Von der Ruine zurück zur imposanten Villa

+
David und Anita Mohn stehen im Treppenhaus der ehemaligen Sessinghaus-Villa. Die alte Treppe konnte erhalten werden.

Kierspe - Lange liebäugelten Anita und David Mohn mit dem Erwerb der ehemaligen Sessinghaus-Villa an der Dr.-Deisting-Straße. Es war allerdings nicht nur der äußerst marode Zustand der Immobilie, der die Entscheidung hinauszögerte.

Und so benötigte es erst einen glücklichen Zufall, bis die imposante Villa im Dorf in den Besitz des Ehepaares wechselte. Innerhalb eines Jahres entstand aus einer vom Abriss bedrohten Ruine wieder eine repräsentative Stadtvilla.

Mehrere Jahre stand die ehemalige Sessinghaus-Villa an der Dr.-Deisting-Straße schon leer und war dem langsamen Verfall schutzlos ausgeliefert. So richtig traute sich niemand ran an das herrschaftliche Haus, das sich an seinem Standpunkt in guter Nachbarschaft zu so manchen ehemaligen Unternehmervillen aus den Zeiten der Jahrhundertwende befindet. Die meisten von ihnen bekamen in den vergangenen Jahren ein neues Gesicht. Nur die damals „blaue Villa“ – unter diesem Namen ist sie bis heute den Kierspern bekannt – thronte unbeachtet auf dem Hügel mit dem unverbaubaren Blick auf das Dorf mit seiner Margarethenkirche.

„Wir dachten viele Jahre an Denkmalschutz, haben uns deshalb nicht näher mit dem Gedanken befasst und uns nicht getraut“, erinnert sich Anita Mohn. Ein Termin bei der Volksbank Kierspe, der die Vermarktung der Villa oblag, sollte das ändern. Mehr beiläufig kam David Mohn damals auf die Immobilie zu sprechen, erfuhr, dass das Haus nicht wie befürchtet unter Denkmalschutz steht. „Dann ging das eigentlich ziemlich schnell“, sagt Mohn. Nach kurzer Zeit war das Ehepaar neuer Besitzer der Villa im Dorf.

Allerdings hatten sie bis dato das Haus nie von innen gesehen – außer auf Fotos. Und die ließen schon nichts Gutes erahnen. Die Realität war aber nochmal um einiges schlimmer. „Der Bauzustand war extrem marode“, berichtet Anita Mohn. Das Wasser lief durch das undichte Dach in die Räume, es roch modrig, alles war feucht. „Das Haus war eine Ruine“.

Viele wären wahrscheinlich rückwärts wieder raus gegangen, hätten die Tür fest verschlossen und den Schlüssel wieder abgegeben. Nicht aber die Mohns. „Wir haben einfach ein Faible für alte Häuser. Und dieses Haus hatte es uns schon seit vielen Jahren angetan“, sind sich beide einig. „Wenn andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, beginnen in meinem Kopf die Planungen“, sagt Anita Mohn, die sich federführend mit der Sanierung der Villa befasst hatte. „Je kaputter ein Haus, desto größer ist meine Motivation, ich wusste sofort, was wir aus der Immobilie machen können und welches Potenzial in ihr steckt.“

Doch noch bevor die Sanierungsarbeiten in der Sessinghaus-Villa starten konnten, stand den Mohns ein neues Problem ins Haus: Der Zustand war so katastrophal, dass Sachverständige zunächst davon ausgingen, das Haus abreißen lassen zu müssen. Soweit kam es dann aber nicht, die Arbeiten konnten beginnen. „Wir haben das Haus komplett entkernt.“ Der längst nicht mehr angesagte Schick der Villa, der aus Blümchenfliesen und verzierten Waschbecken bestand, wurde entfernt und landete auf dem Schrott. Alle Wände wurden bis auf die Grundmauern abgetragen. Übrig blieben Ziegel und Querbalken.

Um das Gebäude auf einen heutigen Wohnstandard anzugleichen, musste zudem der Grundriss verändert werden. Aus vielen kleinen Zimmern wurden große, lichtdurchflutete, moderne Räume, die den Charme der einstigen Unternehmervilla dank einiger Holzbalken dennoch behielten.

„Wir haben Wert auf eine hochwertige Einrichtung gelegt“, erklärt Anita Mohn, während sie durch eines der neu gestalteten Badezimmer geht. Zwei Wohnungen sind nach der Sanierung entstanden. Jeweils im Erd- als auch im Obergeschoss steht zukünftigen Mietern eine Wohnfläche von 100 Quadratmetern zur Verfügung. Selbst einziehen möchten die Mohns nicht. Das sei von vornherein klar gewesen, sagt das Ehepaar, das lange Zeit in Kierspe lebte und vor einiger Zeit nach Marienheide zog. „Für uns ist die Sanierung der Villa eine Herzensangelegenheit, das Gebäude ein Liebhaberstück.“

Besonderes Schmuckstück des Hauses ist in den Augen der studierten Einrichtungsfachberaterin die alte Treppe, die als Relikt aus vergangenen Zeiten die beiden Stockwerke miteinander verbindet und erhalten werden konnte. Anita Mohn: „In mühsamer Arbeit wurde die Treppe abgeschliffen und in ihren Urzustand versetzt.“ Sie gilt heute als altes Verbindungsstück zwischen zwei modernen Etagen.

Nach mehr als einem Jahr aufwendiger Sanierungsarbeiten an und in der ehemaligen Sessinghaus-Villa steht nun einer Wiederbelebung der Villa nichts mehr im Wege. Was im Frühjahr noch folgt, ist die Gestaltung des Gartens. „Das meiste haben wir aber erstmal geschafft“, sagt Anita Mohn, die schon wieder Ausschau nach einer neuen „Herzensangelegenheit“ hält.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare