Kirchturm ist nun eine Zimmermannswerkstatt

Udo Billhardt (rechts) und Carsten Möller schauen sich die Stelle an, an der ein Aufgang zum Kontrollgang über der Tonnendecke gebaut werden soll.

KIERSPE - Mit Sägen, Stecheisen und Hämmern geht es in diesen Tagen den alten Holzbalken im Zwiebelturm der Margaretehenkirche an die Substanz. Fäulnis hatte den Balken bedenklich zugesetzt und eine Reparatur unaufschiebbar gemacht – auch wenn die Gemeinde längst noch nicht über die Mittel verfügt, um die Kosten für die Sanierung bezahlen zu können.

Von Johannes Becker

Seit einigen Tagen erklingen ganz oben im Kirchturm der Margarethenkirche nicht nur die mächtigen Glocken. Auch das Geräusch von Kreissägen und das Schlagen der Hämmer ist von dort zu hören.

Es ist schon ein mühsamer Weg, den Uwe Biederbeck jeden Tag mit seinen beiden Mitarbeitern zurücklegen muss, um mit der eigentlichen Arbeit beginnen zu können. Von der Empore der Kirche geht es über zwei alte Stiegen auf die Ebene, auf der sich die Glocken befinden. Von dort geht es über Leitern weiter hinauf zu dem letzten Boden im Turm. Dort, inmitten des Gewirrs schwerer Eichenbalken, haben sich die Handwerker eine provisorische Werkstatt eingerichtet, um die Eichenbalken sanieren zu können.

Doch das hört sich einfacher an, als es ist. 200 Jahre haben die massiven Hölzer das Gewicht des Turmes getragen und dem Sturm widerstanden. Wahrscheinlich aus Feuerschutzgründen war auf der obersten Decke, dort wo die Balken mit einer Holzkonstruktion am Mauerwerk verbunden sind, eine dicke Lehmschicht aufgetragen. Diese muss immer wieder nass geworden sein. Und in dieser feuchten Masse haben die Balken unbemerkt begonnen zu faulen.

Der Lehm ist mittlerweile von einem Kiersper Unternehmen abtransportiert worden, um die Holzarbeiten ausführen zu können.

„Wir haben für diese Arbeiten natürlich auch bei Kiersper Unternehmen angefragt. Doch nach Ansicht des Statikers Gerhard Langfeld aus Herdecke sollte unbedingt ein Unternehmen gewählt werden, das sich mit solchen Arbeiten auskennt“, erklärt der frühere Baukirchmeister Udo Billhardt, der sich auch nach seinem Ausscheiden aus dem Presbyterium weiter um die Sanierung des Turmes kümmert.

Die Wahl fiel schließlich auf die Firma Biederbeck aus Hagen, die auch bereits ähnliche Arbeiten am Wasserschloss Werdringen ausgeführt hat.

Vereinfacht ausgedrückt, müssen die Handwerker nun jeden geschädigten Balken absägen, ein neues Stück Holz ansetzen und dieses mit der tragenden Konstruktion des Dachstuhls verbinden. Dazu muss der betroffene Balken zuvor aber mit einer speziellen Konstruktion angehoben werden, damit die Arbeiten nicht unter Last ausgeführt werden müssen.

Die Balkenstücke, die eingesetzt werden, dürfen in ihrem Alter nicht deutlich von dem der Balken abweichen, die in dem Turm verarbeitet wurden. Zum Teil fanden sich solche Balken im Turm, die vorausschauende Handwerker vor langer Zeit an dieser Stelle belassen hatten. Die restlichen Hölzer wurden über den Altbaustoffhandel besorgt.

Holz aus dem eigenen Kirchwald, das vor zwei Jahren geschlagen wurde und nach der Verarbeitung nun so trocken ist, dass es eingebaut werden kann, wird genutzt, um den Bodenbelag auf zwei Ebenen teilweise zu erneuern.

Mindestens ein Vierteljahr werden diese Arbeiten dauern – und rund 150 000 Euro kosten. Geld, das die Kirchengemeinde derzeit nicht hat und nun mit Spenden zusammenbringen muss. Billhardt: „Es ist vollkommen unklar, ob wir vom Land einen Zuschuss bekommen. Doch wir konnten mit den Arbeiten nicht mehr länger warten, sonst wäre die Stabilität des Turmes in Gefahr gewesen.“

Und weil das Gerüst an der Wand des Turmes schon mal steht, hat man auch gleich noch einen kleinen Auftrag an die Firma Perrot aus Calw vergeben. Das Unternehmen aus Bayern kümmert sich seit Jahren um die Turmuhr und soll nun auch das Zifferblatt wieder in einen „ordnungsgemäßen“ Zustand versetzen. Denn bereits seit einiger Zeit zeigt die Uhr zwei Mal Elf an, da bei der Zwölf eine Eins als römische Ziffer fehlt.

Zusätzlich wurden auch noch einige Scheinwerfer instandgesetzt, die den Turm in den Abendstunden und nachts in ein warmes Licht tauchen und dafür sorgen, dass das Wahrzeichen Kierspes auch in der Dunkelheit zu sehen ist.

„Weil der Turm ein Wahrzeichen dieser Stadt ist, hoffen wir auch auf Spenden von Kierspern, die nicht der Kirchengemeinde angehören“, so Billhardt, der auch noch auf eine zweite Baustelle hinweist, um die sich die Handwerker aus Hagen kümmern sollen.

Die Decke des Kirchenschiffes war ursprünglich als Tonnendecke und damit gewölbt ausgeführt worden. Oberhalb befand sich ein Kontrollgang, mit dem große Teile des Kirchendaches inspiziert werden konnten. Doch als die Decke vor Jahrzehnten abgehängt wurde, verschwand der Zugang zu dem Kontrollgang. „Wir haben erst dann von einer Undichtigkeit erfahren, wenn sich Flecken an der Decke im Inneren der Kirche zeigten“, so der frühere Baukirchmeister. Nun soll die Firma Biederbeck einen neuen Zugang bauen, damit Schäden am Dach früh erkannt werden können und die Reparaturkosten sich damit im Rahmen halten.

Kiersper, die die Sanierung des Turms unterstützen möchten, können dies mit einer Spende auf das Konto 7553 bei der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen (BLZ 45851665) tun. Bei der Volksbank lautet die Kontonummer 715055400 (BLZ 45861434). Bei Überweisungen an beide Banken sollte als Betreff „Spende Turmhaube MK“ eingetragen werden. Im Eingangsbereich der Kirche steht auch eine Sammeldose, die täglich geleert wird.

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