Kunst und Technik im Kiersper Raum

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Silvia Baukloh, Dr. Rücker und Velina van der Gaag (1. Vorsitzende).

Kierspe - Kunst und Technik im Kiersper Raum: Hier drängt sich vielfältige Kultur auf engstem Terrain, „Worpswede von Kierspe“ nennen bereits Kunstinteressierte diesen besonderen Raum. Und so wundert es nicht, dass dieses bemerkenswerte Konglomerat von Kunst und Arbeitswelt auf die Wunschliste der Ruhr-Mark-Autoren gelang.

Annette Gonserowski, Kiersper Autorin, hatte ein buntes Programm über die Sehenswürdigkeiten ihrer Heimatstadt ausgearbeitet und organisiert. Einstiegsprogrammpunkt war das Bakelitmuseum. Der „Stoff der tausend Dinge“ war es wert, in einem Museum präsentiert zu werden. Gab er doch viele Jahre in mehr als 36 Betrieben den Kierspern Arbeit und Brot.

Die so entstandenen Produkte wurden weit über die Grenzen hinaus bekannt und begehrt. Auch heute noch wird Bakelit – jetzt als Duroplaste – wegen seines hitzebeständigen Materials und seiner Säure- und Laugenfestigkeit in Sonderbereichen verwendet. Silvia Baukloh führte die Autoren sachkundig durch die Ausstellung und beantwortete geduldig ausführlich alle Fragen. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen im Fritz-Linde-Museum war es wiederum Silvia Baukloh, die der Autorengruppe engagiert und kurzweilig Leben und Arbeit von Fritz Linde vorstellte.

Fritz Linde hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Sprache seiner Kindheit, seine Muttersprache Platt, vor dem Vergessen zu bewahren. Allerdings wäre es selbst den gestandenen Autoren unmöglich gewesen, ohne die Übersetzung der Referentin ins Hochdeutsche den Originalton Fritz Lindes zu verstehen. Viele seiner handschriftlichen Manuskripte, seine Bücher, Briefe und sogar ein Schulzeugnis gaben einen deutlichen Einblick in Leben und Arbeit dieses besonderen Künstlers.

„Die sehen ja aus, als wollten sie sich gerade mal ausruhen von des Tages Mühen“, so traf eine der Besucherinnen genau den Kern des Eindrucks, den eigentlich alle Besucher hatten, als sie das Atelier der Puppenmacherin betraten. Das Bauernpaar auf der Bank vor dem Haus wirkte erschöpft und nachdenklich. Diesen Ausdruck in die Figuren hineinzuzaubern, ist wohl die wirkliche Kunst der Puppenmacherin. Silvia Baukloh hatte die Autorengruppe in ihr Atelier eingeladen und präsentierte hier Puppen und Figuren in den verschiedensten Materialien – von naturgenau bis modern abstrakt.

Alles virtuos dargestellt und vielfach preisgekrönt. Als letzten Programmpunkt hatte sich Annette Gonserowski die Besichtigung der Kirche St. Josef vorbehalten. Der erste Eindruck von außen ließ viele an der Wahl dieses Objektes zweifeln. Doch der zweite Blick – nach Durchschreiten des Eingangstors – ließ den Besucher staunen. Der zentrale Turm wird eingerahmt von Farbfenstern des Künstlers Robert Rexhausen.

Die Steinornamentik des Turms spiegelt sich in der Front des Kirchenraumes wider – hier ausgefüllt mit Rosenfenstern, hundertfach individualisiert. Der Architekt und Bildhauer Gottfried Böhm hatte seinen bemerkenswerten Kirchenbau der orientalischen Kunst nachempfunden. Seit 2013 steht er auf der Denkmalliste für Bodendenkmale. Das gemeinsame Abendessen bot noch einmal Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zum Blick auf künftige Aufgaben.

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