Demografie wichtiges Thema für die Zukunft

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Im Zuge des demografischen Wandels werden die Menschen auch in Kierspe weniger, älter und vielfältiger. Dem stellt sich die Stadt. So wurde nicht ohne Grund mit der Seniorenresidenz eine zweite Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtung angesiedelt. ▪

KIERSPE ▪ Der demografische Wandel beschäftigt zunehmend Land, Kreis und Kommunen, auch Kierspe. Um den gesellschaftlichen Veränderungen durch adäquate Maßnahmen zu begegnen, hatte die SPD-Fraktion bereits vor einem Jahr die Bildung eines Gremiums beantragt, das sich mit diesem Thema beschäftigt.

Ziel sollte nach der Analyse dann auch die Erarbeitung von Handlungskonzepten sein. Wie im Hauptausschuss vorgestellt wurde, plant die Verwaltung am 31. März eine Auftaktveranstaltung für einen Runden Tisch, der sich aus Akteuren aus den unterschiedlichsten Bereichen der Kommune zusammensetzen soll. Die Moderation wird ein Vertreter der Bertelsmann-Stiftung übernehmen, deren Demografiebericht dann auch eine Grundlage sein wird neben der neu erstellten Studie der Uni Siegen, die dann ebenfalls vorliegen soll.

Mit dem Hinweis darauf, dass die Menschen weniger, älter und vielfältiger werden und dieser Entwicklung Rechnung getragen muss, begrüßte Hermann Reyher (Grüne) die Initiative. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Marc Voswinkel freute sich, dass der Antrag der Sozialdemokraten jetzt umgesetzt wird. Er appellierte, da aber unbedingt zu berücksichtigen, dass die Bundestagsabgeordnete Petra Crone gerade auf diesem Gebiet ihren Schwerpunkt hat und dem entsprechenden parlamentarischen Ausschuss angehört. Die Rückkopplung mit Berlin sollte unbedingt genutzt werden. Sozialamtsleiterin Rita Kattwinkel merkte an, dass da der Kontakt schon bestehe und Kierspe in einem Arbeitskreis von Petra Crone mitarbeite.

Clemens Wieland (UWG) freute sich ebenfalls, dass das wichtige Thema mit der Veranstaltung jetzt angepackt werde, wollte aber trotzdem etwas zu den Kosten wissen. Worauf Rita Kattwinkel erläuterte, dass diese im Fall der Bertelsmannstiftung recht niedrig seien. Bei der Uni Siegen hätte das allerdings anders ausgesehen. Dagegen sei die Studie der Uni Siegen, an der Kierspe teilgenommen hat, kostenneutral gewesen.

Vorgelegt wurde in der Sitzung auch der Demografiebericht der Bertelsmann-Stiftung. In der Prognose geht diese davon aus, dass die Bevölkerung von 2009 bis 2030 in der Volmestadt um rund 16,9 Prozent abnehmen wird, so dass dann nur noch knapp 15 000 Menschen hier leben werden.

Dabei wird sich parallel die Altersstruktur genauso dramatisch verändern: Das Durchschnittsalter lag zum Erhebungszeitpunkt bei 41,9 Jahren, 2030 sollen es 46,4 Jahre sein. Der Anteil der unter 18-Jährigen lag bei 19,7 Prozent und soll dann 17,1 Prozent betragen. Umgekehrt steigt der Anteil der 65- bis 79-Jährigen von 13,9 auf 20,4 Prozent und der Anteil der über 80-Jährigen von 4,6 Prozent auf 7,7 Prozent.

Dabei macht die Studie deutlich, dass der Rückgang der Bevölkerung zu rund 75 Prozent aus Wanderungen resultiert, also Wegzügen aus Kierspe. Faktoren können unter anderem die Wohn-, Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten in der Kommune sein. Die Alterswanderung wird mit einem Rückgang von 7,6 Prozent angegeben, die Bildungswanderung sogar mit einem Rückgang von 27,4 Prozent und die Familienwanderung von 8,4 Prozent.

Untersucht wurde von der Bertelsmann-Stiftung auch die soziale Lage und Einkommenssituation als Indikator für die Situation in Kierspe: So liegt der Anteil der Einpersonenhaushalte bei 32,5 Prozent, der der Haushalte mit Kindern bei 38,8 Prozent und der der Ausländerhaushalte bei 9,7 Prozent. Die durchschnittliche Kaufkraft wurde mit 46 067,90 Euro ermittelt. Ein geringes Einkommen erzielen 11,2 Prozent der Haushalte, ein hohes 19,7 Prozent. Die Kinderarmut wird mit 15 Prozent ausgewiesen, wobei diese unter den Kindern ausländischer Herkunft mit 35,1 Prozent besonders hoch ist. Die Jugendarmut liegt bei 2,2 Prozent und die Altersarmut bei 2,2 Prozent. Die Hartz IV-Empfängerquote lag zum Erhebungszeitpunkt bei 9,5 Prozent.

Zum Thema Integration wird auf einen Bevölkerungsanteil von 1909 Ausländern (11,1 Prozent) hingewiesen sowie bei Kindern mit Migrationshintergrund in Tageseinrichtungen von 40,4 Prozent und bei ausländischen Schulabgängern ohne Abschluss von 11,1 Prozent. Unter den Hartz IV-Empfängern befinden sich 14,7 Prozent Ausländer.

Rolf Haase

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