Rund 65000 Fische drehen im Wehetal ihre Runden

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Mit dem Kescher werden die Forellen gefangen, um sie anschließend zu sortieren. ▪

KIERSPE ▪ Kein Landwirt mit einem Milchviehbetrieb und auch kein Schweinezüchter, geschweige denn der Betreiber eines Hühnerhofes halten in Kierspe die meisten Tiere, sondern eine Forellenzucht. Rund 65 000 Fische, verteilt auf 14 Teiche nennt Torsten Scheider sein Eigen.

Idyllisch gelegen im Wehetal reihen sich die Gewässer aneinander. Und während in den oberen Teichen noch kleine Forellen ihre Bahnen ziehen, wird es weiter unten schon deutlich enger. Bis zu 6000 Forellen finden sich in dem Gewässer, aus dem Scheider die Speisefische holt, die er seinen Kunden lebend, geschlachtet oder auch geräuchert anbietet.

Bereits als Jugendlicher stellte Scheider den Fischen nach. Damals aber noch als Angler im Verein seiner Heimatstadt Halver. „Ich war damals vom Angeln und den Fischen so begeistert, dass ich unbedingt einen Beruf ergreifen wollte, der damit zu tun hat“, erinnert sich Scheider an eine Entscheidung, die er Anfang der 1980er Jahre traf. Die Landesfischereianstalt in Kirchhundem im Kreis Olpe gab schließlich den richtigen Hinweis. Denn zu dieser Zeit gab es nur wenige Betriebe, die überhaupt noch zum Fischwirt ausbildeten. Einer von ihnen war die Forellenzucht im Wehetal in Kierspe.

Drei Jahre lang erlernte der Halveraner seinen Beruf, bevor er dann 1987 als Geselle übernommen wurde. Das änderte sich 1992, als der Chef von Scheider plötzlich starb und unklar war, wie es mit der Anlage weitergehen sollte.

Damals entschloss sich Scheider zum Kauf des Betriebes, den er seitdem führt.

Kontinuierlich hat er das Unternehmen in den folgenden Jahren modernisiert und auf die Wünsche seiner Kunden abgestimmt.

Nach wie vor sind es in erster Linie Regenbogenforellen, die der Unternehmer zum Kauf anbietet. Aber auch Goldfische und Kois hat der Unternehmer als Handelsware im Angebot, dann aber eher für den heimischen Teich und nicht für die Pfanne.

Das Hauptgeschäft findet in dem Betrieb vor Weihnachten und am Heiligen Abend statt. Gefolgt von den Tagen vor Karfreitag und Silvester. „Wir bieten unseren Kunden die Forellen küchenfertig an, das heißt geschlachtet, ausgenommen und gesäubert, aber auch geräuchert“, erklärt Scheider, der darauf hinweist, dass er die Tiere liegend über dem Rauch von Buchenspänen und Wachholder räuchere: „Dann bleibt der Fisch viel saftiger. Der Nachteil ist, dass die Forellen dann leichte Druckstellen bekommen. Das hat zwar weder qualitative noch geschmackliche Auswirkungen, aber manche Kunden mögen das nicht.“

Wer möchte, kann die Forellen bei dem Fischwirt auch lebend kaufen. Entweder als Besatz für den eigenen Teich oder auch zum Selberschlachten. Doch meist sind die Kunden froh, wenn ihnen das Töten der Tiere von Scheider abgenommen wird.

Angler finden übrigens keinen Zutritt zu dem Gelände. „Das ist zu gefährlich. Mit der Kleidung oder Ausrüstung könnten Krankheiten eingeschleppt werden“, so der Kiersper. Besonders fair wäre das sicher auch nicht, kommen die Fische doch sofort in Richtung Ufer geschwommen, wenn dort ein Mensch steht. Sie rechnen dann mit einer Fütterung. Dieses Verhalten macht es Scheider auch leichter, die Fische zum Sortieren mit dem Kescher zu fangen. Erst wenn die Ausbeute mit dieser Methode zu gering wird, kommt ein Netz zum Einsatz.

Regelmäßig muss Scheider die Tiere fangen und nach Größe geordnet in die einzelnen Becken verteilen. Auf diese Weise hat er dann auch in einem Becken alle Forellen versammelt, die als Speisefische mit einem Gewicht von 300 bis 350 Gramm verkauft werden.

Zu schätzen wissen diese Arbeit aber nicht nur Kunden aus Meinerzhagen und Kierspe. Auch aus Hagen, Dortmund und Radevormwald reisen Fischliebhaber an, um die frische Ware zu kaufen. Neben Privatkunden sind es vor allem Gaststätten und Partyservices, die zu der Anlage in der Schnörrenbach kommen, um dort frischen Fisch zu kaufen. Die Qualität der Fische wird regelmäßig von der Landesfischereianstalt getestet, deutlich öfter noch wird die Qualität des Wassers kontrolliert.

In diesem Jahr feiert die Forellenzucht im Wehetal ihren 45. Geburtstag. Aus diesem Grund veranstaltet Torsten Scheider am Samstag und Sonntag, 4. und 5. September, einen Tag der offenen Tür. Neben einem kulinarischen Angebot wird dann ein Casting-Angeln veranstaltet, eine Fischwurfmaschine kommt zum Einsatz und auf einem der Teiche drehen ferngesteuerte Boote ihre Runden. Außerdem gibt es attraktive Preise bei einem Gewinnspiel. ▪ Johannes Becker

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