Rolf Hansen baut detailreiche und flugtaugliche Modellflugzeuge

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Die Segelflieger können Spannweiten von mehr als vier Metern erreichen. Motorisierte Modelle sind etwas kleiner.

KIERSPE - Am Anfang waren es Pappdeckel – richtig gefaltet und mit Blei ausgerichtet. Heute erreichen Rolf Hansens Modellflugzeuge Spannweiten von mehr als vier Metern. Gebaut werden die Segler und Motorflieger im heimischen Keller – aus Sperrholz und mit jeder Menge Herzblut.

Wenn der 72-Jährige von seinem Hobby erzählt, sprüht er vor Begeisterung. Über drei Kellerräume erstreckt sich sein Reich, an den Wänden stehen – sicher verpackt in Decken, Taschen und Kartons – Flugzeugrümpfe und Tragflächen. „Alle habe ich nicht selber gebaut“, sagt Hansen. „Einige habe ich geschenkt bekommen und restauriert – aber ich kaufe selber keine, das ist mein Grundsatz!“ 25 Stück habe er bisher gebaut – sein neustes steht noch auf der Werkbank. „Als Junge habe ich den Größeren dabei zugeschaut, wie sie aus Pappdeckeln Flugzeuge gebaut und diese fliegen gelassen haben“, erklärt er den Anfang seines Hobbys. „Das hat mich dazu animiert, selbst auch welche zu bauen.“

Später sei das Hobby auch eine gute Rückzugsmöglichkeit geworden – Anfang der 1970er-Jahre begann er mit dem richtigen Modellbau. Damals seien die Flieger noch nicht so groß gewesen, meint er. „Aber je besser die Steuerungen wurden, desto größere Spannweiten waren auch möglich“, fügt er hinzu. Sein größtes hat eine Rumpflänge von zwei Metern und 4,57 Meter Spannweite. „Je größer desto besser“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Vielleicht werden sie wieder kleiner wenn ich auf die 80 zugehe.“

Das Wissen für den Bau von detaillierten und vor allem flugtauglichen Modellen hat sich der gelernte Maler und Lackierer im Laufe der Jahre selbst angeeignet. „Ich habe Fachzeitschriften abonniert und Bücher gelesen, aber das Meiste lernt man, indem man es sich vorstellt und versteht, wie es funktioniert“, erklärt er. „Und durch den Austausch mit anderen Modellbauern.“

Zurzeit arbeitet er an einem Modell der kanadischen „Harbinger 2“. Angefangen hat er damit bereits vor drei Jahren. „Es gibt unter den Modellfliegern die Bauer und die Käufer“, erklärt der 72-Jährige. „Ich bin ein Bauer – und tausche mich darüber auch mit meinen Kollegen aus.“ In einem dieser Gespräche fiel der Vorschlag, sich zu zweit an den Bau der Harbinger zu machen. „Ich wollte eigentlich ein ganz anderes Flugzeug bauen, fand die auch erst gar nicht so schön, aber ich habe mich überreden lassen“, erinnert er sich. Also habe er sich daran gemacht, Informationen zu sammeln, und Skizzen und Pläne zu entwerfen. Das mache er meistens selbst, sagt er. Zwar gäbe es auch fertige Pläne für den Modellbau, jedoch meist nicht in der Größe in der er die Flugzeuge bauen wollen, daher plane und zeichne er viel selber. Ein Jahr später waren seine Planungen abgeschlossen, sodass sein Kollege eigentlich mit dem Bau beginnen konnte. „Da hatte der aber schon mit einem anderen Modell angefangen“, sagt Hansen und fügt hinzu: „Nun hatte ich aber schon die Pläne – dann musste ich sie natürlich auch bauen. Im Frühjahr vergangenen Jahres begann er mit Rumpf. „Insgesamt besteht das Model sicherlich aus mehr als 2000 Teilen“, schätzt der Bastler. Der Rumpf wird durch Rippen in Segmente eingeteilt – millimetergenau eingepasst, sorgen diese für Stabilität. Als das geschafft war, sei erstmal die Luft raus gewesen. „Ich habe erst vor kurzem mit den Tragflächen begonnen – aber jetzt ziehe ich das auch durch“, hat ihn nun wieder der Tatendrang gepackt. Dieses Mal möchte er auch das Cockpit ausbauen – inklusive Sitzen und Anzeigen.

Ist die Konstruktion dann fertig, werden die Sperrholzteile mit Seide überzogen, lackiert und mit Farbe verziert. Dann wird es Zeit für einen Testflug. Erst nach dem ersten Flug kann der Schwerpunkt genau eingestellt werden. Und wenn mal einer abstürzt? „Das tut schon weh“, gibt Hansen zu. „Zum Glück habe ich bisher nur einen Flieger verloren, die anderen konnte ich immer reparieren – das schwierigste ist immer die Landung.“

Die Segelflieger werden wahlweise geworfen oder gezogen – je nach Größe und Gewicht. Die Großen werden mithilfe eines motorisierten Modellflugzeuges gen Himmel geschleppt, sodass sie dort mit Hilfe der Thermik kreisen können. Ein wahres Paradies für Segelflieger ist die Rhön.

Dort ist auch Rolf Hansen regelmäßig zu Gast: Im Gepäck drei bis vier Modelle für jede Windstärke und viel Leidenschaft: „Wenn so ein selbst gebautes Modell in die Luft geht und man es fliegen sieht, dann ist das was fürs Herz und für die Seele – ein erhabenes Gefühl.“ - Laila Weiland

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