Bischofs Dekret: „Dadurch verliert die Kirche ihre Weihe“

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Pastor Gregor Myrda verlas das Dekret des Bischofs zur Profanierung der Kirche St. Engelbert.

Rönsahl - Selten war es in den letzten Jahren so voll in der Kirche St. Engelbert – und selten so still. Die Anspannung war den Gottesdienstbesuchern anzumerken, kaum jemand hatte schon einmal an einer Profanierung teilgenommen. Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes wurde noch einmal an den Namenspatron der Kirche erinnert, den Heiligen Engelbert von Berg. Die Gottesdienstordnung war darauf abgestellt, die Priester trugen deshalb auch rote Gewänder, in der katholischen Kirche die Farbe der Märtyrer.

Pfarrer Thorsten Rehberg erinnerte in seiner Predigt an Engelbert als einen mutigen Kämpfer für die Kirche. Für die Gemeinde weitaus wichtiger war indes das Dekret des Bischofs, das Pastor Gregor Myrda verlas – der Kernsatz darin: „Dadurch verliert die Kirche ihre Weihe.“

Die Küster der drei Kirchen St. Engelbert, St. Josef und St. Marien löschten sämtliche Kerzen und stellten sie vor den Altar. Der Ständer, auf dem bis dahin die Osterkerze ihren Platz hatte, wurde niedergelegt, der Tabernakel geöffnet und die Monstranz – ein Schaugefäß für die geweihte Hostie – zum letzten Mal zur Anbetung auf den Altar gestellt. Die mehr als 60-jährige Geschichte der Kirche St. Engelbert ist damit Vergangenheit.

Ein starkes Symbol: Alle Kerzen in der Kirche wurden gelöscht und vor den Altar gestellt.

Das gelte aber nicht für die Kirche in Rönsahl, betonte Rehberg. „Wenn die äußere Form vergeht, soll doch die innere Bestand haben.“ Nicht das Gebäude, Gottes Wort und die Menschen seien entscheidend. Rehberg beschwor den Neuanfang unter ökumenischen Vorzeichen, denn bereits am nächsten Samstag wird die katholische Gemeinde ihre Messe in der Servatiuskirche feiern.

Ein „Pilotprojekt“ sei diese Form der Kooperation, ungewöhnlich auch für die Landeskirche. „Ob die Gemeinde es will, muss sie selbst entscheiden.“ Die Katholiken aus den anderen Gemeindegebieten Kierspe, Meinerzhagen und Valbert zeigten Solidarität, ebenso waren einige evangelische Christen gekommen. Für die Rönsahler beginnt jetzt das große Aufräumen. Im Vorfeld wurde bereits entschieden, was mit Kirchenbänken und Orgel, liturgischen Geräten und Gewändern geschehen soll. Einiges geht an andere Gemeinden, zum Teil in Osteuropa.

Die Engelbert-Reliquien werden noch eine Weile in der Kirche bleiben. Sie sind in die Altarplatte eingelassen und können nur mithilfe eines Steinmetzes entnommen werden.

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