Trinkwasser - die Kerspetalsperre füllt sich wieder

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Der Kontrollgang der Sperrmauer befindet sich nicht in der Mauer, sondern wurde bei der Sanierung in den 1990er-Jahren vor die Mauer und damit ins Wasser gebaut.

Kierspe - Das Weihnachtsgeschenk für Friederike Mürkens und ihre Mannschaft kam pünktlich am Heiligen Abend. Denn an diesem Tag hatte es angefangen zu regnen – und zwar so, dass es sich in der Folge auf die Füllhöhe der Kerspetalsperre auswirkte.

Auf rund acht Millionen Kubikmeter Wasser war der Inhalt der Kerspetalsperre Ende des vergangenen Jahres gefallen. Nicht der niedrigste Wert, den die Talsperre je erreicht hatte, aber aufgrund des ausbleibenden Regens im November und der monatelangen Trockenheit begann auch die erfahrene Betriebsleiterin der Kerspetalsperre Friederike Mürkens, sich Sorgen zu machen. „Normalerweise ist der November einer der ertragsreichsten Monate des Jahres. Doch im vergangenen Jahr kam da nichts“, erinnert sich Mürkens. Gleichzeitig mussten aber jeden Tag im Durchschnitt 30 000 Kubikmeter abgegeben werden.

So, wie Sportplätze und das Saarland immer herhalten müssen, um Flächen zu verdeutlichen, sind es Badewannen, die genommen werden, um Flüssigkeitsmengen zu beschreiben. Und so sind es rund 200 000 Badewannen, die jeden Tag mit dem Wasser, dass aus der Talsperre abgegeben wird, gefüllt werden könnten.

Die Wuppertaler, an die in erster Linie dieses Wasser geht, brauchen es aber nicht nur für Vollbäder, sondern für den täglichen Kaffee oder Tee, für Autowäschen, zum Zähneputzen, Kochen oder auch für die Toilettenspülung. 123 Liter Trinkwasser verbrauchte jeder Deutsche im Jahr 2017 im Durchschnitt und am Tag. Das sind dann zwar 27 Liter weniger als man für die Füllung der Durchschnittswanne braucht, aber ist immer noch eine groß Mengen, die wie selbstverständlich entnommen werden muss.

Doch im vergangenen Jahr war für die Region nichts selbstverständlich. Nach einem feuchten Frühjahr hatte es im Juni aufgehört zu regnen, von vereinzelten Niederschlägen abgesehen – und erst am Heiligen Abend wieder angefangen.

Insgesamt fasst die Sperre, die vor allem aus der namensgebenden Kerspe mit all ihren Nebenbächen gespeist wird, rund 15 Millionen Kubikmeter Wasser. Im Grunde also kein Grund zu Sorge, da es bei einem Inhalt von acht Millionen Kubikmeter noch ein weiter Weg von der Oberfläche bis zum Grund ist. Doch es geht den Betreibern nicht nur um die reine Menge, sondern vor allem um die Qualität des Wassers.

Ein Kriterium ist dabei die Temperatur. Je weniger Wasser in der Sperre ist, desto eher steigt diese. Auch kann dann nicht mehr an allen fünf Entnahmeebenen gezapft werden. Talsperrenmeister Andreas Rohde hat die Monitore im Blick und kann so genau sehen, in welcher Wasserschicht welche Temperatur herrscht. Dementsprechend kann er die Entnahme steuern und dem Wasserwerk im rund 30 Kilometer entfernten Herbringhausen das Wasser in einer entsprechenden Temperatur anbieten.

Talsperrenmeister Andreas Rohde hat die Sperre am Kontrollmonitor im Blick.


Letztlich legen die Wasserwerke Wert auf kühles Wasser, da sich darin weniger Bakterien befinden – und den Kunden freut es auch, wenn er den Hahn aufdreht und es gleich angenehm kühl über die Hände rinnt, vor allem natürlich in einem Sommer wie dem vergangenen. „Wäre der Pegel noch weiter gesunken, hätten wir irgendwann über den Grundablass entnehmen müssen, dann haben wir aber auch eine stärkere Trübung des Wassers durch Schwebstoffe, die im Wasserwerk wieder herausgefiltert werden müssen“, erzählt die Betriebsleiterin. Deshalb ist es ihr wichtig, dass die Sperre mindestens zu 25 Prozent gefüllt ist.

Während viele Talsperren so ausgelegt sind, dass sie als Überjahresspeicher dienen, also einen Stauinhalt haben, der für rund zwei Jahre reichen würde, wenn kein Wasser mehr zufließt, ist die Kerspetalsperre auf einen unterjährigen Verbrauch ausgelegt. Mürkens: „Wenn es regnet ,springt’ die Kerspe schnell an. Das liegt an dem ergiebigen Einzugsgebiet.“ So ist es ihr Betriebsziel, eine Talsperre zu betreiben, die möglichst immer voll ist. Und im April, Mai und Juni war das auch noch so. Doch dann gab es für den Pegel nur noch eine Richtung – nach unten.

Wahrscheinlich hätte auch der niedrige Wasserstand den Profis des Wupperverbandes keine großen Sorgen bereitet, da die niedrige Füllmenge an sich nichts Außergewöhnliches ist. Doch im vergangenen Jahr wurde Mürkens dann noch mitgeteilt, dass in diesem Jahr das Wasserwerk Benrath saniert wird – und deshalb deutlich mehr Wasser aus der Kerspe entnommen werden muss.

Da ist es gut, dass es im Januar viel geregnet hat und mittlerweile wieder mehr als zehn Millionen Kubikmeter Wasser aufgestaut sind. „Im Februar darf es ruhig noch regnen, das würde dem Füllstand guttun“, sagt die Betriebsleiterin, die auch Schnee nimmt, auch wenn dieser erst mit einiger Verzögerung im „Teich“, wie sie es nennt, landet. Die Auswirkungen des vergangenen Sommers haben die Mitarbeiter des Wupperverbandes aber auch überrascht. Rund 80 Prozent der Zuläufe der Kerspe waren ausgetrocknet – und auch der Kerspebach war nur noch ein Schatten seiner selbst. Dazu noch die Sonne, die über Monate von morgens bis abends auf die Oberfläche der Sperre schien. Normalerweise ideale Bedingungen, um das Algenwachstum zu fördern und damit die Qualität des Wassers zu senken. „Interessanterweise sind die Algen aber kaum gewachsen“, freut sich Mürkens.

Trotzdem plant sie derzeit eine Tiefenbelüftung. Dabei handelt es sich um eine Anlage, die in den tieferen Schichten gezielt Sauerstoff „ganz fein“ einbringt. Einfach nur Oberflächenluft ins Wasser blasen, würde zu einer Trübung und Verwirbelung des Wassers führen.

Für die mächtige Mauer war die Trockenheit übrigens kein Problem. Da ist eher zu viel Wasser ungünstig. So kann ein Überlaufen zu einer Schädigung der Fugen im Kronenbereich führen, vor allem dort, wo die alte Mauer und die neue Vormauer aus den 1990er-Jahren aneinanderstoßen. „Die Schäden sind nicht dramatisch, aber wir wollen das Überlaufen möglichst vermeiden. In den zehn Jahren, in denen ich jetzt hier arbeite, habe ich das auch nur zweimal erlebt“, erklärt die Betriebsleiterin.

Doch auch das Alter setzt dem Bauwerk zu. So wird in diesem oder im kommenden Jahr die sogenannte Luftseite saniert. Dann wird jede Fuge und jeder Stein auf ihren beziehungsweise seinen Halt kontrolliert.

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