Schnelle Kanalsanierung durch neues Verfahren in Kierspe

Da ist Kraft gefordert, um das relativ starre Rohr in den engen Schacht zu zwängen. - Foto: Becker

KIERSPE - Nur durch regelmäßige Kontrollen des Kanalnetzes kann verhindert werden, dass Schadstoffe über einen langen Zeitraum ungehindert im Erdreich versickern. Natürlich muss auf diese Kontrollen dann auch eine Sanierung erfolgen. Diese findet derzeit im Wasserschutzgebiet statt. Dabei setzt die Stadt ein neues Verfahren ein.

Alle 15 Jahre kontrolliert die Stadt Kierspe ihr Kanalnetz. Durch Wurzeleinwuchs, Erdverschiebung nach Bauarbeiten und starke Belastung treten immer wieder Schäden an den Betonrohren auf. Handelt es sich um einen einzelnen Schaden, muss entschieden werden, ob ein Bagger zum Einsatz kommt und die schadhafte Stelle ausgetauscht wird oder ob mit einem Roboter im Kanalrohr gearbeitet werden kann. Doch sind gleich mehrere Stellen auf einem Teilstück betroffen, dann kommen andere Sanierungsverfahren zum Einsatz.

Häufig wird ein sogenannter Inliner gelegt. Dabei handelt es sich um einen Schlauch, der in den Kanal gelegt wird, dort wird er aufgepumpt und mit UV-Licht bestrahlt. Dadurch härtet der Kunststoff aus und übernimmt die Funktion des Kanals. Ein Roboter schneidet dann später von innen Löcher in die Kunststoffwand, um das Abwasser aus den Hausanschlüssen aufzunehmen.

Wenn dieses Verfahren auch deutlich preiswerter ist als einen neuen Beton-Kanal zu verlegen, so dauert es doch relativ lange. Deshalb wird nun erstmals in Kierspe ein Verfahren verwendet, mit dem lange Strecken in kurzer Zeit saniert werden können. Flexorenrohr nennt der Hersteller das massive Kunststoffrohr, das aufgrund seiner Beschaffenheit ausgesprochen robust ist und direkt in den Kanal gelegt werden kann.

Angeliefert wird das Rohr in zehn Meter langen Stücken, die dann mit einem speziellen Verfahren auf die geforderte Länge zusammengeschweißt werden. Allerdings ist viel Kraft erforderlich das nur bedingt biegsame Rohr über einen sogenannten Revisionsschacht in den Kanal zu zwingen.

Im Bereich Isenburg wurde diese Methode angewandt. Ingesamt wurden dort von der Siegener Firma BFT rund 550 Meter Kanal mit der neuen Methode saniert – natürlich in Teilstücken. Rund 60 Meter am Stück kommen dabei aber schnell zusammen. Mit einer Winde wird das Rohr vom „Zielort“ aus gezogen. Und an dem Schacht, an dem das Rohr eingefädelt wird, helfen drei Mitarbeiter und eine weitere Winde nach, damit das widerspenstige Rohr in dem kreisrunden Loch mitten auf einer Wiese verschwindet.

Die Verwendung von Flexoren bietet sich in diesem Gebiet geradezu an, da es dort kaum Hausanschlüsse gibt, die angeschlossen werden müssen. Denn das gestaltet sich mit dem harten und widerstandsfähigen Material schwierig. „Dazu müssen wir den Bereich, in dem ein Anschluss erfolgen soll, freilegen“, erklärt Klaus Beverung, der für die Firma Rainer Kiel Kanalsanierung arbeitet. Das Unternehmen aus Blomberg hat von der Stadt Kierspe den Auftrag bekommen, ingesamt rund 3,5 Kilometer Kanal zu sanieren und für die Arbeit mit Flexoren das Siegener Unternehmen beauftragt hat.

Von den 3,5 Kilometern müssen allerdings 2,5 Kilometer nur partiell saniert werden. „Bei den verbleibenden 500 Metern wird ein Inliner eingezogen, weil wir dort etliche Hausanschlüsse haben“, so Andrea Thelen vom Sachgebiet Tiefbau der Stadt Kierspe.

Begonnen wurde mit den Arbeiten nach dem Ausschreibungsverfahren im Juli. Dann wurden alle in Frage kommenden Abschnitte nochmals mit einer Kamera abgefahren, um festzustellen, ob sich seit der letzten Inspektion, die der Ausschreibung zugrunde lag, etwas am zustand des Kanals verändert hat. Danach wurde mit den Arbeiten im Wasserschutzgebiet begonnen. Beverung: „Aller Voraussicht nach, können wir die Arbeiten nächste Woche abschließen.“ - Johannes Becker

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