Rönsahler Pfarrer beschreibt Situation in Weißrussland

Nadeshda heißt Hoffnung – Hilfe für Belarus

Seit vielen Jahren wird das Erholungszentrum Nadeshda unterstützt. Unmittelbare Auswirkungen durch die politischen Unruhen in Belarus befürchtet Heinz-Georg Ackermeier allerdings bislang nicht.
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Seit vielen Jahren wird das Erholungszentrum Nadeshda unterstützt. Unmittelbare Auswirkungen durch die politischen Unruhen in Belarus befürchtet Heinz-Georg Ackermeier allerdings bislang nicht.

Nadeshda heißt Hoffnung – und diese möchten die Menschen in Belarus (ehemals Weißrussland) nicht verlieren. Für ihre Hoffnung auf Demokratie und Freiheit gehen sie seit Monaten auf die Straße. Das bewegt auch Heinz-Georg Ackermeier, der sich seit rund 30 Jahren dem Kindererholungszentrum Nadeshda verbunden fühlt.

Kierspe - Damals, Anfang der 1990er-Jahre war Ackermeier noch Männerpfarrer im Dienst der Evangelischen Kirche. Noch unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nahm er damals die ersten Kontakte auf. Der Aufbau einer ökologischen Landwirtschaft stand damals neben Erholungsmaßnahmen für Kinder aus den verstrahlten Gebieten im Vordergrund. Später kamen dann auch Rehabilitationsmöglichkeiten für Kinder mit Behinderung dazu.

Viele Male ist der Rönsahler in das Erholungszentrum gereist, hat geholfen, eine Fotovoltaikanlage aufzubauen, den Verein mit Spenden unterstützt und die Freundschaften gepflegt, die mit den Jahren entstanden sind.

Präsident ist Diktator

Die Hoffnung auf ein besseres, freiheitlicheres und demokratischeres Leben der Menschen in Belarus hat auch er nicht aufgegeben. Doch er sieht voller Sorge in das Land im Osten. „Die Folgen der Atomkatstrophe waren noch lange nicht beseitigt, da baute Staatschef Alexander Lukaschenko ein neues Atomkraftwerk, finanziert mit russischen Krediten“, erzählt Ackermeier. Lukaschenko sei schon immer ein Diktator gewesen, aber es habe immer einen unausgesprochenen Gesellschaftsvertrag gegeben. „Das System garantiert Versorgung und Arbeit, dafür halten sich die Menschen im Land aus der Politik heraus. Das hat auch lange funktioniert und vor allem auf dem Land fand Lukaschenko auch die notwendige Unterstützung“, so Ackermeier. Es habe schon immer eine Opposition gegeben, doch die habe über viele Jahre kaum Rückhalt gehabt. Ackermeier: „Das hat sich aber mit der Wahl im vergangenen Jahr geändert. Damals ist auch dieser Gesellschaftsvertrag zerbrochen. Mittlerweile gibt es quer durch alle Schichten Protest gegen die Regierung, auch wenn die Gruppe der Jüngeren – so bis 45 Jahre – die Mehrheit bei den Protestierenden stellt.“

Dabei spiele das Verhalten Lukaschenkos im Rahmen der Corona-Politik eine entscheidende Rolle.

Unklarer Ausgang

Längst habe die Protestbewegung viele Landesteile erreicht und käme nicht mehr nur in Minsk zum Ausdruck.

Wie der Konflikt zwischen den Unzufriedenen und Lukaschenko ausgehen wird, wagt Ackermeier nicht zu sagen. „Früher ist er immer zwischen der EU und Putins Russland hin- und hergependelt. Mittlerweile ist er aber vor allem von Putin abhängig. So lange dieser seine Hand über ihn hält, kann er sich sicher halten. Für die nahe Zukunft ist sicher damit zu rechnen, dass die Proteste weitergehen und Lukaschenko weiter knüppeln lässt. Er hat zwar mittlerweile eine Verfassungsreform versprochen, ob diese kommt und ob sie etwas bringt, kann ich nicht einschätzen, aber zurücktreten wird er sicher nicht“, sagt Ackermeier.

Er wagt auch nicht zu beurteilen, wie sich das Land entwickeln würde, wenn Lukaschenko eines Tages seinen Platz räumen würde. „Die Demonstranten sind zwar in ihrem Protest gegen den Diktator geeint, aber innerhalb der Demonstranten gibt es die, die pro-europäisch gestimmt sind, und die, die pro-russische Einstellungen vertreten.“

Unmittelbare Auswirkungen auf das Kindererholungszentrum befürchtet Heinz-Georg Ackermeier nicht, obwohl sich etliche Mitarbeiter der Einrichtung klar zur Opposition bekennen würden. „Es ist nach wie vor das einzige Zentrum, dass sich um behinderte Kinder kümmert. Damit schmückt sich Lukaschenko gerne“, sagt der Kiersper. Er hofft, dass „nach Corona“ die wirtschaftliche Lager besser wird, da dann auch wieder Ferienlager möglich würden. Bis dahin sei das Zentrum auf Unterstützung angewiesen, die bei weitem nicht nur aus Deutschland komme, auch in Japan, Österreich, Schottland und England gäbe es Unterstützer.

Solidarität mit den politischen Gefangenen in Belarus

Das Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung nutzt Heinz-Georg Ackermeier, um auf die Situation der 300 politischen Gefangenen hinzuweisen. Er fordert die Kiersper auf, sich an einer Solidaritätsaktion der Evangelischen Kirche für die Gefangenen zu beteiligen. Ackermeier: „In den Wintermonaten sind in Belarus weniger Menschen auf die Straße gegangen und entsprechend gab es auch kaum Berichte in den Medien. Dabei droht insbesondere eine Gruppe in Vergessenheit zu geraten: die etwa 300 politischen Gefangenen in Belarus. Es geht darum, Briefe an die politischen Gefangenen zu schreiben, um deutlich zu machen, dass sie nicht vergessen sind. Weitere Informationen und Brieftexte in Russisch finden sich unter www.100xSolidarität.de.“

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