Rote Roben, Rauschebärte und das Christkind

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Der Osterhase hat sich in die Nikolaus-Sammlung eingeschmuggelt.

Rönsahl - Den Weihnachtsmann gibt es im Haus von Hannelore Paulus nicht – obwohl bei ihr mehr als 150 fröhliche ältere Herren in roten Roben und mit weißen Rauschebärten wohnen. Wenn sie mit ihrem Mann, ihren Kindern und den fünf Enkeln das Fest der Feste feiert, kommt aber das Christkind und bringt die Geschenke. Der Weihnachtsmann ist tabu.

Von Matthias Clever

Große und kleine, dicke oder dünne, mal traditionell mal kitschig – mehr als 150 Figuren stehen und hängen im Haus von Hannelore Paulus in Rönsahl. „Das sind alles Nikoläuse“, sagt die 64-Jährige und zeigt auf einige Männer auf der Fensterbank. Liebevoll aufgereiht stehen dort die freundlich drein schauenden Männer-Figuren.

Vor mehr als 30 Jahren kaufte Paulus die ersten Nikoläuse. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr dazu. Seit etwa 20 Jahren sammelt sie bewusst die kleinen Plastiken. Aus Kunststoff, Blech, Glas, Holz, Ton und Pappmaschee sowie aus anderen Materialien sind die Männer. „Sie müssen mir gefallen. Alles andere ist mir egal.“

Jedes Jahr Ende November packt sie die Nikoläuse aus den zahlreichen Umzugskartons aus und dekoriert mit ihnen das Haus – „das gehört einfach zu Weihnachten“. Neben den Nikoläusen werden auch Räuchermännchen und Nussknacker aufgestellt. „Früher habe ich Weihnachtspäckchen an Kinder in der ehemaligen DDR verschickt – als Dankeschön kamen damals solche Figuren zurück“, sagt sie, während sie ein Räuchermännchen auseinanderzieht. Aus den Mündern der kleinen Kerle wird ab heute der Duft von Kräutern strömen.

Nikoläuse im Weihnachtsmannkostüm

Direkt neben den Räuchermännchen stehen Nikoläuse – „den hier habe ich auf dem Kiersper Weihnachtsmarkt erstanden“, erinnert sie sich und zeigt auf eine Figur. Oft sucht sie auf Weihnachts- und Flohmärkten nach neuen Stücken. Aber nicht nur sie selbst kauft sich die Figuren. Wie ein Lauffeuer sprach sich die Sammelleidenschaft für Nikoläuse im Freundes- und Familienkreis herum. Seitdem bekommt sie immer wieder Exemplare geschenkt. Wichtig ist dabei eigentlich nur eines: die Kleidung muss rot oder rötlich sein. „Wenn ich nun noch anfangen würde, blaue Nikoläuse aufzunehmen, dann würde das nicht zu meiner Deko passen. Weihnachten muss alles traditionell rot sein“, erklärt Hannelore Paulus und zeigt auf ihren gigantischen Weihnachtsbaum – eine Nordmanntanne. Darin hängen Sterne, Herzen und Kugeln – natürlich alle in roter Farbe.

Während einige der Figuren Priestergewänder tragen, sehen andere mit ihren Zipfelmützen optisch wie Weihnachtsmänner aus. „Das sind Nikoläuse im Weihnachtsmannkostüm“, sagt Hannelore Paulus und lacht – die optischen Grenzen zwischen Priester und Marketing-Mann verschwimmen ihrer Meinung nach immer mehr. Richtige Nikoläuse seien immer schwerer zu bekommen.

Aber nicht nur die Nikoläuse im Weihnachtsmannkostüm, sondern auch ein anderer Gast hat sich in ihre Sammlung gemogelt. Ein Osterhase im Nikolauskostüm steht zwischen den bärtigen Kollegen. Der goldene Hase zwinkert. Darunter steht: „Sorry Nik“. Hannelore Paulus: „Das ist ein Geschenk, das gut zwischen die anderen passt. Zu ernst will ich das Ganze ja auch nicht sehen.“

Bis zur Mariä Lichtmess am 2. Februar bleibt die Wohnung weihnachtlich dekoriert. Danach wird abgebaut, alles in Kisten verstaut und bei der Gelegenheit andere Sachen wieder ausgepackt – Karneval steht vor der Tür und danach Ostern. Dann bleibt die Wohnung nikolausfrei – bis Ende November.

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