbschaft wurde das Land und in dessen Vertretung der Kreis Besitzer von 50 Prozent des Bauwerkes. Die andere Hälfte gehört zum Eigentum eines Unternehmens, das aber bereits vor Jahren insolvent gegangen ist.

Für die Bewohner der beiden Häuser drohte der vorübergehende Auszug, bis zur Sanierung und Freigabe der Brücke – so weit wollten sie es jedoch nicht kommen lassen. Sie wandten sich an den Petitionsausschuss des Landes, unter dessen Regie im Herbst vergangenen Jahres ein Ortstermin vereinbart wurde, an dem sowohl die Anwohner, als auch Vertreter des Ausschusses, des Märkischen Kreises und der Bezirksregierung teilnahmen. Infolge dessen sagte die Bezirksregierung zu, die Kosten für die Sanierung vorerst zu übernehmen. „Obwohl nach wie vor unklar ist, ob wir rechtlich dazu verpflichtet sind, haben wir zugesagt, in Vorlage zu gehen“, erklärt Christian Chmel-Menges, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg. „Die Angelegenheit hätte auch juristisch geklärt werden können, aber wir haben im Sinne der dort wohnenden Familien zugesagt, damit die Brücke so schnell wie möglich saniert werden kann.“

Der Baubeginn sei eigentlich bereits für das Frühjahr diesen Jahres geplant, habe sich aber aus verschiedenen Gründen immer wieder verzögert. Im August war es dann so weit: Mitarbeiter der Mendener Firma Krutmann nahmen die Sanierung in Angriff. „Unter der Holzbelagbrücke war noch eine Stahlkonstruktion mit Betonfahrbahn, die bereits vor hundert Jahren gebaut wurde“, erklärt Stefan Ebel, der die Baustelle leitet. „Das Wasser hat im Laufe der Jahre die Brückenwiderlager, also die Pfeiler am Anfang und Ende, unterspült und den Beton abgetragen – dadurch bestand Einsturzgefahr.“ Vor 16 Jahren wurde ein Teil der Brücke bereits saniert und der Überbau aus Holz gebaut. Die Fachmänner rissen nun die alte Stahl- und Beton-Konstruktion ab und sanierten die maroden Brückenwiderlager. Auch eine neue Betonvorsatzschale, die Ummantelung der Stützen, wurde erstellt, um die Tragfähigkeit wieder herzustellen. „Außerdem haben wir eine Ausschachtung im Flussbett vorgenommen und die Schale mit Wasserbausteinen zusätzlich gegen den Abrieb durch das Wasser geschützt“, erklärt er weiter. „Die Schale reicht nun auch tiefer in die Erde, bis 80 Zentimeter unter das Flussbett, um Unterspülungen zu vermeiden.“ Mit der Anbringung der Geländer werden die Arbeiten in der kommenden Woche dann abgeschlossen.

Rainer und Hannelore Grollpfeifer sind froh, dass der Spuk nun bald ein Ende hat. „Ich habe über die Zeit mehr graue Haare bekommen, als ich eh schon hatte“, sagt Rainer Grollpfeifer und lacht. Besonders belastend sei aber die Ungewissheit darüber gewesen, wer denn nun für Sanierung aufkommen müsse. „Als sich herausgestellt hat, dass wir nicht zahlen müssen, waren wir schon erleichtert“, sagt seine Frau, die bereits seit 63 Jahren in dem Haus wohnt. Von da an hätten sie die Situation einfach so hingenommen. „Die Sperrung hat schon einige Probleme bereitet“, wissen die beiden. „Die Lebensmittel mussten bis zum Haus getragen werden und wenn wir Besuch bekommen haben, mussten die Autos unten an der Hauptstraße geparkt werden.“ Als am 14. August die Arbeiter anrückten, taten die Grollpfeifers ihr Bestes, um sie zu unterstützen: Jeden Morgen wurden die Männer mit Kaffee versorgt und zum Mittag gab es zwischendurch auch mal Bockwürstchen oder Gegrilltes. „Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden“, weiß Stefan Ebel das Engagement zu schätzen.

Ihren Nachbarn, einer fünfköpfigen Familie, bereitete die Sperrung der Brücke jedoch so große Unannehmlichkeiten, dass sie sich schließlich sogar an einen Fernsehsender wandten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Nach zweijähriger Sperrung ist aber nun ein Ende in Sicht. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, wird der Kreis die Brücke offiziell wieder frei geben – und die beiden Häuser jenseits der Volme sind wieder frei zugänglich.

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