Rudi Räbsch hat 365 Tage Weihnachten

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Rudi Räbsch bastelt leidenschaftlich gerne Schwibbögen. ▪

KIERSPE ▪ Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Dieser Satz gilt auf jeden Fall für Rudi Räbsch, der in seiner freien Zeit, gleich ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, am liebsten unbezahlbare Weihnachtsdekorationen bastelt.

Zwar kann man seine Arbeiten durchaus käuflich erwerben, sogar zu vergleichsweise günstigen Preisen, doch lässt sich die Zeit, der Arbeitsaufwand, die Sorgfalt und Liebe, die er dabei investiert, kaum in bare Münze umrechnen. Besucher des Weihnachtsmarktes im Schleiper Hammer werden ihn bereits kennen, denn in diesem Jahr war er dort zum dritten Mal mit seinen Schwibbögen und seinem filigranen hölzernen Baum- und Fensterschmuck vertreten.

1947 kam Rudi Räbsch mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder aus Niederschlesien nach Kierspe, denn dort war sein Vater nach Kriegsende gestrandet. In der Volmestadt machte er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher; anschließend arbeitete er 40 Jahre lang als Vorarbeiter bei der Firma Bremi. Schon während dieser Zeit entdeckte er seine Liebe zum Material Holz und zu handwerklichen Tätigkeiten. Holzarbeiten, die im Haus anfielen, wurden in Eigenarbeit geleistet, kleine Dinge entstanden bereits in Handarbeit. Je näher das Rentenalter kam, umso klarer wurde sein Herzenswunsch: Eine Dekupiersäge. Damit wurde er schließlich von seinen drei Töchtern zu Weihnachten überrascht. Das ersehnte Arbeitsgerät wurde in einem Schuppen untergebracht, und in seiner freien Zeit arbeitete sich Räbsch dort langsam in sein neues Hobby ein.

Als Werkzeugmacher hatte er schon mit kleinen Sägen gearbeitet, so brachte er bereits das nötige Fingerspitzengefühl für die detailreichen Arbeiten mit. Das weiche Holz von Pappel und Birke ist sein Werkstoff. Daraus bastelt er Schwibbögen in mittlerweile 15 Varianten, wobei auch die Kiersper Margarethen- und die Rönsahler Servatiuskirche als Motive vertreten sind, sowie praktische zusammensteckbare Windlichter und fragile Weihnachtdekorationen, wahre Schmuckstücke für den Weihnachtsbaum oder das Fenster, die Kristallen nachempfunden sind.

Zunächst werden die Papiervorlagen aufs Holz übertragen, dann mit der Dekupiersäge ausgesägt. Anschließend werden beim Schleifen alle Kanten sorgfältig gebrochen und geglättet. Hört sich leicht an, verlangt aber viel Feingefühl und jede Menge Geduld. „Geduld ist eigentlich gar nicht meine Stärke,“ behauptet Rudi Räbsch, „aber wenn ich sehe, wie das Motiv langsam aus der Holzfläche hervortritt, werde ich ganz ruhig und kann nur schlecht wieder aufhören. Dann will ich sehen, wie es wird.“

Viele Inspirationen verdankt er seiner Frau Rita, die in einem Kiersper Kindergarten arbeitet. Zahlreiche Bekannte und Verwandte konnten sich im Laufe der Jahre schon über die Handarbeiten des heute 71-Jährigen freuen. Auch für Sonderwünsche hat er ein offenes Ohr: Serviettenringe für den Pferdenarren oder für die festliche Tafel? Kein Problem, dann wird die Halterung mit einem munteren Ross versehen, oder kommt als Tannenbaum sogar in weihnachtlichem Grün oder Rot daher. Das ist aber die Ausnahme, denn am liebsten mag Rudi Räbsch das Holz unbehandelt.

Für die Schwibbögen müssen kleine Halterungen und Abstandshalter hergestellt und angebracht werden, dann wird jede einzelne Kerze der Lichterketten sorgfältig fixiert. Zum Schluss werden die verschiedenen Ebenen zusammengefügt. Dann ist der Schwibbogen bereit, in den dunklen Tagen sein warmes Licht zu spenden.

Von Luitgard Müller

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